Straßenschäden auf den Straßen im Nordkreis

Buckelpisten im Nordkreis : Ein Schlaglicht aufs Schlagloch

So schlimm sind die Straßenschäden im Nordkreis

Straßenschäden? Vorhanden. Das war schon vor dem Aufruf unserer Zeitung an die Leser, der Redaktion erheblich beschädigte Straßen im Nordkreis zu nennen, kein Geheimnis. Die Rückläufe waren dann aber doch bemerkenswert.

Zum einen in der Zahl, zum anderen mit Blick auf die Emotionen, die in einigen E-Mails und Kommentaren mitschwingen. In der Gesamtschau spiegeln sie genau das wider, was Dr. Roman Suthold, Leiter Verkehr und Umwelt des ADAC Nordrhein, so zusammenfasst: „Die Lage auf den kommunalen Straßen ist katastrophal. Einzelne Fahrbahnabschnitte sind mit so vielen Schlaglöchern übersät, dass ein Ausweichen teilweise gar nicht mehr möglich ist.“ Der Satz stammt aus einer Pressemitteilung, die ein paar Tage nach unserem Aufruf ins Redaktionspostfach flatterte und noch einmal ein Schlaglicht aufs Schlagloch und seine mitunter sehr unangenehmen Folgen wirft.

Um die Frage, wo es im Nordkreis besonders holprig zugeht, vorwegzunehmen: Spitzenreiter war die Lehnstraße in Würselen. Sie wurde von elf verschiedenen Lesern als üble Schlaglochpiste genannt. Bemerkenswert außerdem: Aus Baesweiler traf keine einzige Meldung über Buckelpisten ein. Nicht ein Hinweis. Ein Fehler wäre es anzunehmen, dass dort besonders günstige Bedingungen für Fahrbahnbeläge herrschen. An dieser Stelle stehen nun aber die Straßen im Fokus, die Leserinnen und Leser uns genannt haben.

In den Rathäusern der Städte fielen die Reaktionen auf die Nachfragen unterschiedlich aus. Man weiß natürlich um die Zustände auf den Straßen, schließlich sind Verwaltungsmitarbeiter bis hin zu den Bürgermeistern in den allermeisten Fällen auch Auto- oder Radfahrer. Konkrete Angaben, ob und wann bestimmte Straßen saniert werden, konnten aber nicht in allen Fällen gemacht werden.

Alsdorf

Aus Alsdorf wurden insgesamt die meisten Straßen gemeldet. Ob dieser Umstand auf das sogenannte „Holländische Verfahren“ zurückzuführen ist, bei dem Straßenoberflächen mit flüssigem Asphalt und einer Schicht Split bedeckt werden, ist unbekannt. In den 80er und 90er Jahren war in der Stadt auf diese Weise eine umfassende Straßensanierung durchgeführt worden, erklärt Bürgermeister Alfred Sonders, und es wurde eine geschlossene Fahrbahnoberfläche erreicht. „Nach nunmehr fast 30 Jahren wird diese Schicht brüchig und ist durch zahlreiche Straßenaufbrüche der Versorgungsträger in Mitleidenschaft gezogen.“

Ohne die Nennung ganzer Stadtteile – einige Leser schrieben, man könne in Mariadorf oder Busch fahren, wo man wolle, und treffe auf Schlaglöcher – waren es 16 Straßennamen, die uns erreichten. Darunter etwa die Von-Beust-Straße, die allerdings nicht in städtischer Baulast liegt. Es handelt sich um eine Privatstraße.

Die Falterstraße (Hoengen) nannten Leser ebenso wie Jakobstraße (Warden) und Sankt-Jöris-Straße (Begau). Alle drei stehen nach Auskunft aus dem Rathaus in den nächsten Jahren für den Erstausbau bzw. als große KAG-Maßnahme an (bedeutet: ein Teil der Kosten wird auf Anwohner umgelegt). Das gelte ebenso für die Feldstraße (Hoengen), die derzeit allenfalls eine Baustraße sei. Dort soll der Erstausbau noch in diesem Jahr starten. Sie war mit fünf Nennungen zugleich die in Alsdorf am häufigsten genannte Straße.

Etliche Straßen im Stadtteil Ofden – Leser meldeten uns Theodor-Seipp-Straße, Alfred-Brehm-Straße, Kressenweg, Geranienweg und Kornblumenweg – sollen in den kommenden Jahren ebenfalls saniert werden. Das ist in einem Konzept festgehalten, das dem Ausschuss für Stadtentwicklung in Kürze vorgestellt werden soll. Sonders erklärte, 90 Prozent der von den Lesern genannten Alsdorfer Straßen fänden sich darin wieder, was bedeutet, dass sie in absehbarer Zukunft in Angriff genommen werden. Sie sind Teil eines Sofortmaßnahmenpakets im Umfang von rund einer halben Million Euro. Bevor dazu genauere Informationen an die Öffentlichkeit gegeben werden könnten, müsse allerdings zunächst die Politik beschließen. Neben den bereits genannten Straßen sind unseren Lesern außerdem besonders die Straße Am Südpark, die Schachtstraße, Langstraße (Hoengen), Marktstraße, Martin-Struff-Straße und die Jahnstraße (Mariadorf) aufgefallen.

