Würselen: Freizeitbad Aquana feiert 20. Geburtstag

Freizeitbad feiert Geburtstag : Nach 20 Jahren hat sich im Aquana die Erfolgsformel verändert

Das Freizeitbad Aquana in Würselen, das in wenigen Tagen 20 Jahre alt wird, präsentiert zum runden Geburtstag viele frische Ideen. Um neue Besucher zu locken und alte zurückzugewinnen, wird man in Zukunft verstärkt auf Events wie Familiennachmittage, Mottoabende sowie Nacht- und Nacktschwimmen setzen.

Wer den Nikolaus in Badelatschen durch seichtes Wasser flanieren sieht, fragt sich vielleicht, ob mit dem Pilzragout vom Vorabend etwas nicht in Ordnung war. Oder ob er auf dem Weg zur Oma mehr als einmal falsch abgebogen ist. Oder es ist der 6. Dezember im Aquana in Würselen – am Nikolaustag 2018 und damit genau sechs Tage vor dem 20. Geburtstag des Freizeitbades. Mit dem Abschluss dieses Monats wird der Geschichte der Einrichtung ein ereignisreiches, aber nicht immer ganz einfaches Jahr hinzugefügt.

Als das Aquana am 12. Dezember 1998 nach etwa einem Jahr Bauzeit eröffnet wird, sind rund 23 Millionen Mark verbaut. In der Folge treibt das Spaßbad vielen Menschen ein Lachen ins Gesicht, einigen anderen jedoch eher Sorgenfalten auf die Stirn. Als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt bedeuten die Jahresbilanzen der Einrichtung regelmäßig einen beherzten Griff ins Stadtsäckel Würselens, um die Verluste auszugleichen. Das ist heute nicht anders als damals.

Claus Nürnberg leitet seit Anfang dieses Jahres die Geschäfte im Aquana und hatte einen „herausfordernden“ Start, wie er selbst unumwunden zugibt. Die erste Herausforderung für den neuen Geschäftsführer und sein Team hielt das Jahr 2018 gleich zu Beginn bereit, und es war kein dünnes Brett zu bohren. „Friederike“ hatte im Januar einmal tief Luft geholt und kräftig über die Region gepustet. Dabei hatte der Sturm das Dach des Aquana beschädigt, woraufhin das Bad für einige Wochen gesperrt werden musste. Zurückbleiben wird ein Knick in der Jahres-Besucherstatistik. Wenn er nicht schon in den Köpfen war, wurde der Sanierungsbedarf, der in dem nun 20 Jahre alten Schwimmbad zumindest in Teilen besteht, damit noch einmal sehr deutlich. Eine Folge davon vielleicht das öffentliche Sinnieren in der Politik über die Zukunft des Bades, in dessen Zuge nach Überzeugung der CDU-Fraktion auch über eine Schließung nachgedacht werden müsse.

Das Erlebnisbad Aquana in Würselen bei der Eröffnung am 12. Dezember 1998. Foto: Wolfgang Sevenich

Nacht- und Nacktschwimmen

Auf die hitzige politische Diskussion darum, wie es mit dem Schwimmbad weitergehen solle, blickt Geschäftsführer Nürnberg ohne große Emotion. Immerhin würden Steuergelder in das Bad gesteckt, deshalb müssten die Gesellschafter sogar darüber nachdenken, in welcher Form weiter in das Bad investiert werde. Dazu gehöre eben auch, ob man das überhaupt wolle. Diese Frage stellt sich derzeit allerdings niemand mehr. Die Besucherzahlen in den Monaten nach dem Dachschaden weisen einen positiven Trend auf, ins Marketing wird viel frische Energie gesteckt, die Geschichte des Aquana wird auch nach 20 Jahren weiter geschrieben. Künftig mit Sportpark in direkter Nachbarschaft – Fußballplätze und Leichtathletikanlage –, von dem sich die Betreiber eine weitere Sogwirkung auch für das Schwimmbad erhoffen.

