Dr. Patrick Frey wird Geschäftsführer vom Rhein-Maas-Klinikum Würselen

Aus der Goldgrube auf die Marienhöhe : Dr. Patrick Frey wird neuer Geschäftsführer des Rhein-Maas-Klinikums

Eine Goldgrube war das Rhein-Maas-Klinikum in jüngerer Zeit wahrlich nicht. Im Gegenteil hat das 600-Betten-Haus 2018, wie berichtet, tiefrote Zahlen geschrieben – rund 3,5 Millionen Euro Miese standen unter dem Strich, ohne den Verkauf des Standorts Bardenberg wären es gar fast 5,5 Millionen gewesen.

Mittlerweile hat sich das schwankende Schiff stabilisiert. Es geht wieder deutlich aufwärts. Auch personell. Nachdem der Aufsichtsrat im Januar Geschäftsführer René Bostelaar geschasst und Andreas Schlüter vom Mitgesellschafter Knappschaft Bahn-See interimsmäßig das Ruder übernommen hatte, konnten zuletzt alle vakanten Chefarztposten – einige der leitenden Mediziner hatten wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Ex-Geschäftsführer, wie man das so schön nennt, die Flucht ergriffen – mit namhaften Experten neu besetzt werden.

Und nun kommt noch ein Mann, der sich wörtlich bestens in der Goldgrube auskennt, auf jeden Fall postalisch. Seine bisherige Wirkungsstätte trägt nämlich tatsächlich folgende Mainzer Adresse: An der Goldgrube 11. Dort ist Dr. Peter Frey seit 2012 Geschäftsführer des Katholischen Klinikums Mainz. Diesen Posten wird er nach Informationen unserer Zeitung jedoch bald auf der Marienhöhe bekleiden.

Eine neue Herausforderung

Auf Nachfrage bestätigte der 52-Jährige, der im Ruhrpott geboren wurde, seinen Wechsel nach Würselen. Der Aufsichtsrat des Rhein-Maas-Klinikums hat sich nach mehreren Vorstellungsrunden schon vor Wochen klar für ihn ausgesprochen, jetzt ist der Vertrag mit ihm, der dem Aufsichtsrat am Montag vorgestellt wird, unter Dach und Fach. Spätestens im April kommenden Jahres soll Frey seine neue Stelle antreten, wenn möglich früher. Frey hatte mit einem Kollegen gemeinsam vor sieben Jahren die Leitung des Mainzer Hospitals in Trägerschaft des Caritas-Werks St. Marien übernommen.

Das Caritas-Werk hatte damals in einer äußerst prekären finanziellen Situation die Marienhaus-Gruppe – in Aachen Betreiberin des Franziskushospitals und früher auch der Rheumaklinik und des Schwertbads – als Mitgesellschafterin ins Boot geholt. Für diese war Frey zuvor unter anderem als Direktor des Marienhaus-Klinikums Eifel (Bitburg, Gerolstein) tätig. Die Mainzer Klinik, die mit rund 700 Betten eine ähnliche Größe wie jene in Würselen hat, führte er wieder in die wirtschaftliche Spur.

Und warum nun der Wechsel zum Rhein-Maas-Klinikum? Seit elf Jahren sei er beim selben Arbeitgeber. „Da ich auf Mitte 50 zugehe, habe ich mir überlegt, noch einmal eine neue Herausforderung anzugehen“, sagt Frey. Vom Ruhrgebiet aus, in dem er nach wie vor lebt, habe er ohnehin eine hohe Affinität zur Euregio – nicht nur wegen Urlauben in den Niederlanden.

In Würselen wird er mit einigen Situationen zu tun haben, die ihm aus Mainz bekannt vorkommen werden. So wird es auf der Marienhöhe demnächst – wie in Mainz seit einiger Zeit ebenfalls – umfangreiche Baumaßnahmen geben. Für das RMK ist im März ein „Strukturplan 2025“ festgezurrt worden. Nicht weniger als 55 Millionen Euro werden in die Modernisierung des Hauses gepumpt. Davon sollen unter anderem „medizinische Leuchttürme“ wie ein neues Gefäßzentrum finanziert werden. Zehn Millionen Euro fließen in den Ausbau der medizinischen Gerätetechnik, weitere 4,5 Millionen in die Digitalisierung. 15 Millionen Euro sind für Sanierungen vorgesehen. Jährlich soll eine Etage des Altbaus renoviert werden. Außerdem werden der Neubau einer Cafeteria und die Umgestaltung des Eingangsbereichs geplant. Auch soll der OP-Trakt kernsaniert und um zwei Säle erweitert werden. Solche Baumaßnahmen seien im laufenden Betrieb generell eine große Herausforderung, weiß Frey, der sich nach seinem Antritt erst einmal einen Überblick über alles verschaffen will.

Patrick Frey bezeichnet sich selber als großen Anhänger des Prinzips „Lean Hospital“. Auweia, mag da macher denken. Denn übersetzt heißt das „Schlankes Krankenhaus“, und man könnte den Begriff in Verbindung bringen mit dem „Lean Management“, das aus der Automobilindustrie stammt. Klingt irgendwie nach möglichst wenig Personal. „Das ist jedoch Quatsch“, sagt Frey. „Lean Hospital“ ist vielmehr eine Philosophie, die das Wohl des Patienten als oberstes Ziel in den Fokus stellt. Erreicht werden soll das, indem so wenige Ressourcen wie möglich – vor allem Zeit – im organisatorischen Bereich verschwendet werden. Diese Zeit soll vielmehr für die Patientenbetreuung zur Verfügung stehen.

Mit Blick auf die rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RMK ist Frey noch etwas anderes wichtig. So gehe es in Krankenhäusern ja meist in den Einzelbereichen Verwaltung, Ärzteschaft und Pflege streng hierarchisch zu. „Mir ist aber eine Kultur extrem wichtig, bei der sich alle auf Augenhöhe begegnen – von der Reinigungskraft bis zum Geschäftsführer“, betont der RMK-Chef in spe.

„Positive Entwicklung fortführen“

Wie es in den einzelnen Bereichen einer Klinik zugeht, da kann Frey jedenfalls mitreden. Denn er war nicht immer Krankenhausmanager. Vielmehr ist er pomovierter Mediziner und hat sechseinhalb Jahre als Arzt gearbeitet, bevor er in den kaufmännischen Bereich wechselte. Diese Doppelerfahrung begeisterte auch den RMK-Aufsichtsrat vor dem Hintergrund des letztjährigen Desasters zwischen Ärzteschaft und Ex-Geschäftsführung. In Frey sieht man nun einen Brückenbauer. „Ich finde es spannend, dass Herr Frey nicht nur einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund hat, sondern auch promovierter Mediziner ist. Für einen Geschäftsführer eines Krankenhauses ist das sicherlich eine gute Basis“, frohlockt Städteregionsrat Tim Grüttemeier, Vorsitzender des RMK-Aufsichtsrats. Er sei zuversichtlich, dass es Frey zusammen mit der hochmotivierten Belegschaft gelingen werde, „die positive Entwicklung des RMK fortzuführen“.

Patrick Frey weiß aus Erfahrung: „Reputation und das Vertrauen der Patienten muss man sich hart erarbeiten.“ Da gibt es nach den Negativschlagzeilen der Vergangenheit sicher noch einiges aufzuarbeiten. Und unter dem Strich muss das RMK gar keine Goldgrube werden. Aber dem Wusch des neuen Geschäftsführers nach „ein Krankenhaus, in dem man sich gerne behandeln lässt“.

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