Herzogenrath/Kerkrade: Symbolische Verbeugung vor den Nazi-Opfern

Herzogenrath/Kerkrade: Symbolische Verbeugung vor den Nazi-Opfern

Nur ein leises Klopfen und ein ganz leises Strömen von Wasser war am Dienstag zu vernehmen, als in Roda und in Kerkrade Stolpersteine für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors verlegt wurden. Gunter Demnig, Kölner Künstler, war dazu um neun Uhr in der Hoofdstraat 34 im Kerkrader Zentrum vor Ort.

Ohne Worte packte er die sieben nur zehn Zentimeter Kantenlänge messenden Steinwürfel mit metallener Gedenktafel aus und ließ sie mit dem Gummihammer im Boden des Trottoirs ein. Ein wenig Wasser zum Einschlämmen des Zements rundete die handwerkliche Zeremonie ab. Obwohl rund 40 Menschen dabei waren, spielte nur der stete Strom des Straßenverkehrs die Begleitmusik.

Stolperstein für Widerständler: Josef Hark lebte an der Oststraße. Foto: Markus Bienwald

Die Anwesenden verharrten in andächtiger Stille ob der Geschehnisse, die vor über 70 Jahren eine ganze Familiengeschichte brutal änderten. So wurden Max Weinblum, Chana Refka Weinblum-Laskowski, Israel Weinblum, Esther Helena Weinblum, Frieda Weinblum, Henri Weinblum und Berta Weinblum, die vor ihrer Flucht in die Niederlande in Alsdorf zu Hause waren, im Oktober 1942 brutal verschleppt und ermordet. Demnigs Stolpersteine markieren an dieser Stelle das Ende einer jäh zerrissenen Lebenslinie, und zugleich bringen sie die Namen der Opfer nach Hause.

Peter Thomas, stellvertretender Bürgermeister von Kerkrade, erinnerte nicht nur an die Geschehnisse, die den Nazi-Terror auch in den Niederlanden offenbar werden ließen: „Anhand eines kleinen Steins, hier passt der deutsche Begriff des Stolpersteins am besten, holen wir die Geschichte an diesen Ort zurück.“ Passanten erhielten so einen Eindruck der schrecklichen Geschehnisse, die zwar schon lange zurücklägen, aber nie vergessen werden dürfen, schloss Thomas.

Eine Essenz, die auch schon beim Infoabend zuvor im Eurode Business Center (EBC) mit den Referenten Drs. Diane Habets von der Gemeinde Kerkrade und Hubert Wamper vom Herzogenrather Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ gezogen wurde. Wamper übernahm auch an der zweiten Stelle, an der an diesem sonnigen Morgen Stolpersteine verlegt wurden, an der Oststraße in Kohlscheid, die Ansprache für die wenigen dort Versammelten.

Er erinnerte an den Kommunalpolitiker und Widerstandskämpfer Josef Hark. Zwar konnte wegen der Verlegung der Straße und des Abrisses des Wohngebäudes nicht mehr genau gesagt werden, wo Hark einst lebte. Fest stand aber, dass er aufgrund seiner politisch links gerichteten Gesinnung für das Naziregime zum Staatsfeind wurde. Bei einer vorbereiteten Aktion im Umfeld des Attentats auf Hitler wurde er 1944 verhaftet und ohne Gerichtsurteil ins Sammellager Köln-Deutz gebracht.

Nach der Verschleppung nach Sachsenhausen, starb Hark an den Folgen von Misshandlungen im Konzentrationslager Bergen-Belsen. „Josef Hark war sicherlich jemand, der erkannt hat, dass der Faschismus Deutschland an den Abgrund bringen wird“, sagte Wamper. Bernd Krott und Sofia Sequeira vom Arbeitskreis ehrten das Andenken an den neuen Gedenkstätten durch kurze Worte und das Niederlegen von kleinen Rosengebinden.

(mabie)