Herzogenrath: Trotz Bedenken der Anwohner: Bauarbeiten an der Finkenstraße beginnen

Herzogenrath : Trotz Bedenken der Anwohner: Bauarbeiten an der Finkenstraße beginnen

Anwohner der Finkenstraße sind enttäuscht. Ihre Belange werden von der Stadt Herzogenrath offenbar nicht zufriedenstellend berücksichtigt. Zum Hintergrund: Die Stadt Herzogenrath will die Finkenstraße in Kohlscheid bis zur Landesstraße L 259 mit etwa 45 Wohneinheiten verlängern. Die Bebauungspläne sorgten jedoch schnell für Widerstand bei den Anwohnern.

Bereits zum ersten vorgelegten Bebauunsvorschlag im Rahmen einer vorgezogenen Bürgerbefragung haben die Anwohner einen Alternativvorschlag vorgelegt, der die Erweiterung inklusive der bestehenden Bebauung in zwei Hälften geteilt hätte, die jeweils für sich erschlossen wären, so dass eine Zwei-Sackgassen-Lösung entstanden wäre.

Können nicht verstehen, dass ihre Belange nicht berücksichtigt worden: Anwohner der Finkenstraße.

Die Anwohner waren und sind der Auffassung, dass dieses Konzept sowohl für die neuen als auch für die alten Bewohner der Finkenstraße eine deutliche Reduzierung der Verkehrsbelastung und eine spürbare Verbesserung der Aufenthalts- und Spielstraßenqualität dargestellt hätte.

Weil die Stadt Herzogenrath auf die Belange der Anwohner nicht zufriedenstellend reagiert hat, haben sich die Anwohner zu einer Arbeitsgruppe formiert und an den Petitionsausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen gewandt — das war im vergangenen Jahr.

Platzbedarf nicht gegeben

Erst jetzt liegt dem Umwelt- und Planungsausschuss der Antrag vor. Der Petitionsausschuss regt darin an, die Amstelbachstraße herunterzustufen. Das hätte zur Folge, dass eine Anbindung ans Neubaugebiet auch ohne Linksabbiegerspur hätte realisiert werden können (die Amstelbachstraße ist eine Landesstraße. Diese müssen außerhalb der Ortsdurchfahrt laut Verordnung eine Linksabbiegerspur haben).

Der Vorschlag wurde von Seiten der Stadt allerdings mit der Begründung abgelehnt, dass eine Erschließung der Landstraße L 259 nicht so einfach möglich sei. Die Stadt könnte die Straße nicht einfach in ihren Besitz nehmen, heißt es auf Anfrage. Das sei mit hohen Kosten verbunden, die im Haushalt so nicht vorgesehen sind.

Aus Sicht der Stadt ist dafür der Platz auch nicht gegeben. Entsprechende Grundstücke müsste man zukaufen, wofür der Stadt keine finanziellen Mittel zur Verfügung stünden.

Entgegen der Meinung der Anwohner, man habe ihre Interessen nicht berücksichtigt, sagt der Technische Beigeordnete der Stadt Herzogenrath, Ragnar Migenda, dass man es sich mit dem Bebauungsplan nicht einfach gemacht habe. Das Gesamtverfahren habe insgesamt sehr lange gedauert. Man habe immer wieder unterschiedliche Vorschläge geprüft und die Kriterien abgewogen.

„Ich kann nachvollziehen, dass die Anwohner in Sorge sind, dass sich durch die Bebauung etwas in ihrer Straße verändert. Wir haben die Interessen der Petenten sehr ernst genommen. Aber als Stadt muss man sich alle Interessen anschauen und diese dann voneinander abwägen“, erklärt Migenda den Entschluss der Verwaltung und betont, man habe sorgfältig alle Belange geprüft.

Die Verwaltung hat im jüngsten Umwelt- und Planungsausschuss außerdem kundgetan, dass sie in der Änderung des Bebauunsplans keine Notwendigkeit sieht. Der Vorschlag des Petitionsausschusses verkennt laut Verwaltung zudem völlig, dass mit der vorgeschlagenen Abstufung der L 259 (Amstelbachstraße) die Problematik der sicheren Führung der Fußgänger aus dem Neubaugebiet nicht gelöst wäre. Die Fraktionen nickten das mehrheitlich ab.

Katharina Herzner, Fraktionsmitglied der Grünen, äußerte allerdings Kritik am Verhalten der Verwaltung. Das sei nicht bürgernah. Wenn sich eine Gruppe von Anwohnern schon solche Mühe mache, müsste man deren Vorschläge auch berücksichtigen. Migenda betonte, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe.

Gemäß Plan der Stadt, der so nun auch ausgeführt wird, gibt es nur eine Zufahrt, nämlich über die Finkenstraße. Heißt konkret: Alle jetzigen Anwohner (etwa 12 Wohneinheiten) und die 45 weiteren würden die Straße täglich mehrere Male passieren. Wie die Anwohner selbst sagen, gibt es weder einen Supermarkt noch eine Bäckerei in der Nähe. Schulen und Kindergärten sind auch nicht fußläufig zu erreichen. Die Frequentierung wäre dementsprechend hoch. Aber selbst durch die vorgeschlagenen Zwei-Sackgassen-Lösung wäre das Problem nicht aus der Welt: „Selbst wenn wir diese Lösung ins Auge gefasst hätten, wäre der Verkehr geblieben“, sagt Migenda.

Die Erweiterung der Finkenstraße war 2012 im Umwelt- und Planungsausschuss der Stadt Herzogenrath mit 18 gegen 1 Stimme abgelehnt worden und zwar aufgrund möglicher verkehrlicher Probleme durch das zu erwartende Verkehrsaufkommen im Nahbereich Bank. Zu diesem Zeitpunkt existierte die neue Bebauung entlang der Bankerfeldstraße allerdings noch nicht. Heißt konkret: Die verkehrlichen Probleme sind zum jetzigen Zeitpunkt noch größer als 2012, das zumindest glauben die Anwohner.

Dieser Punkt, so die Petenten, war ein wesentlicher Aspekt bei der Erstellung des Alternativkonzeptes, das eine Zwei-Sackgassen-Lösung mit Abfluss der Verkehre auf die Bankerfeldstraße und die Amstelbachstraße zugelassen hätte.

Wie die Anwohner sagen, ging es ihnen nie darum, das Bauvorhaben zu verhindern. Im Gegenteil. Es sei von Seiten der Anwohner immer wieder Verständnis für die ebenso legitimen Interessen der Bauherren, Investoren und der Stadt zum Ausdruck gebracht worden. „Letztlich haben wir aber festgestellt, dass trotz aller Bemühungen und Alternativvorschläge keine wesentlichen Änderungsabsichten der beteiligten Entscheider zu den ursprünglichen Bebauungsplänen zu erkennen sind“, sagt ein Anwohner und ergänzt: „So geht man in einem demokratischen Staat nicht mit den Bürgern um.“

Schließlich habe man sich frühzeitig um Alternativen bemüht und Vorschläge gemacht. Man wollte wirklich was bewegen, heißt es von Seiten der Anwohner. Die Stadt sieht sich allerdings im Recht. „Wir haben einen gewissen Ermessensspielraum. Aber nach sorgfältiger Prüfung erachten wir den Bebauungsplan, so wie er ist, als die beste Option“, sagt Migenda.

Wäre der Petitionsantrag vielleicht etwas früher eingegangen, hätte man gewisse Punkte noch mal hinterfragen und überprüfen können. Aber ob man dann anders entschieden hätte, sei fraglich.

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