Würselen: Wohin geht es mit der Schule?

Würselen: Wohin geht es mit der Schule?

Schulpolitik ist Ländersache - und damit nicht zuletzt ein zentrales Thema für die anstehende Landtagswahl. Um über den derzeitigen Stand, aber auch die Zukunftschancen des Schulsystems zu diskutieren, lud die Würselener SPD mit der Landtagskandidatin Eva-Maria Voigt-Küppers Vertreter der Würselener Schulen zur öffentlichen Diskussionsrunde „Zukunftsdialog Schule” in das Euregio-Kolleg ein.

Voigt-Küppers machte dabei früh deutlich, was ihr an der derzeitigen Situation des Bildungssystems missfällt: „Bildung muss kostenlos sein, vom Kreissaal bis zur Uni”. Zunehmend würden Eltern trotz Bestehen der Lernmittelfreiheit durch Ausgaben für Kopien, Klassenfahrten oder andere Zusatzkosten belastet.

Zudem sei es unerträglich, dass Städte im Nothaushalt nicht das Mittagessen für die Schülerinnen und Schüler unterstützen dürften. Dabei sei ein kostenloses Essen gerade im Ganztagsbetrieb enorm wichtig.

In der anschließenden Diskussionsrunde stellten sich Max Konou (Experte für Migration), Andreas Plonka (Verein Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen), Doris Harst (Vorsitzende des Schulausschusses) sowie die Schulleiter Günther Sonnen (städtisches Gymnasium), Lorenz Hellmann (Realschule), Clemens Sacher (Albert-Schweitzer-Schule) sowie Paul Kuck (Hauptschule) den Fragen der Gäste.

Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie fair das Schulsystem ist. Max Konou, der Lehrer an der Hauptschule, machte deutlich, dass das System „nicht grundsätzlich falsch ist, aber schlecht umgesetzt werde.” Es sei fatal, dass Hauptschüler von vorne herein davon ausgingen, keine Chance zu haben.

Clemens Sacher betonte, Schule sei nur dann gerecht, wenn alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen hätten, während Paul Kuck deutlich machte, dass die Quote von fast 40 Prozent Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund auf der Hauptschule zeige, dass diese Chancengleichheit nicht gegeben sei und Migranten sowie sozial schwache Familien weniger Chancen auf gute Bildung hätten.

Bezüglich der Zukunft des Schulsystems machte Günther Sonnen klar, dass in der gegebenen Struktur diese Gerechtigkeitslücke nicht zu schließen sei. Man müsse weg von der Institution Schule, hin zu einem ganzheitlichen „Haus des Lernens”, in dem sich Kinder entwickeln könnten und das Synergien schaffe, indem zum Beispiel Schule und Jugendhilfe nicht mehr streng getrennt würden.

Sonnen betonte aber gleichzeitig, dass er nicht glaube, dass man „die heilige Kuh des Gymnasiums” all zu bald schlachte. Eine Lösung könnte ein Bildungssystem auf zwei Säulen sein, wobei auch die zweite Säule einen guten Schulabschluss bis hin zum Abitur erlauben müsse.

Dem stimmte Lorenz Hellmann zu: „Wenn man einfach nur die Realschule und die Hauptschule zusammenlegt, ist keinem geholfen. Solch eine zweite Säule darf keine Restschule sein, man braucht kleine Klassen, mehr Lehrer, Ganztagsbetrieb, eine gute Ausstattung und mehr Sozialarbeiter.”

Auch die Landtagskandidatin Voigt-Küppers machte noch einmal klar: Kleinere Klassen, gut ausgebildete Lehrer für alle Schulen, ein sinnvoll gestalteter Ganztag mit kreativen Angeboten und ein von Eltern, Lehrern und Schultträger auf die Bedürfnisse der jeweiligen Örtlichkeit hin gestaltetes Schulsystem seien für sie zentrale Punkte.