Würselen: Mühlenweg soll für Autos gesperrt werden

Alte Mühle/Mühlenweg : Erst eine Ampel, dann wird gesperrt

Der Rat in Würselen beschließt, dass die Straße Alte Mühle/Mühlenweg zwischen Kohlscheid und Bardenberg in Zukunft für Autos gesperrt werden soll. In Herzogenrath ist man davon gar nicht begeistert.

Es liegt was in der Luft. Kein ganz besonderer Duft, wohl aber Ärger. Der dräut zwischen den Nachbarkommunen Würselen und Herzogenrath und könnte sich an einem kleinen Sträßchen entzünden, das beide Städte miteinander verbindet. Die Straße Alte Mühle/Mühlenweg war nie als Hauptverbindungsstraße gedacht. Baulich ist sie dafür überhaupt nicht ausgelegt.

Nun ist das Interesse bei den meisten Autofahrern an baulicher Eignung aber viel weniger ausgeprägt als daran, schnell und möglichst ohne bremsenden Vordermann ans Ziel zu gelangen. Und so kommt es, dass die Strecke als Schleichweg und Ausweichroute zwischen Kohlscheid und Bardenberg reichlich genutzt wird. Oder missbraucht, wie es etliche Anwohner besagter Straße wohl ausdrücken würden. Das ist auch bei ihren Vertretern im Stadtrat angekommen.

Zeit der Verhandlung ist vorbei

Die politischen Entscheider hüben – in Würselen – sind sich zumindest mehrheitlich einig: Für den motorisierten Verkehr soll das Sträßchen dicht gemacht werden. Poller aufstellen, sperren. Die politischen Entscheider drüben – in Herzogenrath – haben da eher wenig Lust drauf. Als die Sperrung im Juni im Würselener Umwelt- und Stadtentwicklingsausschuss schon einmal Thema war, hatte etwa der SPD-Fraktionsvorsitzende in Herzogenrath, Gerhard Neitzke, zum Ausdruck gebracht, dass man auf Verhandlungen setze, „wie es unter Nachbarstädten auch üblich sein sollte“.

Für SPD und FDP in Würselen aber scheint die Zeit der Verhandlungen vorbei. In ihrem Antrag heißt es: „Mehrjährige Konsultationen zwischen den Stadtverwaltungen brachten kein Ergebnis, so dass das Teileinziehungsverfahren nun durchgeführt werden soll.“ Immerhin anzuhören sei die Nachbarstadt im Rahmen des Verfahrens.

Renate Gülpen, stellvertretende Fraktionschefin der Herzogenrather CDU, zeigte sich damals ebenso wenig begeistert von den Plänen, die „historische Verbindung“ zu sperren, wie heute. „Eine Sperrung dieses Weges ist nicht konsensfähig“, sagte sie auf Nachfrage. Sie glaube, wenn diese Verbindung nicht mehr zur Verfügung stünde, bedeute das weniger für die Kohlscheider eine Beeinträchtigung als für die Bardenberger. Mit dem Bau der Markttangente (1. Spatenstich am 20. Dezember) würden sich die Verhältnisse und Verkehrsströme noch einmal ändern.

Grundsätzlich gebe es viele Straßen, die Anwohner gerne abgesperrt sähen. Als Politiker habe man jedoch eine Fürsorgepflicht für die Gesamtbevölkerung. Nicht zuletzt müsse auch die rechtliche Frage, ob eine Sperrung an dieser Stelle überhaupt eingerichtet werden darf, geklärt werden.

Man tickt in der Sache ähnlich

Eine drohende rechtliche Auseinandersetzung bereitet Bürgermeister Arno Nelles in Würselen derweil keine Kopfschmerzen. „Ich gehe nicht davon aus, dass es zu einem Klageverfahren zwischen den beiden Kommunen kommt“, sagte er auf Nachfrage. Herzogenrath könne Einspruch einlegen, der habe aber keine aufschiebende Wirkung. Er stehe mit dem Herzogenrather Bürgermeister Christoph von den Driesch in engem Kontakt und man ticke durchaus ähnlich. Beide seien sie an der Sicherheit der Anwohner interessiert, sowohl auf Bardenberger wie auf Kohlscheider Seite.

Und das beste Mittel, die Sicherheit auf und an der zum Teil sehr engen Straße zu gewährleisten, ist nach dem Dafürhalten der Würselener Mehrheit, Autos von der Straße zu verbannen – wohlgemerkt mithilfe von umlegbaren Pollern, die es Rettungsfahrzeugen und Landwirten erlauben, die Straße weiterhin zu nutzen.

Ganz einig war sich die politische Kaste Würselens bei der Beschlussfassung darüber, wie denn mit der Straße weiter verfahren werden solle, jedoch nicht. „Wir glauben, dass wir uns mit der Sperrung mit Blick auf Herzogenrath keinen Gefallen tun“, erklärte etwa Theo Scherberich von der UWG. In einem Antrag seiner Fraktion heißt es zur angestrebten Sperrung der Straße: „Diese einseitig durch die Stadt Würselen befürwortete Sperrung führte nicht zu dem beabsichtigten Zweck, den Verkehr für die dort und in der Ather Straße ansässigen Bürger zu reduzieren, sondern zu der zu erwartenden Ablehnung durch die Stadt Herzogenrath.“ Scherberich ergänzte, doch lieber eine einvernehmliche Lösung zu suchen.

Die könnte seiner Meinung nach abwechselnd rot, gelb und grün aufleuchten, also in einer Ampel zu finden sein. Wichtig sei aber, sie vor allem rot leuchten zu lassen und die Rotphase nach Möglichkeit auszudehnen. Hintergedanke: Das Abkürzen über die Alte Mühle/Mühlenweg soll durch langes Ampelstehen maximal unattraktiv gemacht werden, um den Verkehr ordentlich zu reduzieren und den Anwohner damit Ruhe zu verschaffen.

Der Vorschlag auf Einrichtung der Ampelanlage zeigte sich im Stadtrat mehrheitsfähig, wenn auch nicht unbedingt aus dem Grund, die Herzogenrather Kollegen nicht zu erzürnen. Nein, in diesem Fall handelt es sich um eine zusätzliche Maßnahme, um die Zeit bis zu einer Sperrung zu überbrücken. Vor und nach „Einrichtung der probeweisen Ampelanlage“ soll eine Verkehrszählung stattfinden, während des Betriebs zeitweise Verkehrsüberwachung mit Polizei und Städteregion abgesprochen werden.

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