Alsdorf: Was wird aus Kita-Erweiterung in Ofden?

Alsdorf: Was wird aus Kita-Erweiterung in Ofden?

Zwei Jahre lang hat die Stadt Alsdorf mit der Evangelischen Gemeinde „in einer Vielzahl von Gesprächen“ verhandelt, um „trotz ganz erheblicher Probleme den Ausbau der U 3-Betreuung auf den Weg zu bringen“, wie Dezernent Stephan Spalter in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses sagte.

Wie berichtet, bitten die Evangelische Gemeinde und der Trägerverein EVA (Evangelischer Kindergartenverein Alsdorf) der beiden evangelischen Kindergärten in Mitte und Ofden um Übernahme des neunprozentigen Trägeranteils, weil die Kirche die damit verbundenen knapp 77.000 Euro jährlich nicht mehr aufbringen kann.

Das steht jetzt auf der Kippe, weil der Jugendhilfeausschuss Mitbestimmung bei der Führung des Kindergartens einfordert und Garantien haben will, dass sich die Gemeinde im Gegenzug neben Zuschüssen des Landes kräftig an Sanierung und Ausbau des Kindergartens in Ofden beteiligt. Mit Spannung schauen die Betroffenen auf den 4. Juli. An diesem Donnerstag will sich der Stadtrat in seiner Sitzung im Rathaus (großer Saal, 1. Etage) zu dem Thema positionieren. Möglicherweis abschließend.

Pfarrer Ulrich Eichenberg, Vorsitzender des Presbyteriums, hatte gegenüber unserer Zeitung die Forderung nach Mitbestimmung als kirchenfeindlich gewertet. Die Landeskirche werde angesichts der Forderung der Stadt auf Mitbestimmung wohl nicht gestatten, dass Kirchenvermögen für die Ertüchtigung des Ofdener Kindergartens eingesetzt werde.

In der Kirchengemeinde herrscht Unruhe. Zwar hatte zuletzt das Presbyterium beschlossen, die Immanuelkirche und die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden zu schließen, um das strukturelle Defizit in Höhe von 150 000 Euro im Jahr zu beseitigen und Geld für den Ausbau des Kindergartens in Ofden durch Grundstücksverkauf zu erzielen, aber hinter den Kulissen kracht es. Mehrfach musste die Stadt sich in den Gesprächen neu einstellen. Spaltner: „Wir haben es mit verschiedenen Ansprechpartnern zu tun gehabt.“

Im entscheidenden Gremium der Gemeinde, dem Presbyterium, war jetzt wieder Stühlerücken angesagt. Die Ärztin Dr. Dorothea Gronen hat den Vorsitz abgegeben, weil „von einer ehrenamtlichen Vorsitzenden“ die mit dem Umbau der Gemeinde verbundenen Aufgaben einfach nicht zu schaffen seien, wie es im Gemeindebrief heißt. Sie fungiert jetzt als Stellvertreterin des wieder zum Vorsitzenden gewordenen Pfarrers Ulrich Eichenberg, also eines Festangestellten der Gemeinde. Zwei Presbyter haben ihre Ämter niedergelegt, Dr. Stefan Saffer „aus familiären Gründen“, Christian Pechstein „aus beruflichen Gründen“. Der „ordentliche Bestand“ des Presbyteriums zählt 13 Köpfe, vier Stellen sind derzeit vakant. Deshalb such die Gemeinde nach interessierten Kandidaten.

Udo Kals, aktueller EVA-Vorsitzender, hält den Ball flach: „Wir wissen immer noch nicht, wie die von Teilen der Politik geforderte Mitbestimmung ausgestaltet werden soll.“ Seit 20 Jahren habe die Kommune mit dem Träger EVA keine Probleme gehabt, sei stets zufrieden gewesen. „Wir denken, dass die Stadt weiß, was sie an den beiden Kindertagesstätten (in Mitte und Ofden) und an unserem Verein hat.“ Kals sieht keinen Grund dafür, da etwas zu ändern, auch wenn es jetzt eine andere Finanzierung geben könnte. „Wir sind natürlich als Verein kirchenbezogen.“ Wenn die Stadt jetzt Einfluss auf inhaltliche und arbeitsrechtliche Dinge nehmen wolle, werde das ein Problem. Kals glaubt jedoch, dass es der Politik vorrangig um die Frage des Geldes und der Sicherheiten geht. „Wir müssen uns zusammensetzen.“

Falls die evangelische Kirche kein Geld zur Sanierung und zum Ausbau des Ofdener Kindergartens gebe, weil die Politik auf Mitbestimmung beharrt, dann müsse mit der Stadt neu verhandelt werden, wie es mit der Kinderbetreuung weitergehen soll. Der Verein gehe aber davon aus, dass es nicht so weit kommen wird. EVA sei dankbar dafür, dass die Stadt grundsätzlich zur Übernahme des Trägeranteils bereit ist.

