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Bewährungsstrafen: Opfer geschlagen und Rucksack geklaut

Bewährungsstrafen : Opfer geschlagen und Rucksack geklaut

Ein nächtlicher Überfall in Würselen-Bardenberg im April dieses Jahres hatte jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Das Opfer war ein Engländer. Zwei junge Männer wurden nun von der Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Jugendhaft auf Bewährung kassierte jetzt der bei der Tat erst 19-jährige Mirco B. aus Würselen, der am 19. April dieses Jahres mit einem Kumpel von einer feucht-fröhlichen Party in einem bekannten Lokal in Bardenberg kam – und aus dem Nichts heraus einen weiteren Nachtschwärmer überfiel.

Die Große Jugendkammer am Aachener Landgericht unter Vorsitz von Richter Norbert Gatzke nahm dem heute 20-Jährigen seine ursprünglich Version, er habe sich mit dem nachts gegen 2 Uhr aus dem Bus an der Grindelstraße austeigenden Opfer mal ein bisschen nett unterhalten wollen, sicherlich nicht ab. Die angeblichen Nettigkeiten waren spätestens dann vorbei, als Mirco B. seinen Schlagstock zog und gegen den verängstigten und inzwischen vor dem aggressiven Duo fliehenden Mann einschlug. Er traf ihn mehrfach am Unterarm.

Der Mitangeklagte Florian B. (23) hielt sich hierbei zurück, legte sich jedoch dafür später umso heftiger mit einem von zwei Polizisten an, die beide kurz nach dem Überfall kontrollieren wollten. Es kam zu einer Rangelei und die sofortige Festnahme.

Florian B. kassierte, weil er nicht mehr als Jugendlicher gilt, trotz seines wesentlich geringeren Tatbeitrags eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die allerdings ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Beide Angeklagte hatten viel Glück. Angesichts der ursprünglichen Anklageschrift, die von einem nächtlichen Raubüberfall, ausging, verurteilte die Kammer die beiden aktuell „nur“ wegen eines Diebstahls begangen mit einer Waffe, ein weit milderer Tatvorwurf als der ursprüngliche. Die mit dem Schlagstock zugefügten Schläge gelten als gefährliche Körperverletzung ebenso wie die Schläge des Kumpel später gegen die Polizisten.

Denn letztlich ließ sich in der Hauptverhandlung nicht eindeutig klären, ob die beiden Täter den Rucksack des Opfers bewusst rauben wollten – oder ihn im alkoholisierten Zustand einfach „nur so“ mitgenommen hatten. Später – so hatten sie zu Protokoll gegeben – hätten sie sich über die Maßen gewundert, plötzlich mit zwei Rucksäcken aufgegriffen worden zu sein.

Florian B. und Mirco B. – sie sind keine Brüder – hatte mehr Glück als Verstand. Denn zu Recht machte der Kammervorsitzende Gatzke darauf aufmerksam, dass das Opfer sicherlich nach dem nächtlichen Überfall traumatisiert sei.

Die Kammer hatte das nicht verifizieren können, weil das Opfer – ein Engländer, der sich wegen seines Jobs in Aachen und Würselen aufgehalten hatte – befindet sich inzwischen wieder in England und war als Zeuge zum Prozess nicht erschienen. Das war wohl auch zum Vorteil für die Angeklagten.

(red)