Herzogenrath: WMC spannt ein Netz um die ganze Welt

Herzogenrath: WMC spannt ein Netz um die ganze Welt

Wenn im benachbarten Kerkrade eine so wichtiges kulturelles Ereignis wie der World Music Contest (WMC) stattfindet, der quasi als Olympiade der Blasmusik gilt, gibt es traditionsgemäß auch einige Konzerte und Aufführungen auf der anderen Seite der Grenze.

So haben auch in diesem Jahr die Stichting WMC und die Stadt Herzogenrath gemeinsam eine ganz besondere Veranstaltung im Rahmen des WMC-Konzertzyklus in die Aula des Herzogenrather Schulzentrums geholt. Das Nationale Jugendharmonieorchester der Niederlanden gab gemeinsam mit dem Brabant Chor, einem der führenden niederländischen Konzertchöre, und hochkarätigen Solisten ein außergewöhnliches Konzert. In dem Jugendharmonieorchester spielen rund 80 begabte junge Musiker aus allen Teilen der Niederlande auf sehr hohem Niveau.

Musikalischer Schwerpunkt

Der musikalische Schwerpunkt liegt bei sinfonischer Blasmusik von hauptsächlich modernen niederländischen Komponisten. So standen auch in Herzogenrath zwei Stücke von Komponisten der Gegenwart auf dem Konzertprogramm, nämlich „Cantica Aviditatis” von Alexander Comitas und „The Book of Urizen” von Jacob de Haan.

Das zwischen 2004 und 2006 komponierter Werk „Cantica Aviditatis”, was übersetzt Lieder der Habsucht bedeutet, ist eine Vertonung einiger Lieder aus dem Codex Buranus, einer Sammlung von mittelalterlichen Lyrik aus dem Kloster Benediktbeuren. Einige dieser Stücke bearbeitete Carl Orff in seinem berühmten Werk Carmina Burana, aber auch viele andere Musiker wurden von dieser größten Sammlung mittelalterlicher Dichtkunst inspiriert.

Alexander Comitas widmete sich den Liedern, die sich mit der menschlichen Habsucht beschäftigen. Sein Werk gliedert sich in drei Zyklen.

Die „Cantica Aviditatis” ist ein sehr abwechslungsreiches Werk, die Musik schwillt in Intensität und Tempo ständig auf und ab, Passagen für den Chor und das komplette Orchester werden abgelöst von rezitativartigen Soli des Tenors Emilio Pons und des Baritons Falko Hönisch.

Prophetisches Werk

Die Sopranistin Ingrid Zeegers kam erst im zweiten Teil des Konzerts zum Einsatz. „The Book of Urizen” von Jacob de Haan ist eine Vertonung des gleichnamigen prophetischen Werks des englischen Dichters und Mystikers William Blake.

Der 1793 veröffentlichte, mythisch-allegorische Schöpfungsethos ist in gewisser Weise eine Parodie des Buchs Genesis und beschreibt wie der urzeitliche Priester Urizen die Welt erschaffen will, seine Vorstellungen aber nicht gegenüber seinen Nachkommen durchsetzten kann. Die Vertonung von Jacon de Haan für Chor, Sopranistin, Orchester und Sprechstimme (Geert Peters) nutzt besonders im dritten Satz (den Reisen des Urizen) Klangfragmente religiöser Musik aus jüdischer, christlicher und moslemischer Tradition, um gleichsam ein die Welt umfassendes religiöses Netz zu spannen.

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