Würselen: Virtuoses Piano-Konzert im Krankenhaus-Foyer

Würselen : Virtuoses Piano-Konzert im Krankenhaus-Foyer

Als Anna Ojiro ihre zarten Finger auf die elfenbeinfarbenen Tasten des Flügels im Foyer des Rhein-Maas Klinikums (RMK)legte und Frederic Chopins Etüde Opus 25, Nr. 6 anschlug, blieben einige Passanten stehen.

Etwa 50 Stühle standen beim ersten Hauskonzert im Rhein-Maas Klinikum für die Zuhörer und Zuschauer bereit. Und auch wenn das eigentliche Konzert im Rahmen des 7. Klaviersommer Geilenkirchen erst um 11 Uhr begann — die Menschen setzten sich und lauschten ergriffen.

Die 21-jährige Japanerin, die in Yokohama wohnt und im zweiten Jahr an der renommierten Nationalen Universität für Schöne Künste und Musik von Tokio Klavier studiert, sieht zweifellos viel jünger aus, als sie ist. Deshalb meinte eine ältere Dame auch: „Ist das nicht schön, dass sich Kinder schon für klassische Musik interessieren und so spielen können?“ — Als sie hörte, wie alt die Pianistin war, das sie extra für die Teilnahme an Kursen in Geilenkirchen und am 6. Euregio-Piano-Award aus Japan angereist war, war sie beeindruckt. Und Unrecht hatte sie nicht: Seit ihrem vierten Lebensjahr spielt Anna Ojiro Klavier — ihre Mutter hat sie zum Instrument gebracht. Denn sie beherrscht es ebenfalls.

Starker Beifall

Ihr Bruder, der sie auf ihrer dritten Reise nach Europa begleitete, drückte aber lieber die Tasten des Handys und filmte seine Schwester beim Konzert im Rahmen des 7. Klaviersommer Geilenkirchen, initiiert von dem in Monschau lebenden Pianisten-Ehepaar Florian Koltun und seiner Partnerin Xin Wang. Mit der Auslobung des Piano-Wettbewerbs für junge Künstlerinnen und Künstler bieten sie diesen eine Plattform, ihr Können auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu präsentieren und ihr Spiel zu vervollkommnen. Anna Ojiro nutzte Möglichkeiten wie diese gerne: Polen und Italien waren in den Jahren zuvor bereits Stationen, bei denen die Japanerin ihr wirklich virtuoses Spiel weiter entwickelte.

Bei Anna Ojiros Konzert im Foyer des Krankenhauses standen neben Frederic Chopins Etüde außerdem die einsätzige 5. Klaviersonate Opus 53 des russischen Komponisten und Pianisten Alexander Skrjabin auf dem Programm sowie die 3. Etüde von Franz Liszt „La Campanella“. Gerade Letztere sorgte bei den klassikbegeisterten Zuhörern für Gänsehaut vor Begeisterung. Entsprechend begeistert applaudierten die rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer am Ende des Konzerts. „Auch Musik gehört ins Krankenhaus, sie belebt und verbreitet Freude, was ganz sicher auch zur Genesung beiträgt“, würdigte Professor Dr. Georg Mühlenbruch, Ärztlicher Direktor des Rhein-Maas Klinikums, den Erfolg.

Bereits seit knapp einem Jahr steht der Konzertflügel an dieser Stelle — und wird auch genutzt. „Ich erinnere mich, einmal erlebt zu haben, dass ein Patient ausgesprochen gefühlvoll ein Stück spielte. Seine Gehhilfen an die Scheibe gelehnt, den Infusionsständer neben sich“, erzählte Professor Dr. Mühlenbruch im Gespräch mit Würselens stellvertretendem Bürgermeister Winfried Hahn und seiner Frau, Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Wetzstein und Städteregionstagsmitglied Lars Lübben sowie Hans-Günther Leuchter von der Kulturstiftung Würselen im Anschluss an das Konzert.

(red)