Nordkreis: Unfallstatistik: Häufigkeit der Fahrradunfälle in Herzogenrath gestiegen

Nordkreis : Unfallstatistik: Häufigkeit der Fahrradunfälle in Herzogenrath gestiegen

Ausgerechnet Herzogenrath, 2007 vom Land als „Fahrradfreundliche Stadt“ zertifiziert und seither — als einzige Stadt im Nordkreis — Mitglied der Arbeits­gemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS) hat — ebenfalls als einzige Stadt im Nordkreis — für 2017 einen Zuwachs an verunglückten Radfahrern zu verzeichnen.

Die Polizei relativiert in ihrer Jahresbilanz aber auch sofort wieder: „Weder örtliche noch zeitliche oder ursächliche Schwerpunkte konnten festgestellt werden.“ Nun erscheint ein Zuwachs von 85 Prozent auf den ersten Blick durchaus bedeutend, doch in Fallzahlen ausgedrückt, handelt es sich um einen Anstieg von zwölf auf insgesamt 26 Unfälle.

Und das sind „im Vergleich noch niedrige Zahlen“, wie Svende Friedrichs, Leiterin der Direktion Verkehr im Aachener Polizeipräsidium, verdeutlicht. Vielmehr könne der Anstieg auf die Tatsache zurückzuführen sein, dass die Menschen aufgrund des erst spät einsetzenden Winters viel länger und häufiger aufs Rad gestiegen seien. Denn vermehrt Unfälle habe es erst gegen Ende des Jahres gegeben — bei früher einsetzender Dunkelheit, nassen Fahrbahnen und vielleicht auch für die kalte Jahreszeit unpassender Ausrüstung.

Besser als Landestrend

Ansonsten gab es auch für den Nordkreis fast nur positive Zahlen zu verkünden, wie Polizeipräsident Dirk Weinspach am Freitag als generellen Trend in seiner Behörde darlegte: Um 2,18 Prozent sind die Unfallzahlen in der Städteregion zurückgegangen, mehr noch als im Landestrend.

Um ganze 25 Prozent gar seien die auf zu hoher Geschwindigkeit basierenden Unfälle zurückgegangen, richtet die Polizei ihr Augenmerk jetzt aber verstärkt auch auf elektronische Medien, sprich Telefonieren und „Daddeln“ am Steuer. Wenn auch nur ein einziger Fall der verbotenen Handynutzung im vergangenen Jahr nachweisbar gewesen sei, so geht die Polizei von einer „erheblich höheren“ Dunkelziffer aus.

Kradfahrer stirbt in Alsdorf

Von 14 auf 17 stieg die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten in 2017 in Alsdorf, wo auch ein Todesfall zu verzeichnen war: Ein 38-jähriger Kradfahrer kam am späteren Samstag, 18. Juni, in der langgezogenen Kurve auf Höhe des Tierparks nach rechts von der Fahrbahn ab, verlor auf dem Grünstreifen die Kontrolle über sein Fahrzeug und erlitt tödliche Verletzungen, als er gegen einen Baum prallte.

Als „durchwachsen“ kennzeichnet die Polizei die Bilanz für Baesweiler: Denn bei Unfällen mit Kindern, jungen Erwachsenen und Fußgängern seien deutliche Steigerungen zu verzeichnen: So gab es 2017 fünf Schulwegunfälle und neun verunglückte Kinder.

Kinderunfälle bereiten der Polizei auch in Herzogenrath Sorge: Die Zahl stieg im vergangenen Jahr von 8 auf 13, verteilt über das gesamte Stadtgebiet. Schulwegunfälle hat es vier gegeben.

Auch in Würselen ist die Zahl der „aktiv verunglückten“ Kinder gewachsen — von acht auf zehn. Drei Unfälle gab es auf dem Schulweg. In den anderen Bereichen sind die Unfallzahlen stark rückläufig.

Kinder hat die Polizei eigenen Angaben nach verstärkt in den Fokus genommen, vor allem mit Blick auf die gestiegenen Zahlen im Nordkreis, die den rückläufigen Zahlen in Aachen und im Südkreis entgegenstehen: „Entscheidend“, so stellt die Polizei dabei fest, „ist aber gerade auf diesem Feld auch die Beteiligung der Eltern.“

Kindern, die heutzutage meist mit dem Auto zur Schule gebracht werden, fehlten adäquate Vorbilder, gibt Svende Friedrichs zu bedenken. Will heißen: Die praktische Übung, „am besten täglich“, fehle einfach. Und sich auch einmal auf Augenhöhe des Kindes zu begeben, um aus veränderter Perspektive zu ergründen: Was sind eigentlich die Gefahren für die „Kurzen“ im Straßenverkehr?

Gefahren bewusst machen

Verstärkte Verkehrstrainingsmaßnahmen mit Kindern (und Eltern) sowie Infoabende (nur für Eltern) hat die Polizei im Blick, damit die schwächsten Verkehrsteilnehmer sicherer unterwegs sind. In 2017 wieder vorgenommen wurde in Zusammenarbeit mit einer Fahrschule die Aktion „Toter Winkel“ sowie an weiterführenden Schulen der „Crash-Kurs NRW“ für junge Fahranfänger.

In Alsdorf gab es zusammen mit dem ADAC eine „Verkehrswelt“ für Schüler von 14 bis 17 Jahre, um Gefahren bewusster zu machen. Die Aktion „Generationsbrücke“ in Alsdorf beinhaltete beim monatlichen Besuch von Kindergartenkindern in einem Seniorenheim auch das Thema Verkehr. Vier Radtouren für Senioren (u.a. Thema Pedelec) hatte es im Rahmen des „Aktivurlaubs“ mit Verkehrssicherheitsberatern in Baesweiler gegeben.