Baesweiler: Wohnungen und Praxen statt Läden: Alternativen zum Einzelhandel

Baesweiler : Wohnungen und Praxen statt Läden: Alternativen zum Einzelhandel

Wenn man durch die Baesweiler Innenstadt spaziert, sticht einem häufig eins ins Auge: leerstehende Ladenlokale — besonders im Teil der Einkaufsstraße, die vom Reyplatz wegführt, der Kückstraße, hat die Attraktivität in den vergangenen Jahren nachgelassen. Die Stadt Baesweiler versucht das seit geraumer Zeit zu ändern.

Ein Konzept, wie man Leerstände künftig verhindern, neue Einzelhändler für sich gewinnen und die Attraktivität der vorhandenen Lokale steigern kann, hat Prof. Cordula Neiberger vom Georgraphischen Institut der RWTH Aachen nun im Quartiersbüro „Kreativ“ vorgestellt. Beauftragt wurde sie von der Stadt im Rahmen einer Fördermaßnahme für städtebauliche Entwicklungskonzepte (ISEK).

Prof. Cordula Neiberger stellte das Konzept im Quartiersbüro in Baesweiler vor.

Drei Workshops im Vorfeld

120 Ladenlokale gibt es insgesamt im Stadtgebiet. 13 davon stehen aktuell leer, also fast jedes neunte Lokal.

In drei Workshops — einer mit den Händlern und Eigentümern der Läden, einer mit den Kunden und Bürgern und ein weiterer mit öffentlichen Akteuren — wurden Vorschläge gesammelt, um das zu ändern. Im Fokus die Frage: Wer sind potenzielle Nutzer? Mit Neiberger erarbeiteten die Teilnehmer Antworten: ein kleiner Lebensmittelnahversorger mit Bio-Lebensmitteln.

Ein Buchhandel. Ein Schuhgeschäft und ein Blumenladen. Doch Bücher, Schuhe, Blumen und sogar Bio-Lebensmittel kann man bereits in der Stadtmitte erwerben. Ist das also die Lösung des Problems? „Man muss auch über eine alternative Nutzung nachdenken“, sagt Neiberger. Beispielsweise an eine Vermietung an Ärzte, Dienstleister oder Gastronomen, denn Speiselokale gäbe es in Baesweiler ohnehin zu wenig. Auch Start-up-Unternehmen sollten eine Chance bekommen. Für Randlagen käme die Umwandlung in Wohnraum in Frage, so die Professorin.

Des Weiteren sei es wichtig, den Trading-Down-Prozess in der Kückstraße zu stoppen. Das bedeutet, die Spirale, die mit Leerstand endet, zu unterbrechen. „Ein Handel oder Fachgeschäft zieht aus dem Lokal aus. Der Vermieter findet nichts Gleichwertiges. Dann zieht ein Discounter ein. Dann ein Ein-Euro-Shop. Und schließlich eine Spielhalle. Dann folgt der Leerstand“, erklärt Neiberger. Man müsse den Eigentümern klar machen, welche Nutzer gut für das Bild der Stadt seien und welche nicht.

Doch die Stadt hat meist keinen Einfluss darauf, an wen und ob die Lokale überhaupt vermietet werden. In vier bis fünf Fällen seien die Eigentümer gar nicht bereit, Nachmieter einziehen zu lassen, betont Dirk Pfeifferling, Geschäftsführer des Internationalen Technologie- und Service-Center Baesweilers.

Auch das Thema Marketing sprach die Professorin in ihrem Konzept an. Das „Wir-Gefühl“ der Einzelhändler müsse gestärkt werden, die Öffnungszeiten vereinheitlicht, der Newsletter und die Website der Stadt sollten kundenorientierter sein, betonte sie.

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