St. Pius X. Würselen: Über Jahrzehnte engagiert, doch nun nicht gefragt

St. Pius X. Würselen : Über Jahrzehnte engagiert, doch nun nicht gefragt

In Würselen ärgern sich katholische Ehrenamtler über eine neue Gottesdienstordnung. Denn einbezogen wurden sie nicht. Einige von ihnen ziehen nun bittere Konsequenzen.

Der Priestermangel macht der katholischen Kirche zu schaffen; umso mehr ist sie auf ehrenamtliche Laien angewiesen, die mehr und mehr Aufgaben übernehmen müssen. Dabei kommt es auch zu Konflikten wie jetzt in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) St. Sebastian in Würselen. Ihr gehören neben der Pfarrkirche St. Sebastian die großen Kirchen St. Lucia und St. Peter und Paul sowie vier weitere kleine Gemeinden an – darunter Pius X. Dort sind zahlreiche engagierte Laien ehrenamtlich aktiv.

Einer von ihnen ist der pensionierte Religionslehrer Bernhard Zimmermann-Buhr. Er ist ein Mann der Basis, aktiv in zahlreichen Gremien, einer mit viel Erfahrung. Er war lange im Pfarrgemeinderat, im GdG-Rat, er ist Lektor, Leiter von Wortgottesdiensten und arbeitet zudem als Beerdiger im Beerdigungsdienst mit. Seit 1. September gilt für die Gemeinde Pius X. wie für die gesamte GdG eine neue Gottesdienstordnung. Daran entzündet sich der Streit.

In St. Pius X. kann man sich bei Messen und Wortgottesdiensten auf neun Frauen und Männer verlassen, „die das seit Jahrzehnten gut und verantwortungsvoll machen, Wortgottesdienste vorbereiten und leiten“, sagt er. Er kritisiert, dass sie nicht gefragt worden sind, bevor die neue Gottesdienstordnung in Kraft tritt. „So kann man doch nicht einfach vorgehen. Keiner der Leiter ist gefragt worden. Wir waren neun; jetzt sind zwei deswegen schon ausgeschieden.“

Wehrt sich gegen die Kritik: Pfarrer Rainer Gattys. Foto: Markus Roß

Und er selbst wird Ende des Jahres als Lektor und Wortgottesdienstleiter aufhören, weil er sich über die neue Gottesdienstordnung und besonders die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist, ärgert. Hinzu kommt, dass er von Pfarrer Rainer Gattys trotz wiederholter Anfrage keine klare Antwort auf die Frage erhalten habe, warum diejenigen, die sich so lange um Wortgottesdienste kümmern, nicht vorab gefragt worden seien.

Nach Aussage von Gattys gegenüber unserer Zeitung „sah weder der GdG-Rat noch das Pastoralteam eine Notwendigkeit, diese Gruppen in die Erstellung der Gottesdienstordnung miteinzubeziehen“.  Seine Begründung: „Die Wortgottesdienstleiter/innen sind wie Messdiener/innen, die Chöre, Lektoren/innen, Kommunionhelfer/innen nicht durch Wahl legitimiert. Hinzu kommt noch der Umstand, dass alle liturgischen Dienste eine bischöfliche Beauftragung auf die Gesamt-Pfarrei St. Sebastian haben und nicht auf die jeweiligen Ortsgemeinden. Die Beauftragung durch den Bischof erfolgt nach Anhörung und Befürwortung des GdG-Rates.“ Gattys legt Wert darauf, dass der durch Wahl legitimierte GdG-Rat neben dem Pastoralteam das für die Gottesdienstordnung zuständige Gremium sei. Die neue Regelung sei im GdG-Rat diskutiert, „zur Abstimmung gestellt und ohne Gegenstimme oder Enthaltung einstimmig verabschiedet“ worden.

Zimmermann-Buhr schätzt Gattys als Seelsorger und Priester. Aber ihn ärgert, „dass so formalistisch argumentiert wird. Uns stört die neue Uniformität.“ In den vier kleinen Kirchen gebe es ab 1. September nur noch zwei Gottesdienste im Monat, eine Heilige Messe und einen Wortgottesdienst – immer schon um 8.45 Uhr. „Das ist für viele Familien zu früh und damit keine attraktive Alternative.“ Zimmermann-Buhr befürchtet, dass man nun gerade junge Familien verliert, die bisher zu erreichen waren.

Wenn es einen fünften Sonntag im Monat gibt, „ist – anders als bisher – ein Wortgottesdienst in Pius X. nicht vorgesehen, obwohl er möglich und gewünscht ist“, sagt Zimmermann-Buhr. Gattys verweist auf Erfahrungen von Nachbar-GdG’s, wonach durch Wortgottesdienste an fünften Sonntagen Verwirrung entstehe; deshalb habe man darauf verzichtet. Zimmermann-Buhr: „Bislang gab es die ja auch – und zwar ohne jede Verwirrung.“ Für ihn stellt sich eine ganz andere Frage: „Wie groß ist die Vielfalt, die noch zugelassen wird?“

Und Zimmermann-Buhr fragt sich zudem,  wie groß der Ermessensspielraum von Pfarrer und Pastoralteam der GdG St. Sebastian noch ist, wie stark die Bistumsleitung Einfluss nimmt. Über den konkreten Fall in Würselen hinaus hegen engagierte Gläubige an der Basis des Bistums immer wieder den Verdacht, dass Gemeindemitglieder jetzt bereits zu zentralen Gottesdiensten in große zentrale Kirchen umgeleitet werden sollen, um Fakten in Richtung künftiger Strukturen zu schaffen.

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