„Wir warten die weitere Entwicklung ab“, sagt Pfarrer und Vorsitzender des Presbyteriums, Ulrich Eichenberg. Mit ihm habe die Stadt seit der Ausschusssitzung keinen Kontakt aufgenommen. Natürlich wisse die evangelische Landeskirche, was los ist. „Ich bin ja berichtspflichtig.“ „Ich glaube mal, dass man seitens der Stadt die Einwände gegen die Mitbestimmung verstehen wird.“ Es wäre ein einmaliger Vorgang, wenn die Kommune gegenüber dem Kita-Träger auf Mitbestimmung bestehen würde.

Bürgermeister Alfred Sonders appelliert an alle Beteiligten, besonnen zu bleiben und zu handeln. „Es geht um eine für die Stadt sehr wichtige Angelegenheit.“ Auch wenn alle unter großem Zeitdruck stehen, aber die evangelische Kirche hat eben Zeit gebraucht, um ihre Linie zu finden, meint Sonders. „Wir tun gut daran, auf die Bitte des Vereins EVA einzugehen und den Trägeranteil zu übernehmen.“ Aber: Wie bei jeder Verwendung öffentlicher Mittel ist laut Bürgermeister eine „dingliche Sicherheit“, ein Vertrag geboten. Er wisse auch nicht genau, was mit dem Begriff Mitbestimmung seitens der Politik gemeint ist. „Das hat mir gegenüber noch keiner definiert.“ Er ist sich jedoch sicher: „Niemand will in die konzeptionelle Kindergartenarbeit eingreifen.“ Ohnehin würde die Kita-Leitung die Arbeit zu „99 Prozent“ bestimmen. Er glaube nicht, dass das Ganze an der Mitbestimmung scheitern wird.

Sorgen macht sich Hans-Dieter Fischer. Der Mann kennt die evangelische Szene in Alsdorf. Er war bis vor dreieinhalb Jahren gewähltes Mitglied des Presbyteriums, dem er nahezu zehn Jahre angehörte. In dieser Zeit war er zudem etwa drei Jahre lang Vorsitzender des Trägervereins EVA, wie er gegenüber unserer Zeitung in Erinnerung rief. Insgesamt haben in den letzten drei Jahren sechs Presbyter das Gremium verlassen, hat er nachgezählt. Gleichzeitig wechselte in dieser Zeit dreimal der Vorsitz.

U 3-Ausbau um jeden Preis?

In seiner Stellungnahme, die er unserer Zeitung zukommen ließ, bezieht Fischer Position. „Unbestritten ist, dass eine christliche Vorerziehung in konfessionell geführten Kindergärten mehr denn je in der heutigen Zeit unbedingt erforderlich ist. Dies aber nur unter für alle Beteiligten akzeptable Bedingungen. Hiezu gehören nicht nur das Presbyterium und die Einrichtungen, sondern auch die ca. 4000 Gemeinde-Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf“, schreibt Fischer.

Angesichts des demografischen Wandels stellt sich für Fischer die Frage, „ob eine Erweiterung, insbesondere durch die faktisch nicht zuständige evangelische Kirchengemeinde überhaupt noch sinnvoll ist“. „In den letzten fünf Jahren sind die Zahlen aller Grundschüler, ehemals Kinder im Alter von U 3-Kindern, in Alsdorf von circa 2200 auf unter 1700 zurück gegangen.“ Davon hätten auch nicht alle einen Kindergarten besucht. „Der Rückgang ist bis heute noch nicht gebremst.“

Und Fischer weiter: „Auch die Tatsache, dass der Anteil andersgläubiger, also nicht evangelischer Kinder, bei circa 75 Prozent liegt, ist schon sehr bemerkenswert, obwohl die Kirchengemeinde bei einem ‚strukturellen Defizit‘ schon seit mehreren Jahren hätte diesbezüglich energisch gegensteuern müssen. So ist es halt, wenn man kaufmännisch rechnen muss.“

Und Fischer weiter: „Dies alles ignoriert das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf vollends. Umbau des Kindergartens und Einrichtung von U 3-Gruppen um jeden Preis? Wo bleibt da die übrige Kirchengemeinde wie Frauenhilfe, Altenarbeit, Jugendarbeit, Besuchsdienst, um nur einige Bereiche, die bisher vernachlässigt wurden, zu nennen.“ Nicht die Kirchengemeinde stehe in der gesetzlichen Pflicht, U 3-Plätze einzurichten, sondern ausschließlich die Stadt Alsdorf.