Baesweiler: Verschärfte Waffengesetze: Schützen plagen Zukunftssorgen

Baesweiler: Verschärfte Waffengesetze: Schützen plagen Zukunftssorgen

Was wird eigentlich aus einem Schützenverein, wenn die Schützen nicht mehr schießen dürfen? So merkwürdig die Frage klingen mag: Gerade für kleine und mittelgroße Vereine gewinnt sie immer mehr an Bedeutung.

So wie für die Sankt-Hubertus-Schützenbruderschaft aus Beggendorf, die auf eine mehr als 50-jährige Tradition zurückblicken kann und mit 40 Alt-, sieben Jung- und neun Schülerschützen eigentlich gut aufgestellt ist. Sorgen machen sich die Beggendorfer aber dennoch: Die Waffengesetze und strengen Auflagen, die in den vergangenen Jahren nicht zuletzt aufgrund der schrecklichen Amokläufe weiter verschärft wurden, stellen die Schützen vor ernsthafte Probleme. Betroffen ist dabei vor allem die Jugendarbeit.

„Ab sechs Jahren kann man in die Schützen eintreten”, erklärt Jungschützenmeister Arno Derichs, „doch nach der aktuellen Gesetzeslage darf bis zum Alter von zehn nur mit Lasergewehren geschossen werden. Zwischen zehn und zwölf darf mit Ausnahmegenehmigung mit einem Luftgewehr geschossen werden, erst ab zwölf ist dann das Luftgewehrschießen unter Aufsicht eines Jugendschießleiters auch ohne Ausnahmegenehmigung erlaubt.”

Lasergewehre besitzen die Hubertusschützen allerdings nicht, so dass vielen Schülerschützen das Schießen verwehrt bleibt. „Das Schießen macht für uns als traditionellen Schützenverein zwar nur einen kleinen Teil unseres Vereinslebens aus”, meint Pressewart Thomas Sieprath, „aber im Endeffekt bleibt es natürlich das, was den Verein ausmacht.”

Wer Schütze sei, wolle zumindest ab und zu schießen können. Hinzu kommt: „Das Angebot an Vereinen ist heute groß, Ausflüge, Kinobesuche und gemeinsame Abende können die Jugendlichen auch woanders haben. Und wenn sie erst einmal zwölf Jahre alt sind, wird es schwierig, sie noch für den Verein zu begeistern”, präzisiert Sieprath.

Dass es wichtig ist, auf die Amokläufe zu reagieren und Kinder und Jugendlichen für die Gefahren einer Waffe zu sensibilisieren steht für Sieprath, Derichs und den Geschäftsführer Franz Sauren dabei außer Frage. Mit der Kritik an Schützenvereinen sind sie in diesem Zusammenhang aber nicht einverstanden: „Wir züchten keine Amokläufer, sondern bringen einen sensiblen Umgang mit dem Thema bei. Der Tenor vom bösen Schützen ist falsch.”

Gerade im Vergleich zu den viel zitierten „Killerspielen” sehen die Schützen dabei einen Unterschied: „Wenn man am Schießstand abdrückt, geht etwas kaputt, da erfährt man selbst, welche Gewalt dahinter steckt. Wenn ich am Computer schieße, passiert ja nichts - da stehen die Gegner vielleicht am Ende sogar wieder auf.”

Um überhaupt eine Jugendabteilung aufrecht erhalten zu können, müssen die Verantwortlichen viel Zeit und Geld investieren: Denn wenn die Zwölfjährigen das Luftgewehr zum ersten Mal in die Hand nehmen dürfen, muss ein Jugendschießleiter dabei sein, der mehrere Schulungen nachweisen muss. Solch strenge Auflagen gilt es aber auch in anderen Bereichen einzuhalten: „Wir wollen in der Bürgerhalle einen Schießstand aufbauen”, erklärt Sauren, „und um genau über die Sicherheitsvorschriften informiert zu sein, stehe ich beinahe täglich mit der Polizei in Kontakt.”

Auch der traditionelle Vogelschuss ist vor Änderungen nicht gefeit. „Zum ersten Mal in unserer Geschichte werden die Beggendorfer den Vogelschuss nicht hören können”, sagt Sauren. Der Grund: Während bisher nur beim monatlichen Schießtraining mit dem Luftgewehr, beim Vogelschuss aber mit Kleinkaliber geschossen wurde, muss nun auch beim Vogelschuss das Luftgewehr herhalten.

„Unser Kleinkaliberschießstand hat aufgrund neuer Vorschriften die Abnahme nicht bestanden, weil wir den Vogel noch von Hand hochkurbeln - gefordert ist aber jetzt eine elektrische Lösung”, erläutert Sieprath. „Der Umbau würde rund 7000 Euro kosten, das ist für uns nicht mehr interessant.”

Auch wenn der Vogelschuss für dieses Jahr damit in seiner alten Form gestorben ist: Die Hoffnung, dass in Zukunft mehr Rücksicht auf die Belange der Schützenvereine genommen wird, haben die Verantwortlichen noch nicht aufgegeben. Denn wenn der Nachwuchs ausbleibt, gehen schließlich nicht nur die Vereine, sondern auch liebgewonnene Traditionen wie die Kirmes unter.

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