Städteregionswahl im Nordkreis: Teils deutliche Zugewinne für Grüne und AfD

Städteregionswahl im Nordkreis: Teils deutliche Zugewinne für Grüne und AfD

Auch der Nordkreis hat gewählt. Zwei Kommunen fallen in Sachen Wählervotum bei den Städteregionswahlen besonders auf: Würselen und Alsdorf.

Ausschläge in verschiedene Richtungen haben die Städteregionswahlen in den einzelnen Bezirken der Nordkreiskommunen ergeben, mit teils deutlichen Differenzen zum Gesamtergebnis. Beispiel Alsdorf, einzige Stadt in der Städteregion, in der SPD-Kandidatin Daniela Jansen mit 35,13 Prozent knapp das Rennen machte vor CDU-Kontrahent Tim Grüttemeier (34,47 Prozent): AfD-Kandidat Markus Matzerath firmiert in der Ex-Bergbaustadt als dritte Kraft (13,74 Prozent). Im Gegensatz zu den anderen Nordkreiskommunen, wo die AfD im einstelligen Bereich bleibt und Grünen-Kandidat Oliver Krischer mit teils deutlichem Vorsprung Platz 3 einnimmt.

Besonders hohe Zahlen für die AfD gab es in den beiden Kellersberger Wahlbüros: Im Pfarrgemeindehaus waren es 20,43 Prozent, und in der Kita kam die AfD mit 26,8 Prozent sogar auf Platz 2 im Wählervotum (SPD 43,81 Prozent; CDU 14,43 Prozent). Auffallend erfolgreich war Matzerath auch in Neuweiler (21,59 Prozent). Hohe Werte erzielte er zudem im Bezirk 1002 – Ofden Grundschule (17,8 Prozent) sowie in Busch (17,92 Prozent) und Blumenrath (17,93 Prozent). Nur in zwei Wahlbezirken in Alsdorf blieb die AfD im einstelligen Bereich: Duffesheide (7,23 Prozent) und Warden (7,62 Prozent).

Ist der hohe AfD-Anteil in Alsdorf Ausfluss des Heimvorteils für den 47-jährigen Matzerath, der dort seit 2014 im Stadtrat vertreten ist? Und ist Kellersberg etwa eine AfD-Hochburg?

Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) relativiert auf Anfrage unserer Zeitung und wartet dazu mit absoluten Zahlen auf: So waren es in der Kita in Kellersberg ganze 52 Personen, die ihr Kreuzchen neben dem AfD-Kandidaten machten, und im Pfarrheim 57. Sonders: „Alsdorf hatte schon immer einen recht hohen Stand rechtslastiger Wähler. Bei der geringen Wahlbeteiligung fallen diese Stimmen dann natürlich umso mehr ins Gewicht.“ In Alsdorf (35.900 Wahlberechtigte) wurden 10.399 gültige Stimmen abgegeben, auf die AfD entfielen 1429, auf die Grünen 1287, die CDU 3585 und die SPD 3653. Im übrigen, so Sonders, habe er den Eindruck, dass die komplette Stammwählerschaft der AfD am Sonntag zur Wahl gegangen sei.

Beispiel Würselen: Dort hat CDU-Mann Grüttemeier gegenüber der Städteregionsratswahl 2014, als Helmut Etschenberg antrat, leichte Einbußen in der Wählergunst zu verzeichnen (von 42,68 auf 40,68 Prozent). SPD-Kandidatin Jansen fuhr mit 29,61 Prozent gegenüber „Vorgängerkandidatin“ Christiane Karl (37,73) fast acht Prozent weniger ein.

Kamen die Grünen in 2014 noch auf 8,6 Prozent, waren es diesmal mit 18,06 fast zehn Prozent mehr. Die Linken verloren von 4,79 auf 2,88 Prozent, dagegen fuhr AfD-Kandidat Markus Matzerath aus Alsdorf in Würselen jetzt auf Anhieb 7,15 Prozent ein. In Morsbach erreichte er gar 12,13 Prozent, im Bereich Pfarrhaus St. Willibrord Euchen nur 1,6 Prozent. Hier entfielen auf CDU-Spitzenkandidat Grüttemeier 51,06 Prozent.

Dr. Renate Knauf, Ratsmitglied der Grünen, führt den Erfolg der Grünen in Würselen auf den „allgemeinen Trend zu mehr Umweltbewusstsein in der Bevölkerung zurück“, was auch für noch folgende Wahlen von Bedeutung sein dürfte. Die Menschen hätten es satt, „dass die Natur kaputt gemacht wird“. Das zeige die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst. Jeder würde zunehmend den Klimawandel spüren, sei es durch den trockenen Sommer oder umgekehrt durch Starkregenereignisse.

Dass die Grünen derzeit in den eher städtisch geprägten Bereichen, so auch in entsprechenden Würselener Stadtteilen, bei den Wählern punkten, räumt der Würselener SPD-Fraktiosnvorsitzende Christoph Küppers ein. „Wir sehen, dass die Grünen auf das Lebensgefühl der Stadtbevölkerung offenbar ihr politisches Angebot überzeugender rüberbringen können.“ Die SPD ziele mit ihren Angebot auch auf diese Klientel ab. Weil es der grüne Kandidat Krischer nicht in die Stichwahl geschafft habe, biete sich jetzt der SPD die Chance bis zum entscheidenden Wahlgang in zwei Wochen, ihre politischen Inhalte deutlicher auch den Wählern der Grünen nahe zu bringen.

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