Streik betrifft auch Alsdorf, Baesweiler, Würselen und Herzogenrath

Nordkreis : Ausfälle, Überfüllungen, Verspätungen: Im Nordkreis wird gestreikt

Geht es nach den Gewerkschaften Komba und Verdi, so müssen sich auch im Nordkreis die Menschen am Mittwoch auf Einschränkungen einstellen. Dessen ist sich Verdi-Gewerkschaftssekretär Martin Krupp natürlich bewusst. „Es ist für uns kein Spaß, zu Streiks aufzurufen, aber wir haben leider keine andere Wahl“, sagt er unserer Zeitung.

Krupp schiebt bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Arbeitgeberseite den schwarzen Peter zu. Es habe zwei Verhandlungsrunden gegeben — ohne konkretes Angebot. Nun erhöhen die Gewerkschaften den Druck durch Warnstreik. „Wir wollen ein Signal setzen, dass die Kollegen bereit sind, für ihre berechtigten Forderungen einzutreten.“

Die dritte Verhandlungsrunde sei für 15./16. April geplant. „Vielleicht gibt es ja zu Ostern ein Geschenk der Arbeitgeberseite, und es wird endlich ein Angebot gemacht.“ Sollte jedoch vor der nächsten Tarifverhandlung nichts geschehen, seien weitere Warnstreiks nicht auszuschließen. Sollte auch dann noch die Arbeitgeberseite hart bleiben, so könnten die Gewerkschaften einen anhaltenden Erzwingungsstreik anpeilen. Darüber müssten die Gewerkschaftsmitglieder per Urabstimmung entscheiden. Krupp hofft, dass dies nicht nötig wird.

Und womit ist am Mittwoch im Nordkreis zu rechnen? Massiv betroffen sein wird der öffentliche Nahverkehr. So hat die Aseag angekündigt, dass keine Busse fahren können, was sich auf den gesamten Linienverkehr in der Städteregion auswirkt. Und der Schulbusverkehr? Auftragsfahrten der Aseag sollen planmäßig stattfinden. Allerdings gibt Pressesprecher Paul Heesel zu bedenken, dass es hier zu Ausfällen, Überfüllungen oder Verspätungen kommen könne, da nicht absehbar sei, wie sich der Streik auf die Auftragsfahrten auswirke. Grundsätzlich werde der Mittwoch für Kunden der Aseag ein „schwieriger Tag“, sagt Heesel und rät, wenn möglich, auf alternative Beförderungsmittel auszuweichen.

In Herzogenrath bleiben am Mittwoch alle drei städtischen Kitas — Altes Zollhaus in Pannesheide, Villa Kunterbunt in Straß und Am Wasserturm in Merkstein — streikbedingt geschlossen, wie Jugendamtsleiter Bernd Krott auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Eine Gruppe mit 25 Kindern wird zur Notbetreuung in der Kita Wasserturm zusammengezogen. „Aber nur für Kinder, deren Eltern wirklich keine andere Möglichkeit der Betreuung mehr haben“, sagt Krott.

In Würselen sei von den vier kommunalen Kindergärten nur die Kita Heidegarten vom Streik betroffen, wie Stadtsprecher Bernd Schaffrath sagt. Die Erziehungsberechtigten seien vorab informiert worden. Für Eltern, die ihre Kinder nicht anderweitig unterbringen können, werde dort eine Notgruppe eingerichtet. „In der Stadtverwaltung wird es zwar zu Engpässen kommen, aber wir werden versuchen, durch schwerpunktmäßigen Einsatz von Beamten in serviceintensiven Bereichen die Auswirkungen in Grenzen zuhalten.“

Selbstverständlich würden wichtige Funktionen aufrechterhalten, so bei Bedarf der Winterdienst. Auch das Ordnungsamt müsse weiter funktionsfähig bleiben. Das „Ordnungsbehördengesetz“, genauer das Gesetz über Aufbau und Befugnisse der Ordnungsbehörden, regle das generell für alle kommunalen Verwaltungen.

Gewerkschaftssekretär Krupp ergänzt, dass derzeit noch keine speziellen „Notdienstvereinbarungen“ mit Kommunen ausgehandelt worden seien. Das sei bei eintägigen Warnstreiks auch nicht notwendig. Bei länger anhaltendem Arbeitskampf könnte dies noch kommen.

In Alsdorf schließen zwei Gruppen in der Kita Florianstraße und fünf von sechs in der Kita Annapark. Die Eltern sind gebeten, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Beim Eigenbetrieb Technische Dienste hat bisher nur ein Mitarbeiter angekündigt zu streiken. Der Winterdienst werde also nicht leiden — zumal für morgen Plusgrade angekündigt sind. Andere Einschränkungen sind bislang nicht bekannt, wie es hieß.

Laut Bürgermeister-Referentin Birgit Kremer-Hodok werde es in Baesweilers Stadtverwaltung nicht zu größeren Einschränkungen kommen. Zwar streiken einige wenige Mitarbeiter, die Gewerkschaften hätten aber mitgeteilt, dass es kaum Anträge auf Freistellung gegeben habe. Mit einem größeren Ausfall an Mitarbeitern werde erst bei der nächsten Streikwelle gerechnet. Auch beim Bauhof sowie beim Ordnungsamt sei der normale Betrieb sichergestellt.

Wegen der zu erwartenden starken Beteiligung der Beschäftigten muss das Straßenverkehrsamt in Würselen am Mittwoch im „Notbetrieb“ laufen, teilt die Städteregion Aachen mit. So werden alle Bürger mit Anliegen, die aufschiebbar sind, dringend gebeten, auf andere Tage auszuweichen. Es sei zudem mit deutlich höheren Wartezeiten zu rechnen. „Wir haben gerade im Straßenverkehrsamt sehr wenige Beamte und viele Tarifbeschäftigte mit hohem gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Beim publikumsintensivsten Amt unserer Verwaltung werden wir deshalb absehbar keinen normalen Betrieb aufrechterhalten können“, sagt der zuständige Dezernent Gregor Jansen.

Trotzdem werde das Amt in allen Bereichen offengehalten, um dringende Fälle auch tagesaktuell bearbeiten zu können. Hohe Wartezeiten würden sich allerdings nicht vermeiden lassen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Warnstreiks in der Region: Geschlossene Kitas und keine Aseag-Busse

(akk/vm/bea/ks)
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