Alsdorf: Wegbereiter für regenerative Energie im Nordkreis

Alsdorf : Wegbereiter für regenerative Energie im Nordkreis

Wenn Lebenserfahrene an einem Tisch zusammenkommen, dann gibt es was zu erzählen. Vor allem dann, wenn es sich um Gleichgesinnte handelt, wie jetzt im Bistro des Energeticons Alsdorf.

Und es kommt nicht von ungefähr, dass es sich im vorliegenden Fall um Pioniere der Energiewende handelt, die sich bereits mit regenerativen „Kraftquellen“ und der Einrichtung von entsprechenden Gewinnungsanlagen befassten, als Atom- und Kohlestrom sich noch einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung erfreuten und „Alternative“ als seltsame Typen galten.

Gerade im Energeticon, der Dokumentationsstätte für historische (fossile) und regenerative Energieformen, geht es um die Energiewende und deren Dokumentation.

Treffen im Energeticon Alsdorf

Hans-Willi Grümmer — mittlerweile bald 63 Jahre alt und Inhaber des Euregio-Solarzentrums gegenüber dem Energeticon — und das Ehepaar Anneliese und Willibald Berners, Landwirte aus Huppen-broich (Simmerath), sitzen beisammen und erzählen aus alten Zeiten.

Alle drei sind dem Energeticon verbunden. Vor kurzem wurde als kleines technik- und regionalgeschichtliches „Schätzchen“ der Kern der ersten Windenergieanlage im Raum Aachen von 1992 mit Getriebe, Bremse, Generator, Flügelverstellung und Flügeln auf dem Außengelände aufgestellt.

Mit dieser Anlage, die auf dem Gelände des Milchhofs des Ehepaars Berners in Kooperation mit vier weiteren Anteilseignern installiert war, begann die Windenergiegeschichtein der Region. Sie war bis 2014 in Betrieb. Und Grümmer vermittelte nun die Schenkung ans Energeticon. „Die Szene der Anhänger regenerativer Energieformen kennt sich damals wie heute“, sagt er.

Grümmer trat Anfang der 1980er Jahre den Grünen bei. „Ich habe mich aber nie als ein Gurken-Grüner verstanden, sondern mich sehr schnell für technische Dinge interessiert“, sagt er. Grümmer arbeitete seit 1972 bei der Deutschen Bahn, unter anderem im Stellwerk in Herzogenrath. Er ist gelernter Diplom-Verwaltungsbetriebswirt. Für das eigene Haus wollte er eine Solaranlage haben. Damals war das schon fast revolutionär. Und er wollte das in Eigenleistung schaffen. Bei einer Fachausstellung in Hamm suchte er Anregungen und stieß auf ein Buch, das den Bau erklärt.

Er fand Freunde, die ihm helfen konnten, und erwarb nach dem Prinzip Versuch und Irrtum die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten inklusive Löten, wie er erzählt. „Das war dann zwar eine Solaranlage der Marke Eigenbau, aber die lief noch bis vor drei Jahren.“ Er trat dem Verein „Energiewende“ in Eschweiler bei. Gleichgesinnte suchten Kontakt, um Hilfestellung zu erhalten. „Ruf doch mal den Grümmer an, hieß es. Ich habe immer sehr gerne die Leute beraten und begonnen, bei der VHS Vorträge zu halten.“ Anfangs habe er Bammel gehabt, bei solchen Veranstaltungen auf Teilnehmer zu stoßen, die mehr Ahnung von der Materie hatten, wie er lachend erzählt.

„Aber das war nicht der Fall.“ 1994 erfuhr er vom Phönix-Projekt des Aribert Peters, bei dem Solaranlagen direkt vom Hersteller an Verbraucher ge- liefert wurden, unterstützt von etwa 500 Beratern. Grümmer wurde einer dieser Berater, genauer gesagt die Nummer 46, machte Lehrgänge, war im gesamten Bundesgebiet unterwegs. Dafür reduzierte er seine Be-amtenstelle bei der Bahn auf 50 Pro- zent. „Innerhalb kurzer Zeit habe ich zwölf Anlagen vermittelt.“

Er bekam Aufwandsentschädigungen dafür. „Damals habe ich gemerkt, dass ich damit Geld verdienen kann.“ Der Weg in die Selbstständigkeit war geebnet. „Solar- und Photovoltaikanlagen sind mittlerweile in der Gesellschaft angekommen“, freut er sich. Aus seiner Passion wurde der Beruf. Höchste Zeit sei es, aus dem Solarteur (Fachkraft für den Bau und die Instandhaltung von Solaranlagen) einen eigenen Ausbildungsberuf zu machen, sagt Grümmer.

Rund 70 Kühe geben auf dem Hof des Ehepaars Berners in Huppenbroich ihr Bestes: Milch. Ebenfalls in den 80er Jahren wollte Willibald Berners unbedingt eine Windkraftanlage haben, um für den Eigenbedarf Strom zu produzieren. Beim Besuch einer Fachmesse im norddeutschen Husum war es um ihn geschehen. Berners wurde zum Pionier für Windräder im Kreis Aachen. Die größte Hürde war nicht die Technik, sondern das Genehmigungsverfahren, wie er sich erinnert.

Er fand Unterstützung bei den Windkraftfreunden Simmerath. Am höchsten Punkt auf seinem Grund — 570 Meter — wurden Windmessungen gemacht. Von den 190 000 Mark, die die Windkraftanlage kostete, wurden große Anteile von Bund und Land beigesteuert. Ehefrau Anneliese war anfangs skeptisch, wie sie sagt. Sie hatte auch so reichlich Arbeit auf dem Hof und mit den zwei Kindern. Ein drittes war gerade unterwegs. Bereut haben die beiden den Entschluss, die Anlage zu bauen, allerdings nicht. Bis zu 80.000 kWh produzierte die Anlage im Jahr.

Willibald erzählt, dass er im Winter oft die rund 30 Meter hohe Anlage entern musste, um den eingefrorenen Windmesser wieder zu aktivieren. „Mittlerweile sind ringsum eine Reihe von Windkraftanlagen gebaut worden. Das sieht schon ein bisschen nach Kirmes aus“, sagt seine Frau. Seit 2014 kommt für die Landwirte der Strom wieder aus der Steckdose. „Überwiegend aus regenerativen Energieformen erzeugt“, sagt Grümmer.