Würselen: Themenwochenende „Geschichte verstehen“: Schikane gehörte zur Tagesordnung

Würselen : Themenwochenende „Geschichte verstehen“: Schikane gehörte zur Tagesordnung

Einen Ausflug zu den Wurzeln der demokratischen Bewegungen unserer Nation hatten die Verantwortlichen der Reihe „Geschichte verstehen — Zukunft gestalten“ zum nunmehr vierten Themenwochenende vorbereitet.

Das Kooperationsprojekt vom Geschichtsverein Baesweiler und der VHS Nordkreis Aachen widmete sich somit zum ersten Mal einer Betrachtung, die unter dem Titel „Die Rothen Gesellen im Schwarzen Westen“ den steinigen Weg vor allem der Sozialdemokratie von der Märzrevolution bis in die Gegenwart nachzeichnete. Mit Achim Großmann, parlamentarischer Staatssekretär a.D., präsentierten Günter Pesler (Geschichtsverein) und Jana Blaney (VHS) einen hochkarätigen Experten. Mit seinem gleichnamigen Buch hat Großmann die frühe Geschichte der demokratischen und sozialdemokratischen Bewegung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufgearbeitet.

Als Quellen nutzte Großmann umfangreiche Archive lokaler Printmedien, Tagebücher und Briefe, die vom schweren Stand der Demokraten durch die Restriktionen des preußischen Beamtentums und später des Kaiserreichs zeugten.

Schikane und Unterdrückung gehörte für die frühen Genossen zur Tagesordnung. „Es muss nachempfunden werden, welche Leidenschaft für die Sache als solche brennen musste ob der übermenschlichen Gegner“, führte Großmann vor Augen.

Während die preußischen Repressionen im 19. Jahrhundert besonders in der Aachener Region stark verbreitet waren, mussten die demokratischen „Störer“ oftmals aus dem Untergrund heraus agieren. Eine Geheimsprache sowie geheime Erkennungsmerkmale verband die frühen Genossen, die immer in der Angst leben mussten, aufgrund ihrer Überzeugungen Arbeitsplatz, Ansehen und Freiheit zu verlieren.

Großmann schilderte detailliert die Entwicklungen, die sich innerhalb des politischen Spektrums des späten 19. Jahrhunderts einstellten. Eindringlich appellierte er an seine Zuhörer, „die Demokratie als hohes Gut niemals aufzugeben.“ Vieles in der aktuellen politischen Entwicklung erinnere ihn an finstere Tage der deutschen Geschichte.

Günter Pesler knüpfte an diese Gedanken an: „Wir zehren noch heute vom aufopferungsvollen Kampf der Menschen für demokratische Werte. Dies sollten wir nicht vergessen.“

Enttäuscht zeigte er sich ob des verhältnismäßig geringen Zuspruchs auf die Veranstaltung. Etwas über 30 Personen hatten den Weg in die Aula des Weiterbildungskollegs der Städteregion an der Würselener Friedrichstraße gefunden — im Vergleich zu den zurückliegenden Veranstaltungen ein leichter Rückgang. Gerade dieses Themenwochenende zeige laut Pesler am stärksten, wie historische Ereignisse und Lehren für die Gegenwart bereithalten können.