Baesweiler: Vortrag in der Baesweiler Burg: Wie Müll vermieden werden kann

Baesweiler: Vortrag in der Baesweiler Burg: Wie Müll vermieden werden kann

Im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung hatte die Stadt Baesweiler die Bochumer Zero-Waste-Bloggerin Shia Su mit ihrem Mann Hanno zum Vortrag in die Baesweiler Burg geladen. Mit Nadine Tocay spricht die Bloggerin über das Prinzip von Zero Waste, also „Null Abfall“ oder „Null Verschwendung“, über ihren Lebensstil und Tipps, wie jeder den Müllverbrauch in seinem Alltag einschränken kann.

Frau Su, viele Leute kennen Sie als Zero-Waste-Bloggerin aus dem Internet. Für manche sind Sie ein großes Vorbild. Können Sie für diejenigen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, kurz erklären, was Zero Waste eigentlich bedeutet?

Shia Su und ihr Mann Hanno zeigten in der Baesweiler Burg praktische Tipps für die Reduzierung von Müll auf. Foto: Nadine Tocay

Su: Es gibt eigentlich keine feste Definition. Im Grunde bedeutet es, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Ich persönlich bin mit dem Namen „Zero Waste“ auch nicht immer so glücklich, denn ich denke, es geht nicht darum, auf Null zu kommen und gar keinen Müll zu verursachen. Denn das geht in diesen gesellschaftlichen Strukturen nicht, wenn man nicht gerade als Aussteiger leben möchte. Ich denke, es geht vielmehr darum, minimal Müll zu verursachen, also so wenig wie möglich in der eigenen Lebenssituation. Darum geht es zumindest mir und meinem Mann Hanno.

Hat dieser Lebensstil auch Grenzen? Wo sind Sie bisher auf Probleme gestoßen?

Su: Ich denke, es hängt ganz maßgeblich von der Infrastruktur ab, von dem Ort, wo man lebt. Wenn man zum Beispiel in einer Stadt lebt, die auch einen Unverpackt-Laden, also einen Laden, in dem es keine Verpackungen gibt, vor Ort hat, ist das natürlich ideal. Aber das ist nicht immer der Fall. Und es gibt auch andere Faktoren: Hat man kleine Kinder, eine Familie, in welchen Arbeitsstrukturen ist man? Ich finde, man kann das nicht so starr sehen und darum geht es auch gar nicht.

Gibt es bei Ihnen einen Unverpackt-Laden?

Su: Nein, leider nicht. Wir wünschen uns natürlich einen, aber der nächste ist eine Dreiviertelstunde mit dem Zug entfernt. Es ist etwas mühsam, dahin zu gehen. Alle sechs Wochen kaufen wir, wenn wir reisen und wirklich mal zu einem Unverpackt-Laden kommen, auf Vorrat ein. Und dann kaufen wir noch einmal in der Woche im Bioladen um die Ecke frisches Obst und Gemüse. Manchmal machen wir auch Großbestellungen mit Freunden zusammen. Also müllfrei zu leben, ist nicht unbedingt von einem Unverpackt-Laden abhängig.

Wann haben Sie damit begonnen, so wenig Müll wie möglich zu produzieren?

Su: Das war vor ungefähr zwei Jahren. Aber wir haben auch nicht einfach gesagt: „Zack, jetzt werden wir Zero Waste und leben müllfrei“, sondern: „Wir wollen unseren Müll mal konsequenter vermeiden.“ Es ist einfach mit der Zeit, ich sage mal, ein bisschen ausgeartet. Wir hatten früher schon, als wir studiert haben, den Wunsch: Wenn wir mal einen Job haben und Geld verdienen, dann wollen wir so wenig wie möglich auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt leben.

Dann haben wir beide zwar vollzeit gearbeitet, es aber trotzdem nicht gemacht, was uns auch immer ein bisschen gestört hat. Dann bin ich aus meinem Arbeitsverhältnis ausgetreten, und wir sind in eine neue Stadt gezogen. Da haben wir uns neu aufgestellt. Als wir dann auf Facebook von Zero Waste erfahren hatten, haben wir gesagt: So, das ist ein guter Anlass, auch mal genauer hinzugucken.

Sie haben zu Hause ein Einmachglas, in dem Sie Ihren gesamten Müll sammeln, ihr „Müllglas“. Was hat es damit auf sich?

Su: Ja, das habe ich sogar mit dabei (holt das Glas aus ihrer Tasche). Das ist unser, ich sage immer, „problematischer“ Müll, unser Plastik- und Restmüll von zwölf Monaten. Da sind so allerlei Sachen drin: ganz viele Kassenzettel zum Beispiel. Die sind nämlich BPA-beschichtet — Bisphenol A, der Stoff, weswegen Plastik unter anderem in Verruf geraten ist. Deswegen sollten Kassenzettel nicht zurück ins Recycling, weil BPA das Grundwasser und die Sachen, die daraus entstehen, kontaminiert.

Dann sind noch Plastikfenster von Briefumschlägen im Glas. Sonst so Krimskrams, wie Zuschnitte meiner orthopädischen Schuheinlagen und Klebeband. Ich bin Allergikerin, ich muss jetzt viel weniger nehmen als früher, aber es sind halt noch ein paar Tabletten im Frühling, deren Verpackungen auch im Glas sind. Eine kaputte Kaffeetasse ist dort auch drin. Also alles Sachen, die höchstwahrscheinlich nicht recycelt werden können.

In Ihrem Blog zeigen Sie vegane und kompostierbare Produkte, die sie selbst hergestellt haben, zum Beispiel Putz- und Spülmittel und Kosmetikprodukte. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Su: Ganz viel testen wir selbst aus. Ich blogge auch schon jahrelang über veganes Backen. Das heißt, ich habe auch die Angewohnheit bei ganz vielen Bloggern, die ich kenne, persönlich zu gucken, was die so machen. Und es gibt viele, die haben gar nichts mit Müllvermeidung am Hut, aber vielleicht mit Naturkosmetik oder mit Hausmitteln, oder die nähen was. Was haben wir nicht alles schon ausprobiert, und das war dann katastrophal! (lacht) Aber die Sachen, die wir posten, sind auch die, die wir benutzen, die, mit denen wir zufrieden sind.

Sie haben vor einigen Monaten das Buch „Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün“ herausgebracht. Darin geben Sie Tipps, wie man Müll im Alltag vermeiden kann.

Su: Genau, das Buch ist eher für Einsteiger. Denn ich bekomme immer das Feedback: Es muss total krass sein, total kompliziert. Und ich habe versucht, es so einfach wie möglich zu halten, so dass jeder etwas davon in seinen Alltag einbauen kann.

Was ist so ein Tipp für den Alltag?

Su: Ich würde sagen, viele Sachen kennt man schon. Wie zum Beispiel den Beutel für den Einkauf einzustecken. Ich sag immer: Unter den Schlüssel legen! An den Schlüssel denkt man und irgendwann wird das zur Gewohnheit. Und die eigenen Gewohnheiten kennen. Wenn man sich jeden Tag einen Coffee-to-go holt, dann lohnt es sich, sich einen eigenen Kaffeebecher einzustecken.

Und dann auch mal offen sein und Sachen, wie Hausmittel, ausprobieren. Sachen selber machen, die wirklich nur eine Minute dauern. Und: Augen aufhalten! Denn es gibt viel mehr unverpackte Sachen in der Gegend, als man manchmal meint. Das sind so die einfachsten Maßnahmen.

Weitere Tipps zeigt Shia Su in ihrem Blog unter wastelandrebel.com und auf ihrem Instagram-Account unter @_wastelandrebel_.

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