Herzogenrath: Verkaufsoffene Sonntage: Roda strebt stadtweiten Termin 2015 an

Herzogenrath: Verkaufsoffene Sonntage: Roda strebt stadtweiten Termin 2015 an

Nur Anne Fink (Grüne) scherte aus und votierte dagegen, zum wiederholten Mal: „Es gibt keine Studie, die besagt, dass Geschäfte wegen verkaufsoffener Sonntage mehr Umsätze machen“, brach sie eine Lanze für die Angestellten im Verkauf.

Und sie wollte vor allem Lobby sein für die alleinerziehenden Mütter unter ihnen, die bei der Kinderbetreuung an Tagen, an denen Kitas und Schulen geschlossen sind, nicht auf Verwandte zurückgreifen können. Sie erntete reichlich Gegenwind: Als „schwach“ beurteilte FDP-Fraktionschef Björn Bock Finks Argumentation — vor dem Hintergrund, dass in zahlreichen anderen Berufszweigen auch sonntags gearbeitet werde, man denke nur an Busfahrer: „Hier besonderen Schutz zu fordern ist also zu kurz gegriffen.“

Und Herbert Aretz (CDU) brachte sich in unverblümter Direktheit selbst als bestes Beispiel für viele Vielbeschäftigte ein: „In der Regel bekomme ich an solch einem Tag ein neues Hemd und neue Schuhe. Verkaufsoffene Sonntage sind die wenigen Gelegenheiten, an denen Mann und Frau zusammen in Geschäfte gehen können.“ So passierten die Wünsche der Gewerbetreibenden nach erweiterten Öffnungszeiten aus Anlass von Volks- und Stadtteilfesten nur fast einstimmig den Herzogenrather Stadtrat.

Dennoch steht Anne Fink mit ihren Bedenken nicht allein auf weiter Flur, wie sogar die Karnevalsjecken in Baesweiler und in Alsdorf vernehmen konnten: Denn da brachten Akteurinnen der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) mit ihrer Forderung nach einem freien Sonntag politische Würze ins närrische Treiben (siehe Nachgefragt). Auch der DGB sieht das Sonntagsgeschäft schon seit längerem skeptisch — im Schulterschluss mit den Kirchen. Und aktuell hat Ralf Woelk, Geschäftsführer der DGB-Region NRW Süd-West, darauf verwiesen, dass verkaufsoffene Sonntage lediglich als Ausnahme freigegeben werden dürften, die in jedem Einzelfall begründet werden müssten, wie die Stadtverwaltung darlegt. Ein bloßes „Shopping-Interesse“ von Kunden oder ein wirtschaftliches Interesse von Händlern rechtfertige laut Bundesverfassungsgericht keine verkaufsoffenen Sonntage.

Aus den evangelischen und katholischen Gemeinden Merksteins waren keine weiteren Bedenken gegen die beantragten Sonntage erfolgt. Joachim Wehrenbrecht, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden Herzogenrath und Kohlscheid, habe darauf hingewiesen, dass der für das Frühlingsfest beantragte 30. März in der Passions- und Fastenzeit liege. Sonntage in dieser Zeit allerdings stünden nicht im Verbotskatalog stiller Feiertage gemäß NRW-Feiertagsgesetz (Ostersonntag, Pfingstsonntag, zwei Adventssonntage, 1. und 2. Weihnachtstag sowie 1. Mai, 3. Oktober und 24. Dezember, falls sie auf einen Sonntag fallen), sagt die Verwaltung.

Pastor Dr. Guido Rodheudt habe darauf verwiesen: Wenn die Sonntage als Tage des Abstands vom Alltäglichen durch die Ladenöffnungen auch noch Alltage würden, gebe dies aus Sicht der Pfarre einer Einebnung der Feiertagskultur Vorschub, die am Ende niemandem wirklich nützt — außer natürlich der Wirtschaft.

Neu ist in diesem Jahr, dass für Merkstein keine eigenen verkaufsoffenen Sonntage beantragt worden sind, da sich der dortige Gewerbeverein bekanntlich in Auflösung befindet. Auf Wunsch des Baumarktes OBI hat der Gewerbeverein Herzogenrath deswegen für 2014 einer Ausweitung der Öffnungszeiten in Mitte auf den Nordsternpark zugestimmt. Grundsätzlich aber soll an stadtteilspezifischen Terminen festgehalten werden. Für 2015, so bestätigen Jörg Meyers vom Gewerbeverband Herzogenrath und Siggi Müllenmeister vom Werbering Kohlscheid, ist ein stadtweiter verkaufsoffener Sonntag angedacht.