Würselen: Würselen will Neubaugebiete mit Augenmaß entwickeln

Würselen : Würselen will Neubaugebiete mit Augenmaß entwickeln

Grundstücke in den Neubaugebieten Würselens sind außerordentlich beliebt — ob sie nun von privaten Investoren oder der Kommune bzw. der Stadtentwicklungsgesellschaft SEW vorangetrieben werden. Wie steht es um Wohnungsbaureserven in der Düvelstadt? Zuletzt war das Areal Kapellenfeldchen viel schneller als erwartet „ausverkauft“.

Die rund 11,8 Hektar große Fläche, die in Einfamilienhäusern 165 Wohneinheiten und in Mehrfamilienhäusern 150 bietet, ist entsprechend fast komplett bebaut. Vollständig gefüllt ist das rund ein Hektar große Areal „Am Alten Bahnhof“. Dort sind 70 Wohnungen entstanden. Grund für die hohe Nachfrage: Wer eigentlich gerne in Aachen bauen würde, weicht angesichts der Bodenknappheit dort und entsprechender Preise für Baugrund in die Peripherie aus. Davon profitiert Würselen.

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Genügend Plätze in Grundschulen

Würselens Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen und Stadtentwickler Manfred Schmitz-Gehrmann listen im Gespräch mit unserer Zeitung die überplanten und in späteren Schritten ins Visier genommenen Flächen auf (siehe auch Grafik).

Ja, weitere Neubaugebiete werden Zug um Zug baureif gemacht. Aber alles hat seine Grenzen. „Wir könnten gemessen an der Nachfrage ein Vielfaches an Flächen vermarkten, aber wir müssen auch darauf achten, dass die Infrastruktur ausreicht.“ In Häusern wolle ja nicht nur gewohnt werden, zum (Familien-)Leben vor Ort gehörten Nahversorgungsangebote, Kindergartenplätze, Schulen, Freizeit-, Kulturangebote und vieles mehr.

„Wir haben jetzt eine kritische Masse erreicht. Das hat zuletzt die Diskussion über die Bereitstellung notwendiger Plätze in Grundschulen gezeigt“, plädiert von Hoegen dafür, bei der Entwicklung von Baugebieten mit Augenmaß auf die Bremse treten. „Wir wollen nicht mehr die großen Siedlungen wie in der Vergangenheit anlegen, sondern kleinere Baugebiete ausweisen und punktuell in der Bebauung nachverdichten“, sagt er. „Expansion im großen Stil kann ich mir nicht mehr vorstellen.“

Hinzu kommt, dass nicht absehbar ist, wann Flächen wie das Singer-Gelände in Würselen-Mitte (3,5 Hektar für bis zu 200 Wohneinheiten) oder das Areal der Firma Kinkartz in Broichweiden (4,1 Hektar) überhaupt zur Verfügung stehen können. Städtebauliche Konzepte und Vorstellungen der Grundstückseigentümer müssten erst einmal aufeinander abgestimmt werden.

Im Bau befindlich ist der Bereich Berkstraße, wie Schmitz-Gehrmann sagt. Auf rund 2,4 Hektar sind sechs Einfamilienhäuser und 80 Wohnungen in weiteren Bauten geplant. In der Phase der Offenlage (Beteiligung der Öffentlichkeit) befinden sich zwei Bebauungspläne (BP). Und zwar der BP 217 (Friedhofstraße) mit 16 Einfamilienhäusern und 80 weiteren Wohneinheiten auf rund 0,9 Hektar und der BP 220 (Tittelsstraße). Hier sollen auf 0,7 Hektar 20 bis 30 Wohnungen entstehen.

Die Bebauung des Sportplatzes Lindenplatz (1,4 Hektar) kann erst konkret vorangetrieben werden, wenn der Bau der Ersatzsportplätze konkret beschlossen ist.

Weitere Areale stehen im Flächennutzungsplan, die aber laut Schmitz-Gehrmann „als längerfristige Reserven anzusehen sind, für die es derzeit noch keine Beschlüsse des Stadtrates gibt“.

Im Januar steht nach Aussage von Hoegen ein Gespräch mit der Bezirksregierung Köln an. Dabei werde es neben dem Thema Gewerbeflächen auch um die Frage gehen, welche Areale für Wohnbebauung optional genehmigungsfähig werden könnten.

Stichwort Zukunftsmusik: Aus Sicht der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen weist Geschäftsführer Manfred Zitzen auf das derzeit noch brachliegende Areal östlich der Straße Kesselsgracht am Rande des Recker-Parks in Würselen-Mitte hin. Dort läuft derzeit noch eine Änderung des ursprünglichen Bebauungsplans.

Da hier doch kein neuer fünfgruppiger Kindergarten gebaut wird, sondern alternativ das ehemalige Automuseum am Stadtgarten entsprechend umgebaut wird, kann die für eine Kita reservierte Fläche an Kesselsgracht (rund 2000 Quadratmeter) ebenfalls mit Wohnhäusern bebaut werden. Die Gesamtinvestitionen für den Wohnungsbau im Planungsgebiet am Recker-Park belaufen sich laut SEW auf über zehn Millionen Euro. Im Endeffekt sollen dort 70 bis 90 Wohneinheiten entstehen.

Als interessante Option für die Ortsentwicklung in Broichweiden bezeichnet Zitzen den dortigen Marktplatz. Im Zuge des weiteren Sportstättenbaus soll die alte kleine Halle abgerissen werden, eine neue daneben entstehen. Die auf diese Weise freigewordene Fläche soll mit Häusern bebaut werden.

Bardenberg im Blick

Zudem hofft Zitzen, dass im Zuge der angestrebten Umnutzung des Areals des ehemaligen und noch in Teilen genutzten Knappschaftskrankenhauses in Bardenberg „auch noch etwas für die SEW abfällt“, um dort „Servicewohnen“ zu entwickeln. Derzeit verhandelt das Rhein-Maas Klinikum (RMK) intensiv mit dem Schwertbad in Aachen bzw. dessen Eigner, die Inoges AG, über den Verkauf der Fläche.

Die Inoges AG hat bereits die Abteilung für Psychosomatik von Aachen dorthin verlegt und arbeitet intensiv daran, das Engagement in Bardenberg auszuweiten. Die Entscheidung darüber soll im Dezember im Aufsichtsrat des RMK fallen.

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