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Porträt: Mehmet Durmus mixt Cocktails und baut ein besonderes Boot

Porträt : Mehmet Durmus mixt Cocktails und baut ein besonderes Boot

Wer kann schon von sich behaupten, fast ganz alleine ein Boot gebaut zu haben? Mehmet Durmus kann das. Und mit Boot ist nicht ein kleines Paddelboot gemeint, sondern eine über neun Meter lange und 2,5 Meter breite Luxus-Carbon-Motoryacht mit Elektroantrieb, Boardküche, Liegeflächen, einer Badeplattform und Schlafkoje.

Mehmet Durmus wurde in den Bootsbau hinein geboren: Schon sein Vater baute Segelboote. Durmus half schon früh mit und absolvierte später auch die Ausbildung als Bootsbauer. Als er dann jedoch selbst als Angestellter in dem Job arbeitete, wurde es schnell langweilig: „Man bekommt einen Auftrag und muss ihn genauso umsetzen. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich mich kreativ ausleben musste und das konnte ich als angestellter Bootsbauer nicht“, betont er.

Kurzerhand entschied er sich für ein Studium zum Handwerksdesigner an der „Akademie Gut Rosenberg“ in Aachen. Dort bekam er für seine Abschlussarbeit „Drop“ sogar den „Rosenberger Designpreis“ und gewann den ersten Preis bei Designtalente NRW. Im Anschluss an das Studium machte er seinen Meister.

Ende Dezember 2017 absolvierte er die Meisterprüfung und am 1. Januar 2018 zeichnete er schon die ersten Entwürfe für sein Boot. Seitdem arbeitete er täglich in seinem Atelier an seiner Yacht. „Meistens stehe ich von 7 bis 17 Uhr in der Werkstatt“, sagt Durmus. Und das macht er alles neben seinem Fulltime-Job als Barkeeper im Brander Bahnhof, wo er teilweise bis spät in die Nacht hinter der Theke steht.

Für ihn heißt es also jeden Tag: Erst das Boot und dann die Cocktails. Bis zu 20 Stunden kann dann ein normaler Arbeitstag von Durmus lang sein. Aber das macht er gerne und mit Leidenschaft, denn das kreative Ausleben an seinem Boot ist für ihn das Highlight jedes Tages. Zu Coronavirus-Zeiten sah das jedoch anders aus. Zwar hatte Durmus durch das Social-Distancing und die dadurch bedingte Schließung seines Arbeitsplatzes mehr Zeit für sein Boot, doch fehlte es ihm natürlich auch an Geld. „Um weiter zu machen brauchte ich neue Materialien. Mit meinen eigenen Lebenshaltungskosten und der Miete der Werkstatt war das jedoch nicht tragbar. Ich bin dadurch also sehr in Verzug geraten“, sagt er.

Nach zwei Monaten lief dann die Gastronomie wieder an, und es konnte es dann zum Glück weitergehen. Aktuell arbeitet Durmus an dem Prototyp des Bootes – schon bald wird er dann davon einen Negativabdruck nehmen und will es schon nächstes Jahr an den Mann bringen. „Mein Ziel ist es, das fertige Boot bei der ‚Boot Düsseldorf’ zu präsentieren, die im Januar 2021 stattfindet. Das könnte aber eventuell durch den Lockdown und den Verzug etwas knapp werden.“ Sollte das Boot direkt auf der Messe einen Abnehmer finden, hätte dieser es schon nach etwa einem Monat fahrbereit im Wasser stehen.

Das besondere bei Durmus’ Boot ist wohl die Expertise und die Gedanken, die in jedem kleinsten Teil stecken. „Ich wollte auf dem Boot alles so einfach und praktisch wie möglich gestalten, um das Leben darauf zu vereinfachen. Die Küche sollte alles haben was man braucht und das an den richtigen Orten. Es soll einem auf dem Boot an absolut nichts fehlen“, sagt er.

So gibt es neben einem Kühlschrank, einem Grill und einer Spüle auch noch eine Cocktailbar: „Hier habe ich meine Expertise als Barkeeper rein gesteckt.“ Auch die Möbel an Board soll man sich individuell zusammenstellen können. „Die Sitzflächen kann man verschieben oder komplett raus nehmen und mit wenigen Handgriffen sogar durch andere Sitzgelegenheiten ersetzen. Das gesamte Boot ist als Modular aufgebaut um für jede Gegebenheit die richtige Atmosphäre zu schaffen.“

Sogar in der Schlupfkoje wird es ein Highlight geben: Rund um die Liegefläche unter Deck werden auf Liegehöhe Fenster angebracht, die einen Panoramablick aufs Meer ermöglichen. Das Boot wird am Ende aus Kohlefaser oder auch Carbon (CFK) – einem ultraleichten Kunststoff – bestehen.

Sein nächstes Projekt hat er auch schon angepeilt: Es wird noch größer! „Ich habe schon vor einiger Zeit angefangen, die Entwürfe für mein nächstes Boot zu zeichnen. Das soll deutlich größer werden.“ Mehmet Durmus hat seine Berufung gefunden – er sieht sich auch in 30 Jahren noch Boote bauen, und wer weiß, wie groß diese dann werden.