Herzogenrath/Würselen: Verkehr im Wurmtal: Sorgenvoller Blick Richtung Kohlscheid

Herzogenrath/Würselen : Verkehr im Wurmtal: Sorgenvoller Blick Richtung Kohlscheid

Die Berichte unserer Zeitung über Planungsstand und Diskussion in Sachen Kohlscheider Markttangente und deren Folgen für den Verkehrsfluss ringsum haben auch in der Nachbarstadt Würselen Wirkung erzielt: Denn wer kann schon sagen, wie sich Schleichverkehre durchs Wurmtal entwickeln werden, wenn in Kohlscheids Innenstadt eine ganz neue Straße gebaut wird?

Während sich Herzogenraths Politik bezüglich einer Sperrung der deutlich in die Jahre gekommenen Wurmbrücke nahe der Alten Mühle noch verhalten zeigt, den Durchstich nach Bardenberg am liebsten offenhalten würde, stellt sich die Situation auf der anderen Seite etwas anders dar: Denn hier rollt der Verkehr durch dicht besiedeltes Wohngebiet — Kirchenstraße, An Steinhaus sowie über die steile Atherstraße und den Mühlenweg. „Das ist jetzt schon gefährlich“, meldet sich Heinz Viehoff zu Wort, Stadtverordneter für die SPD im Würselener Stadtrat. „Viele junge Familien wohnen hier, und die Straßen sind für häufigen Begegnungsverkehr gar nicht ausgelegt!“

Vor dem ehemaligen Kaiser‘s: Einzelhandel bis 2000 Quadratmeter Größe würden am Langenberg ausreichen, findet Dr. Bernd Fasel (Grüne).

So hat er jetzt in einem Schreiben an Bürgermeister Arno Nelles sowie dessen Beigeordnete Till von Hoegen und Roger Nießen klare Forderungen formuliert: „Politik und Verwaltung der Stadt Würselen sind aufgerufen, den Verkehrsströmen von Würselen-Bardenberg Richtung Herzogenrath-Kohlscheid Beachtung zu schenken“, schreibt er einleitend und warnt vor einem verstärkten Verkehrsaufkommen auf oben angeführter Strecke.

Für Viehoff ein klarer Fall: „Sollte sich dies bewahrheiten, stelle ich als Stadtverordneter den Antrag, die Brücke über die Wurm zwischen Würselen, Mühlenweg, und Herzogenrath, Am Langenberg, ab sofort für den Autoverkehr zu sperren und nur noch für Fußgänger und Radfahrer freizugeben“, kündigt er den Adressaten seines Briefs schon einmal an.

Viehoff verweist auf die Sanierungsbedürftigkeit besagter Brücke und stützt sich dabei auf Aussagen des Technischen Beigeordneten Till von Hoegen. Würselen werde keine Gelder zur Sanierung des über fünf Meter hohen Bauwerks beitragen können, stellt Viehoff klar. Auch deshalb votiere er für die Lösung, die Brücke für den Kraftfahrverkehr zu sperren und nur noch Fußgänger und Radfahrer passieren zu lassen. Dies komme neben den Anwohnern letztlich auch der Natur im Wurmtal zu Gute.

Zur Bekräftigung verweist Viehoff auf Ergebnisse einer Verkehrszählung, die die Bardenberger SPD bereits Anfang Juli 2014 in beide Fahrtrichtungen durchs Wurmtal initiiert hatte. Das Ergebnis war beeindruckend: Innerhalb von einer Woche wurden in Fahrtrichtung Kohlscheid 6016 Fahrzeuge gezählt und dabei 1474 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. In Gegenrichtung waren es 5262 Fahrzeuge und 1183 Verstöße. „Das spricht doch für sich“, befürchtet Viehoff eine noch stärkere Frequenz in Zukunft.

Dass Würselen sich nicht an den Sanierungskosten für die Wurmbrücke beteiligen wolle, hatte Reimund Billmann auf Herzogenrather Seite in der jüngsten Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses noch in Wallung gebracht. Beide Kommunen seien in Sachen Finanzierung gefragt, beharrte er und sprach sich erneut für den Erhalt aus, als „eine Verbindung mehr“ nach Bardenberg. Rodas Grüne sehen das indes differenzierter: „Eine Abbindung nur für Kraftfahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger können drüber — das wäre mit uns machbar“, sagt Fraktionssprecher Dr. Bernd Fasel spontan schon einmal zu.

Fasel bewegen aber noch ganz andere Dinge mit Blick auf Kohlscheids Zukunft: Nämlich die immer noch nicht gelöste Frage, wo denn nun der Nahversorger positioniert werden soll. Bekanntlich ging die ursprüngliche Planung einmal von einem Supermarkt mitten im Zentrum, nämlich auf dem Bankenparkplatz aus. Doch hier hat es bislang keinen sichtbaren Fortschritt gegeben.

Zwischenzeitlich hat die Politik einem weiteren Vorstoß zur Ansiedlung eines Einzelhandelszentrums am Langenberg stattgegeben, von rund 3200 Quadratmetern Verkaufsfläche ist die Rede. Das ist zwar noch lange nicht so groß wie der Kaufland in Herzogenrath-Mitte, für Bernd Fasel aber dennoch eine zu hohe Hausnummer: „Einen Einkaufspalast brauchen wir hier nicht“, sagt er bewusst provokant. Vielmehr sei an dieser Stelle höchstens ein Supermarkt mit den Dimensionen des Edeka an der Kaiserstraße (rund 2000 Quadratmeter) angesagt. Die Nahversorgung durch einen Vollsortimenter im Bereich Markt müsse gegeben sein, das stehe außer Frage.

„Unsere Nummer 1“, so sagt Fasel auch, „ist aber nach wie vor der Standort am Markt: Wenn der kommt, dann reden wir und wohl auch kein anderer mehr vom Langenberg.“ Und woran scheitert dieser allgemein favorisierte Wunsch? „Es hängt wohl an zwei Dingen“, sagt Fasel: „Es ist scheint zum einen so, dass Investoren sich für den Markt nur interessieren, wenn Langenberg nicht in Rede steht.“ Und zum anderen wünsche man sich dort im Sinne besserer Frequentierung die Öffnung der Weststraße für den Zwei-Richtungs-Verkehr. „Wir haben hier offenbar ein Henne-Ei-Problem“, sagt Fasel. „Aus unserer Sicht sollte man aber den Trumpf Langenberg nicht aus der Hand geben, ohne dass sicher ist, dass ein Investor an den Markt kommt.“

Will auch heißen: Mit Blick auf den Standort Markt sollte von Investorenseite erst einmal geliefert werden, im Sinne eines unterschriftsreifen Projekts, „dann werden wir auch eine Lösung in Sachen Verkehr finden“, so Fasels Appell. Die Situation an der Weststraße sei zugegebenermaßen „diffizil, aber machbar“.

Abschließend wirft Fasel einen Blick auf den Kaufland in Mitte: „Da haben wir Verkehrsprobleme, die sollten wir uns am Langenberg nicht auch noch antun.“

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