Raus aus der Warteschleife : Theaterstück „Bitte warten!“ feiert großen Erfolg

Kein Mensch wartet gerne. Erst recht nicht auf Situationen, die mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Unannehmlichkeiten mit sich ziehen, als dass sie den erwünschten Nutzen bringen – wie ein Termin beim Amt oder ein Schreiben vom Jobcenter.

Hoch motiviert möchte – im Falle dieses Theaterstücks – frau nach der Elternzeit wieder arbeiten. Oder sie kommt aus einem anderem Land und möchte in Deutschland Fuß fassen sowie in ihrem gelernten Beruf weitermachen. Alles Situationen wie sie Tag für Tag hundertfach vorkommen.

Doch was passiert, wenn sie immer wieder, im schlimmsten Fall nur häppchenweise gesagt bekommen, dass sie noch nicht alle Unterlagen für eine Arbeitserlaubnis beisammen haben? Oder ihre Erziehungsauszeit zu lange war und sie eine Fortbildung brauchen, um wieder realistische Chancen auf einen Job zu haben. Dann heißt es immer wieder warten!

Im Theaterstück „Bitte warten!“, das durch den Verein „Türöffner“ initiiert und mithilfe der Schauspielerin Anush Manukian sowie vieler Kooperationspartner und Unterstützer realisiert wurde, wurden in collagenartigen Szenen eine Reihe solcher Alltagssituationen verschiedener Frauen auf die Bühne gebracht. Diese war in fünf Bereiche unterteilt: Café, Amt, Wartezone, Schule und Wohnung. Durch Szenen in Szenen wurden Gedanken einer Schauspielerin nicht nur erzählt, sondern parallel von anderen Schauspielerinnen nachgespielt.

Manchmal witzig, manchmal nachdenklich und teils sogar traurig berührten die Geschichten und Schicksale das Publikum in der Aula des Würselener Gymnasiums am vergangenen Samstagabend. 300 Zuschauer, darunter viele Ehemänner, Kinder, Familienmitglieder und Freunde der Schauspielerinnen, sahen gespannt zu, wie die Frauen aus 13 verschiedenen Herkunftsländern sehr anschaulich von ihren Erlebnissen berichteten und wie sie eine Lösung fanden, in kleinen Schritten aus der ewigen Warteschleife herauszukommen – gemeinsam und mit ein bisschen Mut.

Pelin Yigit, die zusammen mit Catrin Renzelmann das Theaterprojekt ins Leben gerufen hat, ist sehr stolz auf die Arbeit der Frauen: „Es ist klasse, was sie nach den monatelangen Proben auf die Beine gestellt haben.“ Einen besonderen Dank richtete sie an die Ehemänner, Väter und Kinder, die ihre Mütter so oft entbehren „mussten“. Nach gut zwei Stunden „Bitte warten!“ waren alle Anwesenden überzeugt, dass es die Zeit wert war.

„Wir wurden schon oft gefragt, ob wir das Stück noch öfter aufführen würden. Natürlich wäre das sehr schön, wenn das klappt. Aber es fehlen noch die finanziellen Mittel für Raummiete, Technik und Theaterpädagogen“, erklärte Yigit. Durch das Bündnis für Bildung, das der Verein „Türöffner“ mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Würselen sowie dem Förderkreis Asyl Würselen eingegangen ist, konnte das Projekt unter Förderung von „Kultur macht stark“ und weiteren Unterstützern und Sponsoren ermöglicht werden. info@tueroeffner-aachen.de.

(hei)
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