Dass sich die Formel für ein erfolgreiches Erlebnisbad in den vergangenen zwei Dekaden verändert hat, das weiß Geschäftsführer Nürnberg, und das weiß Bürgermeister Arno Nelles als Aufsichtsratsvorsitzender. Nelles: „Die Gesellschaft ist heute viel stärker freizeitorientiert, und darauf müssen wir uns einrichten. Auch die ökologische Warte spielt eine größere Rolle.“

Die stärkere Event- und Freizeitorientierung will Nürnberg gezielt bedienen und damit die Zahl der Besucher im Aquana ausbauen. 280 000 bis 300 000 sind es im Schnitt jedes Jahr. 60 000 bis 70 000 mehr können und dürfen es nach dem Willen der Betreiber aber gerne sein. „Mit einer Besucherzahl von 400 000 pro Jahr würden sich auch die Verluste signifikant verringern“, erklärt er. Wasserbecken und drei Rutschen genügten heutzutage aber nicht mehr, um mehr Gäste ins Bad zu locken. Deshalb baue man das Aktionsprogramm aus. Dazu gehören Familiennachmittage, Kindergeburtstage, Mottoabende wie etwa eine Halloween-Party, Schatzsuchen, Märchentage oder Ostern mit Osterhase, und „gerade ist der Nikolaus da“.

In Zukunft könnten textilfreies Schwimmen und Mitternachtsschwimmen als neue Programmpunkte ins Programm aufgenommen werden. Events wie jüngst die Austragung des Rennrutschen-Cups sollen neue Besucher anziehen und jene zurückgewinnen, die dem Bad bereits den Rücken gekehrt hatten. Das funktioniert auch, sagt Nürnberg. „Wir stellen fest, dass Gäste zurückkommen, die wir schon verloren hatten.“ Mit Befragungen der Gäste wollen die Betreiber nah am Kunden bleiben und verstehen, was er will. Aktuell seien das zum Beispiel mehr Familienumkleiden und eine optische Auffrischung der Duschen. Insgesamt könne jedoch festgehalten werden, dass es mit dem Image wieder aufwärts gehe. Von Besuchern höre man wieder Sätze wie: „Macht weiter so!“

Das äußere Erscheinungsbild des Aquana hat sich seit der Eröffnung am 12. Dezember 1998 (oben links) nicht merklich verändert. Die Belegschaft zählt derzeit 85 Mitarbeiter. Foto: Thomas Vogel

Traurige Schlagzeilen hatten im auslaufenden Jahr vor allem zwei Unfälle gemacht. Im April starb ein achtjähriger Junge im Aquana. Die Obduktion ergab: Er war ertrunken. Die Einrichtung und ihre Mitarbeiter traf bei diesem, wie dem anderen Unglücksfall keine Schuld. Einige Tage später war ein 13 Monate alter Junge ebenfalls leblos aus einem Becken geborgen worden, der von einem Mitarbeiter des Bades jedoch erfolgreich reanimiert werden konnte und sich in der Folge in einem Krankenhaus erholte.

LED-Beleuchtung statt Glasdach

Der Ausblick auf die nahe Zukunft umfasst auch bauliche Veränderungen, mit denen Kosten gespart und ein positiver ökologischer Effekt erzielt werden sollen. Eine Überlegung ist, das 20 Jahre alte Plexiglasdach zu ersetzen. Das müsse nicht zwingend wieder ein Glasdach werden, erklärt Nürnberg. Eine Möglichkeit sei, das Dach komplett zu schließen und LED-Beleuchtung zu installieren. Damit können Energiekosten gespart werden, die den Löwenanteil der laufenden Kosten des Schwimmbades ausmachen.

Bereiche baulich trennen

Überlegt werde auch, verschiedene Bereiche innerhalb des Bades baulich zu trennen – ebenfalls, um Energie- bzw. Heizkosten zu sparen, weil etwa im Foyer nicht die gleiche Temperatur nötig sei, wie im Badebereich. Man habe sich ein Gutachten erstellen lassen, um zu klären, welche Maßnahmen man wie am besten umsetze und in welcher Reihenfolge.

Aktuell werde noch eruiert, welchen Investitionsbedarf es gibt und wie die Möglichkeiten sich auf die Energiekosten auswirken. Sobald alle Informationen gesammelt sind, sollen dem Rat Vorschläge unterbreitet werden. Die Politik habe dann über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Gefeiert wird der runde Geburtstag im Aquana erst im kommenden Jahr mit einigen Geburtstagsaktionen, etwa einer Fotowand im Foyer, auf der die Geschichte des Bades in Bildern gezeigt werden wird. Wer darauf hofft, den Nikolaus in Badelatschen durch seichtes Wasser flanieren zu sehen, der wird sich allerdings noch ein wenig gedulden müssen – die besten Chancen dafür bietet wohl der 6. Dezember des kommenden Jahres.

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