Aktion Mensch fördert Programm des Würselener Vereins "Türöffner"

Verein „Türöffner“ : „Wir sind manchmal auch Brückenmenschen“

„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, besagt ein afrikanischer Sinnspruch. Ein Dorf bildet der Verein Türöffner zwar auch drei Jahre nach seiner Gründung nicht.

Aber als vom Alten Bahnhof in Würselen aus kürzlich ein Ausflug in den Erlebnispark „Irrland“ am Niederrhein unternommen wurde und sich 150 Menschen – 36 Männer, 34 Frauen und sehr viele Kinder – anschlossen, da fiel den beiden Geschäftsführerinnen des Vereins, Catrin Renzelmann und Pelin Yigit, der Spruch über das Dorf ein. Denn gemeint sind ja: Gemeinschaft, das Übernehmen von Verantwortung füreinander und das Achtgeben aufeinander.

Der „Türöffner“ existiert als Verein seit 2016 und hat sich seitdem stetig weiterentwickelt. 2017 wurde die Trägerschaft der Würselener Integrationsagentur übernommen. Ein weiterer wichtiger Schritt war nun, dass das Programm „Familienoasen“ für drei Jahre durch die Aktion Mensch gefördert wird. Das ist viel wert, denn die Akteure der Sozialen Arbeit können längst nicht immer über einen solch langen Zeitraum planen. Zudem ist eine Verlängerung auf insgesamt fünf Jahre möglich.

„Wie ein Familientreffen“

Im Rahmen des Programms „Familienoasen“ hat auch der Ausflug in den Erlebnispark stattgefunden. „Mit euch zusammen zu sein, ist wie ein Familientreffen“, sagte eine Mutter zu Pelin Yigit. Ein viel schöneres Kompliment können sie und Catrin Renzelmann sich kaum wünschen. Eine weitere Fahrt steht im August an, dann geht es ins Bergische Land.

Der Alltag in den Familienoasen besteht jedoch vor allen Dingen aus Beratung und Begegnung. In der Mutter-Kind-Gruppe kommen geflüchtete Mütter, die Kindern von bis zu drei Jahren haben, miteinander und mit einheimischen Frauen ins Gespräch. Man tauscht sich aus über Erziehungsfragen und mehr. An den Wochenenden gibt es auch Angebote, die speziell Männer in ihrer Vaterrolle stärken sollen. Viele Eltern treibe um, dass sie zwar wollen, dass ihr Kind eine Zukunft in Deutschland hat, ohne aber die Identität des Herkunftslandes ganz aufzugeben. „Das steht sich nicht entgegen“, sagt Catrin Renzelmann.

Immer ein Thema ist die Vorbereitung auf Behördengänge oder Gespräche mit der Kita-Leitung. Manchmal geht auch jemand aus dem Team mit zu diesen Terminen. Pelin Yigit sagt: „Wir sind manchmal auch Brückenmenschen.“ Die Basis ist immer die Beziehungsarbeit.

Arbeit ist noch lange nicht getan

Als der „Türöffner“ zum Verein wurde, hatte der Zuzug an Asylbewerbern nach Deutschland zwar schon nachgelassen, war aber nach wie vor das beherrschende Thema in den deutschen Medien. Mittlerweile hat sich die Aufmerksamkeit gelegt und beim Türöffner „eine gewisse Normalität“ eingestellt. Die Arbeit ist aber noch lange nicht getan. „An manchen Stellen sind die Menschen mit dem System überfordert und umgekehrt. Bei anderen ist es irre, wie viel sie schon geschafft haben“, sagt Catrin Renzelmann. Es zeige sich: Je weiter die Integration des Einzelnen fortschreite, desto höher seine Ansprüche. „Aber Konflikte sind gut. Das zeigt, dass die Leute wirklich mit am Tisch sitzen.“

Die Statuten der Aktion Mensch sehen vor, dass für geförderte Projekte stets auch ein Eigenanteil erbracht werden muss. Dies soll dazu beitragen, weitere Unterstützung in Form von Spenden zu mobilisieren. Für die „Familienoasen“ liegt der Eigenanteil bei 30 Prozent. Das Spendenkonto von Türöffner e.V.: IBAN DE21390601801225616015, BIC GENODED1AAC, Aachener Bank e.G.

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