Alsdorf: Wenn im Spielzeugladen das Licht ausgeht

Alsdorf: Wenn im Spielzeugladen das Licht ausgeht

Die große Wehmut hat ihn noch nicht ergriffen. Wenn Arnold Dohmen dieser Tage auf die Regale in seinem Spielzeugladen blickt und auf die Schilder davor, die den Kunden saftige Rabatte versprechen, dann denkt er sich bloß: „Bald sind die alle leer - und dann ist es auch mal gut.”

Am kommenden Samstag geht das Licht aus in dem Spielwarenladen, den es seit 1948 an der Alsdorfer Rathausstraße gibt. 63 Jahre, eine lange Zeit. Doch auch die Tradition hat ihre Grenzen in der modernen Welt, wie der 70-Jährige erfahren hat.

Zwar ist es vor allem das Alter, das ihn und seine zwei Jahre jüngere Frau Hermine zur Geschäftsaufgabe bewogen hat. „Man steht halt den ganzen Tag im Laden”, sagt er, „irgendwann geht das körperlich nicht mehr so gut”. Doch sei während der vergangenen zehn Jahre auch der Umsatz Stück für Stück eingebrochen. Große Handelsketten, die Spielzeugabteilungen in den Discount-Märkten, die Online-Anbieter: „Als Einzelhändler kann man mit Spielzeug kaum mehr etwas verdienen”, sagt er, der in der Region so manchen kennt, der seinen Laden längst dicht gemacht hat. „Textilhändler haben ganz andere Möglichkeiten, Rabatte zu gewähren. Denen tun auch 50 Prozent hier und da nicht weh. Bei uns sind zehn Prozent schon an der Schmerzgrenze.”

Ohne Wehmut

Wie gesagt: wehmütig ist er nicht. Dazu hat ihm die Sache zu viel Spaß gemacht. Mitte der 1960er Jahre - damals hat er noch in einem Büro gearbeitet - hat er seine spätere Frau kennengelernt und damit auch den Laden ihrer Eltern. Mitte der 1970er Jahre hat das Paar das Geschäft übernommen.

Ein paar Stammkunden von damals gibt es bis heute. Überhaupt bedauere es so mancher, dass es den Laden bald nicht mehr gebe. So viele Kunden wie dieser Tage waren schon lange nicht mehr da. Schnäppchenjäger und die, die sich einfach verabschieden möchten, drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand.

Ob man wohl als Spielzeughändler sein Leben lang ein großes Kind bleibt? Da lacht Arnold Dohmen aber. Er jedenfalls sei kein Spielkind. „Ich hab etliche Modelleisenbahnen verkauft und hatte selbst nie eine.” Auch Gesellschaftsspiele seien nicht sein Ding gewesen. „Autos oder Kochtöpfe hätte ich andererseits auch nicht verkaufen können”, sagt der zweifache Vater und Großvater, der gern seine jungen Kunden bedient hat.

Wenn ein Kind in den Laden kam und mit großen Augen das Angebot bestaunt hat - das seien schon schöne Momente gewesen. Er erinnert sich gern daran. Doch jetzt blickt er nach vorn: auf eine Zeit ganz ohne Spielzeug.

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