Forum Medizin im Rhein-Maas Klinikum zum Thema Rheuma

Dr. Matthias Hemmerich referiert : Rheuma nicht leicht zu diagnostizieren

Gibt es sichere Anzeichen für entzündliches Rheuma? „Gut“ wäre es ja. um die Betroffenen schnell zu diagnostizieren, ihnen frühzeitig und wirksam zu helfen und so weitreichende Folgen wie Organschädigungen zu verhindern. Aber so einfach ist es leider nicht, sagt Dr. Matthias Hemmerich, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie in Aachen.

Er ist ein Referent des Forums Medizin zu diesem Thema, das am Dienstag um 19 Uhr im Rhein-Maas Klinikum Würselen (RMK), Mauerfeldchen 25, beginnt

Er kommt mit entsprechenden Patienten in der Regel erstmals in Kontakt, wenn der jeweilige Hausarzt einen begründeten Verdacht hat und die Untersuchung durch einen Spezialisten für geboten ansieht. Besonders wichtig ist Hemmerich dies: „Die Menschen müssen wissen, dass Rheuma nicht gleich Rheuma ist. Beschwerden, die auf Rheuma hindeuten könnten, hat jeder im Laufe seines Lebens. Es ist Sache des Arztes, die wirklich schweren Fälle zu erkennen. Wenn begründeter Verdacht auf behandlungsbedürftige Erkrankung besteht, müssen wir diese Betroffenen vorziehen. Da müssen andere Patienten leider etwas Geduld aufbringen, zumal es nur wenige Rheumatologen gibt.“

Deshalb sei das Portal RhePort.de so wichtig, um durch eine umfassende „Selbstanalyse“ nach einem speziell entwickelten Kriterienkatalog den beteiligten Ärzten Hinweise zu liefern, ob eine umgehende Vorstellung beim Spezialisten geraten ist.

Erst in der Kombination diverser Auffälligkeiten zeichnet sich das entzündliche Rheuma ab. Unter anderem Gelenkschwellungen, Gelenk-/Muskelschmerzen, Hautveränderungen (Schuppenflechte), Nagelbrüchigkeit und -verfärbung können solche Hinweise sein.

Deshalb schaut sich Hemmerich den an ihn verwiesenen Patienten genau an. Mit der systematischen Befragung sucht der Rheumatologe nach Auffälligkeiten in bereits vergangenen Jahren. Rheuma kann oft zeitversetzt ausbrechen. Der Körper des Patienten wird genau in Augenschein genommen. Laboruntersuchungen des Blutes und gegebenenfalls von Gelenkflüssigkeit dienen der Suche nach Botenstoffen. Dazu gehören CCP-Antikörper (auch ACPA genannt). Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, MRT oder CT liefern weiteren Aufschluss.

„Die Leute haben oft mehrere Erkrankungen, auch rheumatische. Das erschwert die Diagnose und macht die Behandlung oft kompliziert.“ Leider würden viele jahrelang mit teilweise erheblichen Beschwerden leben müssen, bevor Rheuma sicher erkannt wird. Rheuma ist nicht ansteckend, es lauert verborgen als Autoimmunerkrankung im Körper. Auslöser für den Ausbruch können Nachwirkungen von Infekten sein. Auch die Lebensführung beeinflusst das Immunsystem. Zum Beispiel steigt durch übermäßigen Verzehr von Fleisch der Harnsäuregehalt, das kann zu Gicht führen.

Umgekehrt kann der Verzicht auf Fleisch bei Rheuma-Erkrankten deutlich zur Linderung der Beschwerden beitragen. „Eine klassische Rheumadiät gibt es aber nicht“, so Hemmerich. Gut wäre eine ausgewogene bzw. mediterrane Küche.

Medikamente sind „nicht ohne“

Hemmerich sagt, dass durch individuell abgestimmte Behandlung die Chance groß ist, die Krankheit zum Stillstand zu bringen. Symptome wie Schmerzen könnten gemildert, wenn nicht sogar beseitigt werden. Dem Rheumapatienten könne eine normale Lebenserwartung eröffnet werden.

„Allerdings muss der Betroffene die Erkrankung auch annehmen und sich auf die Behandlung einlassen.“ Das sei aber mit den dabei eingesetzten Medikamenten nicht ohne mitunter gravierenden Nebenwirkungen zu erreichen. Rund 80 Prozent aller rheumatologische Patienten werden laut Hemmerich ambulant behandelt.

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