Nordkreis: Thema Katzenkastration: „Tiere stecken den Eingriff gut weg“

Nordkreis : Thema Katzenkastration: „Tiere stecken den Eingriff gut weg“

Zum Thema Katzenkastration hat Beatrix Oprée mit Tierarzt Dr. Heribert Mertens gesprochen, Vorsitzender der Kreisstelle Aachen der Tierärztekammer Nordrhein.

Herr Dr. Mertens, zunächst: Eine Kastration sei ein leichter Eingriff, heißt es unter anderem in der Infobroschüre der Städteregion. Was genau passiert denn da?

Mertens: Bei Kätzinnen wird der Bauch rasiert und in Vollnarkose ein etwa anderthalb Zentimeter großer Schnitt gemacht, um die Eierstöcke zu entnehmen. Die kleine Operationswunde verheilt in wenigen Tagen. Bei Katern werden in Vollnarkose und zusätzlicher örtlicher Betäubung die Hoden entfernt. Den Eingriff stecken die Tiere gut weg. Im übrigen ist die Kastration von Katern immer zu empfehlen: Ein nicht kastrierter Kater markiert ständig sein Revier. Und das stinkt widerlich …

Wie lässt sich denn kontrollieren, ob Katzen kastriert sind?

Mertens: Laut Verordnung in Herzogenrath etwa müssen kastrierte Tiere mit einer unveränderlichen Kennzeichnung versehen sein, einem Chip oder einer Tätowierung. Ein Chip ist fälschungssicher, allerdings braucht man einen Scanner, um ihn auszulesen. Versuchen Sie aber mal, sich mit einem Lesegerät einer verwilderten Katze zu nähern — keine Chance. Eine Tätowierung am Ohr kann man aber auch in solch einer Situation erkennen.

Wie viele Kastrationen im Jahr nehmen Sie in Ihrer Praxis vor?

Mertens: Wir kastrieren etwa 100 Kätzinnen und 100 Kater im Jahr. Früher, als wir auch herrenlose, freilaufende Katzen für die Katzenhilfe und das Tierheim kastrierten, waren es viel mehr. Das Tierheim hat jetzt einen eigenen Tierarzt.

Und was kostet eine Kastration?

Mertens: Gemäß Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) fallen bei Katern rund 70 Euro für Untersuchung, Narkose, Kastration, Medikamente/Verbrauchsmaterial und die Tätowierung an. Ein Chip ist teurer. Bei einer Kätzin sind es insgesamt rund 120 Euro.

Kann man abschätzen, wie viele Katzen im Nordkreis leben?

Mertens: Nein, es gibt ja keine Meldepflicht. Und die Klärung von Eigentumsverhältnissen gestaltet sich oft problematisch, denn viele Katzen pendeln. Deswegen gibt es nicht selten Katzenbesitzer, die im Zweifel angeben, das Tier sei ihnen zugelaufen oder „eigentlich herrenlos“ …

An welchen Krankheiten leiden Straßenkatzen? Welche sind gefährlich für Menschen?

Mertens: Unkastrierte Kater haben oft das durch den Deckakt übertragene Katzen-AIDS. Aber auch Katzenleukose, -schnupfen, -seuche, Zecken und Flöhe sowie Würmer sind bei freilebenden Tieren sehr häufig. Besonders Wurmerkrankungen können für Menschen ein Problem darstellen.

Wie beurteilen Sie das Tierschutz-Vorhaben des Städteregionsrats?

Mertens: Ich begrüße das, denn mir liegt ein Bewusstsein für Tierwohl sehr am Herzen. Eine Kastrationspflicht schafft einen rechtlichen Rahmen, ohne den man keine Handhabe hätte. Ich weiß natürlich nicht, wie es um die personelle Ausstattung der Kommunen zwecks Kontrollen bestellt ist. Im Übrigen finde ich, dass die Lobby für Tierhalter bislang recht schwach ist, etwa auch erkennbar an mangelnden Hundeauslaufflächen. Tierschutz, so finde ich, ist eine öffentliche Aufgabe, es kann nicht sein, dass ein Land wie Deutschland dafür nicht ausreichend Geld bereitstellt.

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