Baesweiler: Willi Linkens bittet beim Neujahrsempfang um mehr Gemeinschaftssinn

Baesweiler : Willi Linkens bittet beim Neujahrsempfang um mehr Gemeinschaftssinn

Dass sich Bürgermeister Dr. Willi Linkens (CDU) nicht über mangelnde Beteiligung beim Neujahrsempfang der Stadt Baesweiler am Donnerstagabend beklagen muss, dürfte ihm schon beim Defilee der Gäste und Händeschütteln im Eingangsbereich des städtischen Gymnasiums klar geworden sein.

Obwohl diesmal kein Ehrenlöwe verliehen wurde — die Fraktionen im Stadtrat hatten keine Vorschläge gemacht — füllte sich das Pädagogische Zentrum schnell mit Vertretern der Vereine, Verbände, Institutionen, interessierten „Normalbürgern“ sowie Prominenten. Die Blaskapelle Oidtweiler unter Leitung von Bernhardt Thelen sorgte für die musikalische Unterhaltung. In angenehmer Atmosphäre sollte die „Grundlage für ein erfolgreiches und gedeihliches Miteinander im neuen Jahr“ geschaffen werden, sagte Linkens und beschwor „ein Leitbild des guten Zusammenlebens“, um Unzufriedenheit und Sorge entgegenzuwirken und gerade der Jugend eine positive Perspektive zu geben.

Einmal mehr sprach er sich für eine angemessene Kostenerstattung bei der Betreuung der zugewiesenen Asylbewerber aus. Zudem müsse sich die Kommune auf diejenigen konzentrieren dürfen, die als Geflüchtete und Asylberechtigte anerkannt sind und eine Bleibeperspektive haben.

Bei vielen Migranten, etwa aus Marokko oder der Türkei stammend, die in Baesweiler schon in der zweiten oder dritten Generation lebten, sei die Integration gelungen. „Bei anderen nicht. Hier ist unsere Stadt keine Ausnahme“, bedauerte der Bürgermeister. Insbesondere bei den Deutschkenntnissen seien die Defizite auffällig. „Große Sorge macht mir, dass nach einer Studie die Hälfte der Migranten keine häufigen Kontakte zur deutschen Bevölkerung haben.“

Ihnen müsse im sozialen Umfeld Hilfe und Stabilität gegeben werden. Linkens: „Ich höre von älteren Bürgern, die zunächst in Panik verfielen, als ihr neuer Nachbar ein Migrant war, dann aber schnell Hilfe beim Winterdienst oder Heraussetzen des Mülleimers erfuhren. Aus Misstrauen wurde gute Nachbarschaft!“ Die Stadt Baesweiler sei auf einem guten Weg, einer Parallelgesellschaft entgegenzuwirken — etwa mit den vielseitigen Angeboten im Haus Setterich. So etwas müsse aber auch angenommen und genutzt werden.

Großes Lob gab es für die über 160 Vereine und deren Akteure in der Stadt. Wichtig für die Gemeinschaften gerade in den kleineren Stadtteilen sei der Erhalt der Kindergärten und Grundschulen. Die Förderung von Dorfgemeinschaften und Nachbarschaftshilfe sei weiterhin dringliche Aufgabe. „Lasst uns alle mit offenen Augen durch das Haus und unsere Straße gehen, so banale Dinge tun wie grüßen, mal mit anpacken, ein Paket entgegennehmen, tatsächlich einfach mal einem Verein einen Besuch abstatten oder eine Nachbarschaftsplattform im Internet ausprobieren“, ermutigte Linkens.

In mehreren Punkten beschrieb der Bürgermeister die Ziele für das noch junge Jahr 2018. So sei das Ehrenamt weiterhin eine wichtige Grundlage für das Gedeihen der Kommune. Zudem werde die Kommune weitere Neubauflächen vorbereiten — und zwar für alle Stadtteile. Hier setze sich Baesweiler im Zuge der weiteren Regionalplanung in Gesprächen mit der Bezirksregierung für genügend Planungsfreiheiten ein. Weiterhin forderte Linkens das Land auf, die personelle Situation an den Grundschulen und der Realschule deutlich zu verbessern. Zum Thema Schwachstellen in der Sozialstruktur appellierte Linkens an den Bund, die Witwenrente deutlich anzuheben.

Auf der Agenda stehe zudem die Überarbeitung des Radwegekonzepts, was Teil des Klimaschutzkonzepts sei. „Unsere Wirtschaftsförderung ist überaus erfolgreich. Strukturwandel bleibt aber eine dauerhafte Aufgabe.“ Bei der Stärkung des Zentrums sei man auf einem guten Weg.

Ein Architektenwettbewerb zur Erweiterung und Sanierung des Rathauses Baesweiler werde vorbereitet.

Mit der finanziellen Entwicklung könne die Stadt sehr zufrieden sein. Der Jahresabschluss 2016 habe ein sehr hohes Plus gebracht. „Die Steuersätze in Baesweiler sind die geringsten in der gesamten Region.“ Das kostenbewusste Wirtschaften werde fortgesetzt.

Bürgermeister Linkens bot allen „die Fortsetzung des uneingeschränkten Vertrauensverhältnisses und kreativen Dialogs“ an. So werde man auch die neuen Herausforderungen meistern.

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