Sommerakademie 2019 der Städteregion in Würselen

Beachtliche Bilanz : Sommerakademie erweist sich als Glücksgriff für alle

Einen großen Haken konnten alle Beteiligten unter die Premierenausgabe setzen. Unter dem Titel „Sommerakademie” hatten die Städteregion Aachen sowie die Betriebs- und Werkstätten der Caritas zur Abschlussveranstaltung in Würselen eingeladen – Menschen mit und ohne Behinderung teilten die Freude an Musik, Gesang, Tanz und Kunst.

Fünf kreative Workshops hatte das Inklusionsprojekt seit Anfang des Jahres im Angebot, lokale Schulen und Institutionen konnten als Kooperationspartner gewonnen werden. Knapp 400 Gäste hatten den Weg nach Würselen gefunden und bestaunten die Ergebnispräsentationen der einzelnen Arbeitsgruppen. Auch nach dem „offiziellen” Teil fand die Feierlaune kein abruptes Ende. Spontan wurde eine verfrühte „Fastelovend” eingeleitet.

Im Herbst 2018 hatte das städteregionale Amt für Inklusion und Sozialplanung mit der Planung des Projekts begonnen, das auf einem Vorschlag aus dem Inklusionsplan der Städteregion basierte. Amtsleiterin Bettina Herlitzius und Karin Schmitt-Promny (Vorsitzende des Inklusionsbeirates) zeigten sich erfreut über die Zustimmung, die die „Pilotfassung” dereinst bereits erhielt.

Die Workshops wurden nach folgendem Prinzip durchgeführt: Beschäftigte der Werkstätten der „Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH” (CBS) besuchten eine jeweilige Einrichtung und arbeiteten mit den dortigen Schülern über einen längeren Zeitraum zusammen.

Im Schnitt einmal pro Woche traf man sich in den vergangenen sechs Monaten. „Das Eintauchen der Beschäftigten in diese sogenannten „Regelsysteme” ist ein wichtiges Merkmal dieses Projekts und steht für ganzheitliche Inklusion”, verriet Schmitt-Promny.

Neben einem Chor-Workshop an der Realschule Alsdorf gab es für die Tanzbegeisterten bei der Alsdorfer Ballett- und Gymnastikschule Harlekin ein Angebot. Künstler Armand Naebers erforschte mit seinen Besuchern unterschiedliche Materialien und Werkzeuge in der Kunst und entwickelte mit ihnen zusammen neue Ideen.

Das „Gebärdentheater” konnte zusammen mit dem Hörgeschädigten Zentrum Aachen erlernt werden, während am städtischen Gymnasium Würselen die sogenannte „Percussion” im Mittelpunkt stand: Hier wurde mit kleinen Trommeln Sambamusik erzeugt und für ordentlich Stimmung gesorgt. Die Resonanz lag mit weit über 100 Teilnehmer bereits zu diesem Zeitpunkt jenseits aller Erwartungen.

Kerstin Konzer, Gesamtwerkstattratsvorsitzende aller CBS-Standorte im Kreis, konnte seitens der Belegschaft ein überaus positives Fazit ziehen. Die anfängliche Aufregung sei schnell der Euphorie gewichen, viele Kontakte und Freundschaften wurden geknüpft.

Die Hoffnung und Vorfreude auf eine zweite Ausgabe lindere den Abschiedsschmerz. Einen ungeahnten Effekt hatte die Zusammenarbeit außerdem auf den ein oder anderen Schüler: Viele entdeckten Begeisterung und Talent für das soziale Berufsfeld – der ein oder andere würde diesen Weg gerne einschlagen.

Neben dem „positiven Zeichen für die Inklusionsarbeit in der Städteregion” (Herlitzius) konnte also auch gleich nachhaltige Werbung für den beruflichen Nachwuchs gemacht werden – eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Fredi Gärtner (Leitung sozialer Dienst und berufliche Bildung), der zusammen Schmitt-Promny auch die Moderation der „Sommerakademie” am Würselener Werk drei in der Honigmannstraße übernahm, zeigte sich gänzlich überzeugt vom „Pilotprojekt”. Die inklusive Kulturteilhabe sei ein wichtiger Arbeitsfaktor. Seitens der Städteregion wurde bereits Interesse für eine weitere Zusammenarbeit signalisiert, allerdings sei eine jährliche Durchführung aus organisatorischen Gründen derzeit unwahrscheinlich.

Bewusst sind sich alle Beteiligten allerdings über die Strahlkraft, die das Projekt haben kann. Landesweit gibt es keine direkt vergleichbaren Pilotprojekte und auch auf Bundesebene gehören Städteregion und Caritas zu den Vorreitern.

(fs)
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