Städteregion: Viereinhalb Episoden zum Nachdenken bei „Mensch Mensch“

Städteregion : Viereinhalb Episoden zum Nachdenken bei „Mensch Mensch“

Es sind manchmal die ganz alltäglichen Situationen, die überraschend durch kleine, unerwartete Wendungen plötzlich höchst interessant werden. Viereinhalb Episoden mit ebensolchen Situationen bringt die Theater-AG vom Gymnasium Würselen bei den Schultheatertagen der Städteregion Aachen auf die Bühne.

Im Theater 99 erlebte das Publikum die ebenso amüsante wie zum Nachdenken anregende Aufführung von „Mensch Mensch“. Es ist laut dem von den Schülern verfassten Begleittext „eine ernste komische Satire mit viereinhalb Episoden über Menschen, die naiv, fruchtbar, egoistisch, hilfsbereit, depressiv, lebenfsroh, fremdenfeindlich, aber keine Nazis sind.“

Von den Schülern entwickelt

Und was ist die „viereinhalbte Episode“, fragt sich der Zuschauer? Der Opener, den die Schüler gemeinsam zeigen, bevor es losgeht. Alle Spielszenen wurden von den Schülern selbst entwickelt. Die Inhalte sind nah dran an dem, was die jungen Leute in ihrem Lebensalltag beschäftigt. In der ersten Episode geht es um eine Künstlerin, die keine Inspiration mehr hat. Der Lebensmut hat sie verlassen. Ihre Galeristin versucht sie aufzubauen, doch dann bekommt sie einen Kundenanruf: Bilder von nicht mehr lebenden Künstlern seien mehr wert.

Als die Malerin dann plötzlich eine zündende Idee hat, malt sie wie besessen, gerät wieder auf die Siegerschiene. Die Galeristin ist mit den Nerven am Ende, will sich die Pistole an den Kopf setzen — doch zum Glück bleibt es bei einem Fehlschuss.

Da ist ein junges Paar, das in einer anderen Episode von seinem Kinderwunsch spricht. Und da sind gleich zwei Szenen, die an aktuelle Asylfragen anknüpfen. In einer Kneipe geht es zunächst um Fragen der kritischen Berichterstattung zum Thema Asyl. Daran knüpft eine Szene an, in der vier junge Männer arabischer Abstammung in die Kneipe kommen, wo sich die diskutierfreudigen Gutmenschen zum Stammtisch treffen. Plötzlich lässt einer der Vier seinen Rucksack stehen, als er einen Anruf erhält. Das Entsetzen ist groß.

Doch dann kommt er zurück, freudestrahlend, dass er Vater geworden ist — und holt sein in der Aufregung vergessenes Laptop ab. AG-Leiter Shervin Azarvan hat das Stück mit künstlerischer Unterstützung von Fachfrau Jutta Kröhnert realisiert. „Eine beiläufige Bemerkung, ein Missverständnis oder eine aufgeschnappte Information können Chaos heraufbeschwören. Kritisch, aber mit dezentem Humor analysierte das Ensemble Menschen in solchen Situationen“, erklärt Kröhnert.

Am Ende wird alles gut

Der Humor sei mal makaber, albern, trocken, oder vielleicht gar niveaulos, aber er sei nie ohne Intention. „Am Ende wird alles gut und man verlässt das Theater gut unterhalten — schmunzelnd und auch nachdenklich“, betont Kröhnert.

Eine weitere Aufführung gibt es im Gymnasium Würselen am heutigen Samstag, 16. Juni, um 19 Uhr. Tickets an der Abendkasse zu fünf beziehungsweise drei Euro ermäßigt.

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