Bühnenreif: Der „Verfluchte Baron" kann das Schicksal besiegen

Bühnenreif : Der „Verfluchte Baron" kann das Schicksal besiegen

Die Theatergruppe „Bühnenreif“ um Organisator und Gründer Wilfried Bonn führte die Besucher an zwei Abenden ein in die kuriose Welt des „Verfluchten Barons".

Im altehrwürdigen „Lucia-Theater" in Broichweiden herrscht seit der Gründung des Ensembles 1998 eine ganz besondere Stimmung. Darsteller Pascal Seifert attestierte eine Atmosphäre ähnlich der des Alten Tivoli. Knapp über 350 Zuschauer fieberten mit dem Baron (Wilfried Bonn) und erlebten den bizarren Alltag auf seinem Landsitz.

Eine kleine Premiere gab es gleich zu Beginn der Vorstellung: Erstmalig eröffnete die Schauspielgruppe ein Stück mit einer Gesangseinlage. Haushälterin Klara Feutel (alias Anna Mathieu-Simons), gab ihre Interpretation des Hits „Fieber" von Helene Fischer zum besten.

Der Baron verfällt derweil in eine anhaltende Depression, da er sich einem scheinbar unüberwindbaren Familienfluch ausgesetzt sieht: In seiner Ahnenreihe starb jeder in einem Alter, dessen Quersumme acht ergibt. Mit 71 Jahren sieht der Baron seine Zeit abgelaufen. Während die Haushälterin Klara und Gärtner Oskar Linguster (alias Marcel Simons) um ihre Arbeitsverhältnisse fürchten, erhoffen sich Pfarrer Heinrich Hase (alias Pascal Seifert) und Cousine Auguste von Memmenstein (alias Andrea Kisch) ein Geldsegen durch das Testament des Barons.

Der Baron selbst entdeckt auf die alten Tage nochmals den Zauber der jungen Liebe – allerdings hat die es in sich: Der arbeitslose Buchhalter Lorenz Federkiel (Thomas Eikermann) verstrickt sich in aberwitzige Missverständnisse und muss fortan als Krankenschwester des Barons für dessen Wohl sorgen. Der Hausherr übersieht den Schwindel und verliebt sich Hals über Kopf in Schwester Loretta.

Alles könnte sich in Wohlgefallen auflösen, wäre da nicht der umtriebige Balduin Mießling (Martin Thermölen), der sich durch seine Liebschaft zu Auguste ebenfalls am Erbe bereichern will. Das wilde Treiben im Herrenhaus wurde mit herrlich abgedrehten Gesangseinlagen verfeinert. Stadionhits der Aachener Alemannia und Evergreens wie „I will survive" und „Ich liebe das Leben" wurden wie gewohnt von Thorsten Krause am Piano instrumental untermalt.

Auch nach 21 langen und aufregenden Jahren ist beim Ensemble nicht die kleinste Müdigkeit zu erkennen. In Handarbeit werden Kulissen und Kostüme eigenhändig erstellt, auch die Technik wird in Eigenregie gemeistert. Im Oktober haben sich die in der ganzen Region verstreut lebenden Schauspieler erstmalig für die neue Spielzeit zusammengesetzt und das Stück ausgewählt. Was die Gruppe in fünf Monaten wiedermal auf die Beine stellte, wurde vom Publikum zurecht mit minutenlangen „Standing Ovations" gebührend gefeiert.

(yl)