Interview mit Hubert Pastor: Arbeitskreis „Brauchtum und Mundart“ aufgelöst

Interview mit Hubert Pastor : Arbeitskreis „Brauchtum und Mundart“ aufgelöst

Jetzt hat sich der über viele Jahre sehr aktive Arbeitskreis „Brauchtum und Mundart“ des Bardenberger Heimatvereins aufgelöst. Aus diesem Anlass führte Markus Roß ein Interview mit Hubert Pastor, dem Leiter der Gruppe.

Nach vielen Jahren Geschäftsführertätigkeit im Heimatverein, die Sie bereits 2009 beendeten, haben Sie nun auch die Leitung des Arbeitskreises Brauchtum und Mundart aufgegeben. Was führte zu diesem Schritt?

Hubert Pastor: Die einfache Antwort lautet: Das Lebensalter. Mit bald 75 Jahren war ich seinerzeit der festen Überzeugung, dass man die Funktion des Geschäftsführers – wenn man sie denn ernst nimmt – nicht guten Gewissens über diese Altersgrenze hinweg wahrnehmen kann. Ebenso bin ich heute der Auffassung, dass man im 83. Lebensjahr auch einen Arbeitskreis nicht mehr leiten sollte. So, wie mir persönlich, stellt sich die Situation auch bei der Mehrzahl der Arbeitskreismitglieder dar. Waren wir zu Beginn vor zwölf Jahren noch vorwiegend rüstige Senioren nach Eintritt in die Rente, so liegt die Altersspanne der Mehrzahl bei 70+ und 80+. Acht unserer Heimatfreunde leben schon nicht mehr unter uns. Und: Brauchtum & Mundart sind leider keine Themen mehr, mit denen sich jüngerer Nachwuchs generieren lässt.

Wie lange hat Ihr Kreis gearbeitet?

Hubert Pastor: In der jetzigen Konstellation tagte der Arbeitskreis am 21. Februar 2006 zum ersten Mal und das letzte Arbeitstreffen fand im Herbst 2018 statt. In dieser Zeit kamen wir 78-mal zusammen.

Nach außen ist die Arbeitskreistätigkeit vorrangig durch Veröffentlichungen zu örtlichen Brauchtumsthemen in den Bardenberger Heimatheften und durch die Karnevals-veranstaltung am Fastnachtsdienstag „Fastelovend wie fröjer“ in Erscheinung getreten. Wird man in Zukunft also darauf verzichten müssen?

Hubert Pastor: Leider ja. Bei den Brauchtumsthemen haben wir vorgearbeitet, das heißt dass unsere Artikel noch in den Heimatheften bis zur Ausgabe 2022 erscheinen werden. Wenngleich auch themenbezogene Mundartgedichte den Beiträgen angefügt wurden, so lag der Schwerpunkt jedoch hier bei den Bardenberger Brauchtümern, deren wesentliche nunmehr abgearbeitet sind. Die Karnevalsveranstaltung konnten wir leider in diesem Jahr nicht mehr durchführen. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Bardenberger Mundart in insgesamt zwölf selbsterstellten Gedichten „hochgehalten“ wurde, die zu unterschiedlichen Anlässen vorgetragen bzw. veröffentlicht wurden. Darüber hinaus haben Mitglieder unseres Arbeitskreises auf verschiedenen Dialekttagen diesseits und jenseits der Grenzen das Baadebärjer Platt in Vorträgen repräsentiert.

Welches war denn das aufwendigste Projekt?

Hubert Pastor: Das war zweifellos das selbstgeschriebene Mundart-Theaterstück „Et jeeht nüüss övver d´r Pley“, das zum 80-jährigen Jubiläum des Heimatvereins von der Bardenberger Heimat-bühne auf der Freilichtbühne der Burg Wilhelmstein aufgeführt wurde.

Damit sind wir wieder bei der Mundart. Kann dem Bardenberger Platt denn überhaupt noch eine Zukunft vorausgesagt werden?

Hubert Pastor: Wenn Sie zur Zeit des 2. Weltkrieges Bardenberger Einwohner nach ihrer Muttersprache gefragt hätten, wäre sicherlich bei der Mehrzahl die Antwort noch gewesen: „Et Baadebärjer Platt“. Würden Sie die Frage aber heute stellen, dann hieße die Antwort wahrscheinlich mehrheitlich: „Die deutsche Sprache“. Dennoch ist das Interesse an der Mundart noch erstaunlich groß. Dies entnehmen wir einer Umfrage, die wir bei 130 Personen während des 1150-jährigen Jubiläums in Bardenberg durchgeführt haben. Obwohl nur 55 Prozent der Befragten Platt sprechen, halten 96 Prozent das Sprechen und Verstehen von Platt für wichtig. Hieraus ergibt sich ein Ansatz für entsprechende Aktivitäten in der Zukunft.

Wenn Arbeitskreise tagen, fällt bekanntlich immer neben den Veröffentlichungen Material an, das eigentlich auch bei Auflösung eines Arbeitskreises nicht verloren gehen darf. Haben Sie da vorgesorgt?

Hubert Pastor: Ja, das haben wir. Wir haben nicht nur die wesentlichen Arbeitsergebnisse in einem Buch für unser Heimatarchiv zusammengestellt, sondern übergeben auch eine Vielzahl von Filmen, Fotos, Protokollen und Utensilien zur eventuellen Weiterbearbeitung in der Zukunft.

(ro)
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