Integrationsagentur in Würselen seit einem Jahr aktiv

Bilanz nach einem Jahr : Integrationsagentur in Würselen blickt auf erste Erfolge

Die Integrationsagentur Würselen lädt für Dienstag, 13. November, 18 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion mit Professor Dr. Aladin El-Mafaalani in das Alte Rathaus in Würselen, Kaiserstraße 36, ein.

Markus Ross sprach mit Catrin Renzelmann und Pelin Yigit, Geschäftsführerinnen des Vereins „Türöffner“, der vor einem Jahr die Trägerschaft der Integrationsagentur übernommen hat.

Vor einem Jahr nahm die Integrationsagentur (IA) Würselen ihre Arbeit auf. Welche Aufgaben hat die Agentur?

Catrin Renzelmann: Die IA ist als Fachstelle in Würselen für die Belange von zugewanderten Menschen zuständig. Das sind nicht nur Menschen, die aktuell als Geflüchtete in der Kommune leben, sondern auch Menschen, die aus anderen Gründen zugewandert sind oder auch Menschen, die in der zweiten Generation oder länger hier leben. Die IA setzt in vier Eckpunkten auf struktureller Ebene an. Es geht darum, Projekte zu initiieren für Zugewanderte und Projekte, in denen Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte miteinander in Kontakt kommen.

Nur so können Vorurteile abgebaut werden und Verständigung stattfinden. Das bedeutet auch, Antidiskriminierungsarbeit zu leisten. Wir sind auch Ansprechpartner zum Beispiel für Kitas, Schulen, Verwaltung und Vereine. Der vierte Eckpunkt ist die Unterstützung von Ehrenamtlichen, die sich in der Arbeit für Zugewanderte einbringen. Auch hier steht die IA für Austausch, bei Fragen oder dem Wunsch nach Fortbildung und Information zur Verfügung.

Träger der Integrationsagentur ist der Verein „Türöffner“. Wofür setzt sich dieser Verein ein?

Pelin Yigit: Wie der Name schon sagt, möchten wir Türen öffnen, damit Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander in Kontakt kommen. Uns ist es ein Herzensanliegen, dass gerade die heranwachsende Generation friedlich miteinander die Zukunft gestaltet und alle entstehenden Konflikte konstruktiv miteinander löst. Wir arbeiten viel mit Familien. Da ist uns die Chancengleichheit aller Kinder ein Anliegen.

Wir versuchen, Familien schon zu einem frühen Zeitpunkt im Familienleben anzusprechen, so dass sie ihre Kinder von Geburt an gut unterstützen können – beim Aufwachsen, im Bildungssystem, durch Kontakt zu Menschen unterschiedlicher Nationalität. Wichtig ist uns, dass unsere Gruppen beispielsweise immer „gemischt“ sind: deutsche Familien, geflüchtete Familien, zugewanderte Familien. Und wir merken, dass daraus oft Freundschaften entstehen.

Wie fällt Ihre Bilanz nach dem ersten Jahr Integrationsagentur Würselen aus?

Catrin Renzelmann: In diesem Jahr haben wir mit unseren Kooperationspartnern verschiedene Projekte auf die Beine gestellt, bei denen ansässige und zugewanderte Menschen zusammengekommen und gemeinsam aktiv geworden sind: ein Musikprojekt für junge Leute, ein Theaterprojekt für Frauen und eine Schreibwerkstatt für Grundschulkinder.

Damit wurden schon 60 bis 70 Menschen aus 15 Nationen erreicht. Diese Projekte wurden auch von Ehrenamtlichen unterstützt. Den Tag der Kulturen haben wir zusammen mit dem Familienzentrum Lebens-Spielraum und dem Förderkreis Asyl organisiert. Auch sind wir im Gespräch zum Aufbau eines Runden Tisches Integration.

Schon seit vielen Jahren engagieren sich verschiedene Gruppen wie zum Beispiel der Förderkreis Asyl für die Integration von Migrantinnen und Migranten in Würselen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit diesen unterschiedlichen Gruppen?

Pelin Yigit: Unsere Arbeit wäre ohne die verschiedenen Gruppen gar nicht denkbar! Das Familienzentrum Lebensspielraum hat zum Beispiel beim Tag der Kulturen in diesem Jahr die Hauptarbeit übernommen und mit dem gesamten Team viel Arbeit in der Vorbereitung und am Tag selber geleistet.

Die erwähnten kulturellen Projekte laufen alle mit Kooperationspartnern: der Förderkreis Asyl, die Gleichstellungsstelle, die Stadtbücherei, das Gymnasium Würselen und die Stadt. Wenn man Integration als Querschnittaufgabe versteht, die sowohl die Zugewanderten als auch die Ansässigen betrifft, dann ist die Zusammenarbeit vieler Beteiligter in unseren Augen genau der richtige Weg.

Sie sprachen das Thema „Runder Tisch Integration“ an, der ins Leben gerufen werden soll. Wie ist hier der Sachstand?

Catrin Renzelmann: Der Förderkreis Asyl und die IA haben diese Initiative ins Leben gerufen. Wir möchten ein Forum für Themen, Schwierigkeiten und Kooperationen im Bereich Integration aufbauen. Der Förderkreis bringt dabei insbesondere die Situation der Geflüchteten in Würselen ein, die IA legt den Fokus auf alle Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Zurzeit laufen Gespräche mit allen relevanten Institutionen und Gruppen, die wir für die Mitarbeit gewinnen möchten. Es ist geplant, im Januar 2019 ein erstes Zusammenkommen mit hoffentlich vielen Verantwortlichen in Würselen zu organisieren.

Bedeutung kommt auch dem Integrationsrat zu, von dem in der öffentlichen Wahrnehmung wenig zu hören ist. Wie könnte dieses ebenfalls wichtige Gremium wiederbelebt werden?

Pelin Yigit: Der Integrationsrat tagte das letzte Mal vor zwei Jahren im September 2016. Aktuell gibt es keinen Vorsitzenden, so dass dieses Gremium nicht arbeitsfähig ist. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte haben oft Berührungsängste mit (kommunal-)politischen Gremien. Der Integrationsrat ist gerade für Zugewanderte jedoch ein wichtiges Gremium, das ihre besonderen Themen auf politischer Ebene in die Kommune einbringen kann.

Sie müssen dort vertreten sein. Als IA unterstützen wir da gerne, indem wir über politische Strukturen informieren, Fragen beantworten und so vielleicht Bedenken zerstreuen können. Interessierte BewohnerInnen von Würselen, die einen Migrationshintergrund haben, sind eingeladen, sich für mehr Informationen bei uns zu melden!

(ro)
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