Interview mit Jürgen Wezel zu 100 Jahre Teutonia Weiden

100 Jahre Teutonie Weiden : Sportler mahnen erneut moderne Sportstätten an

100 Jahre Teutonia Weiden, der Saisonstart in der Kreisliga A sowie die Sportstättensituation in Würselen das sind die Themen im Interview mit dem zweiten Vorsitzenden des Fußball-Clubs Teutonia Weiden 1919, Jürgen Wezel, und dem Jubiläumskoordinator Gerd Schicke. Die Fragen stellte Markus Roß.

Herr Schicke, die Vorbereitungen zum großen Jubiläumsfest „100 Jahre Teutonia Weiden“ sind so gut wie abgeschlossen. Auf welche Höhepunkte dürfen sich die Mitglieder und Freunde des traditionsreichen Fußball-Clubs am letzten August-Wochenende freuen?

Gerd Schicke: Wir befinden uns nun auf der Zielgeraden. Druckfrisch ist unsere rund 100 Seiten starke Festschrift, die ab sofort beim Vorstand und in der Broichweidener Geschäftsstelle der Sparkasse erhältlich ist. Das Festwochenende beginnt am Freitag, 30. August, mit dem Ehrenabend. Weiter geht es am Samstag mit dem Showabend und dem Abschluss-Frühschoppen am Sonntag. Für den Showabend konnten wir namhafte Künstler verpflichten – alle bekannt von Fernsehauftritten: Achnes Kasulke, die Funky Marys, Bauchredner Klaus und Willi sowie aus der Show „RTL-Supertalent“ Andreas Maintz. Abgerundet wird die Veranstaltung durch den Keyboarder Karl Jörrißen und die Tanzgruppe der Hölze Päed.

Seit sehr vielen Jahren engagieren Sie sich bei der Teutonia. An welche Ereignisse und Anekdoten erinnern Sie sich sehr gerne? Welche sportlichen Höhepunkte gab es in der nun 100-jährigen Vereinsgeschichte?

Gerd Schicke: Ich erinnere mich an das Entscheidungsspiel 1976 in Mariadorf um den Aufstieg in die Landesliga. In der Meisterschaft war man punktgleich mit dem SC Kellersberg an der Spitze gelandet. 2.500 Zuschauer sahen ein großartiges Spiel, das jedoch mit 2:0 an SC Kellersberg ging. Nach 34 Jahren Vorstandsarbeit kann man auf einige schöne Erlebnisse zurückblicken. 1988 wurde die F-Junioren-Mannschaft Hallenkreismeister und durfte als Belohnung das Vorspiel der Fußball-Europameisterschaft UDSSR – Niederlande im vollbesetzten Köln-Müngersdorfer Stadion bestreiten. Als die jungen Spieler – sieben Jahre alt – in den Umkleidekabinen den Lärm aus dem Stadion hörten, bekamen einige Bedenken, überhaupt aufzulaufen. Hier warf Überredungskunst gefragt. 1989 fand das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Damen-Regionalliga in Leverkusen statt. Morgens erfuhr unser damaliger Pfarrer Hans-Rolf Krewinkel, dass wir mit einem Bus dorthin fahren. Spontan sagte er seine Teilnahme zu und unter diesem „geistlichen Beistand“ wurde der Aufstieg in die damalige dritthöchste Spielklasse perfekt gemacht, worauf die Rückfahrt feucht-fröhlich war.

Zurück zu Tagesgeschehen. Am 25. August startet die Kreisliga-Saison 2019/2020. Zu den Höhepunkten zählen sicherlich wieder die Derbys mit dem VfR Würselen und der Rhenania. Welche Ziele hat sich das Kreisliga-A-Team für diese Saison vorgenommen?

Jürgen Wezel: In der letzten Saison, wo uns in der kompletten Rückrunde bis zu sieben Leistungsträger verletzungs- und berufsbedingt nicht mehr zur Verfügung standen, konnten wir die Serie nicht mit dem erhofften Aufstieg abschließen. Das zeigte uns, dass man gesteckte Ziele realistisch einstufen und aufarbeiten muss. Das haben wir zur kommenden Serie getan! Wir haben den Kader punktuell verjüngt und setzen zudem auf den Unterbau aus der immer stärker werdenden Reserve. Weiterhin starten wir mit einem neuen Trainerteam, das neue Impulse einbringen wird. Daher wollen wir auch in dieser Saison wieder oben mitspielen. Ziel wäre in der Tabelle besser abzuschneiden als Platz fünf. Natürlich zählen die Derbys immer zu den Saisonhöhepunkten. Vor allem, weil ich denke, dass sowohl VfR Würselen als auch die Rhenania in der Tabelle oben mitmischen werden. Aber den Stellenwert der Derbys, wie vielleicht noch vor 15 bis 20 Jahren, gibt es leider nicht mehr.

Der Bau des neuen Sportzentrums an der Kaußeneichsgasse am Aquana verzögert sich derzeit etwas. Zu Gesamtpaket zählt auch der Ausbau der Sportanlage am Helleter Feldchen? Wie ist hier der Sachstand?

Jürgen Wezel: Aktuell bewegt sich leider wenig bis gar nichts. Seit 2013 gab man uns Weidener Vereinen immer wieder das Gefühl, dass unser Konzept schlüssig und umsetzbar wäre. Seitdem ist in Broichweiden außer zahlreichen Sitzungen, in denen wir immer wieder für unser Konzept und Planungsgestaltung gelobt und bestärkt wurden, nicht viel geschehen. Gerade wir – der FC Teutonia Weiden – hat so vielen Kompromissen zugestimmt. Wir haben mittlerweile das Gefühl, dass diese Loyalität und Kooperationsbereitschaft von Politik und Verwaltung ausgenutzt und nicht anerkannt werden.

Nach der Genehmigung des Haushalts wird die Stadt zwei Gutachten zu Lärmschutz und Verkehr, den planerischen Grundlagen, in Auftrag geben. Erst wenn diese weiteren Ergebnisse vorliegen – wann das sein wird, konnte man uns noch nicht mitteilen- wird dem Rat ein Vorschlag zum weiteren Vorgehen vorgelegt. So zieht sich das nun seit 2013 hin, und rings um Würselen herum werden Sportstätten saniert und modernisiert. Nur in Broichweiden müssen wir weiterhin mit verfaulenden Sporthallen, maroden und nicht wettbewerbsfähigen Sportstätten und daher mit rückläufigen Angeboten für Sportler und sportinteressierten Kindern und Jugendlichen „leben“. Wir Vereine werden gar nicht erst in die Lage versetzt, zeitgemäße moderne Angebote anbieten zu können, weder für Sportler noch für die ehrenamtlichen Helfer und Vorstände. Hervorheben möchte ich daher an dieser Stelle, das unermüdliche Engagement von Josef Kuck für die Sportstätten Broichweidens. Ich denke, dass aktuell ihm und seinen Mitstreitern als Sprecher der Broichweidener Vereine zu verdanken ist, dass das Broichweidener-Sportstätten-Konzept noch nicht in der Schublade „verschwunden“ ist.

(ro)