Ein Alptraum für Verkehrsteilnehmer: Die Feldstraße in Alsdorf-Hoengen sieht schlimm aus. Foto: Thomas Vogel

Was der ADAC mit Blick auf Straßenreparaturen als „schlampige Flickschusterei“ bezeichne, sei nichts anderes als die Verwaltung der Not, erklärte Sonders. Auch in Alsdorf stand in über 30 Jahren der Haushaltssicherungskonzepte nicht genug Geld für den Unterhalt der Straßen zur Verfügung.

In Alsdorf sind das pro Jahr etwa 311.000 Euro für den gesamten Straßenunterhalt. Darunter fallen alle Arbeiten von der Ausbesserung kleiner Löcher über Bürgersteigreparaturen bis hin zu großflächigen Sanierungsmaßnahmen. „Wenn man bedenkt, dass eine normale Oberflächensanierung mit Abfräsen der obersten Asphaltschicht 40 Euro je Quadratmeter kostet, kann man sich leicht ausrechnen, wie wenig Fläche damit im Jahr erledigt werden kann.“ Von der Gesamtsumme gehen im Jahr rund 120.000 Euro für „Flickarbeiten und unvorhergesehen Kleinmaßnahmen“ ab.

Würselen

In Würselen gibt es eine Prioritätenliste zum Ausbau von Straßen, die vorgibt, in welcher Reihenfolge saniert wird. Die Lehnstraße, wie erwähnt die von unseren Lesern am häufigsten genannte Buckelpiste, steht darauf an zweiter Stelle. Nach Auskunft von Stadtsprecher Bernd Schaffrath soll sie in naher Zukunft von der Klosterstraße bis zur Aachener Straße für rund 1,1 Millionen Euro ausgebaut werden.

Schlaglöcher auf der Jakobstraße in Alsdorf-Warden? Ja, und zwar reichlich. Foto: Thomas Vogel

Sie folgt gleich auf den Ausbau der ebenfalls genannten Kreuzstraße, deren Ausbau (Kosten rund 1,08 Millionen Euro) gerade läuft. „An Steinhaus“ folgt an fünfter Stelle, die Scherberger Straße an achter, gleich darauf die Brunnenstraße an neunter und der Batzkuhler Weg an 20. Stelle. Nicht auf der Liste stehen Nordstraße, Wilhelmstraße und Kaisersruher Straße, die unseren Lesern aber ebenfalls negativ auffielen.

Für kleinere Maßnahmen, so Schaffrath, würde immer wieder der Straßenzug, eine Asphaltiermaschine, eingesetzt. In Würselen haben, wie auch in den anderen Kommunen, die den Straßenverkehr gefährdenden Beschädigungen Priorität. Sie werden unmittelbar beseitigt. Im Haushalt für 2019 sind in Würselen 350.000 Euro für den Straßenunterhalt angesetzt.

Die Kreuzstraße Würselen wird derzeit saniert. Ein Leser schätzte, dass es dort keinen Meter ohne Beschädigung gab. Foto: Thomas Vogel

Herzogenrath

Wann wird die Friedrichstraße in Kohlscheid endlich ordentlich saniert? Eine Frage, die sich Autofahrer bei der Überfahrt sicher schon häufiger gestellt haben. Die Antwort: In den kommenden Wochen geht es los. Baulastträger ist dort nicht die Stadt, sondern das Land, und auf Anfrage bestätigte der Landesbetrieb Straßen.NRW, dass der Auftrag bereits erteilt sei. Was folgt, ist eine Sanierung im Vollausbau.

Auf der Friedrichstraße in Kohlscheid wird in den kommenden Wochen mit der Sanierung begonnen. Im Vollausbau, wie der Landesbetrieb Straßen NRW bestätigt. Der Auftrag sei bereits erteilt. Foto: Thomas Vogel

Zu den anderen Straßen wollte der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda vor den Haushaltsberatungen keine Auskunft geben. Das sei nicht sinnvoll, weil Maßnahmen dort noch zurückgestellt oder vorgezogen werden könnten.

Somit muss vorerst offen bleiben, wann zum Beispiel die „Stoßdämpferprüfstrecke“, wie ein Leser die Römerstraße in Merkstein wahrnimmt, geflickt wird. Oder eine der anderen Straßen, die Leser uns nannten: Kämpchenstraße, Geilenkirchener Straße (Baulastträger: Land), Hauptstraße, Am Waldfriedhof, Hillenberger Straße, Wefelen oder die Kreuzung Bardenberger Straße/Schütz-von-Rode-Straße/Erkensstraße (Baulastträger: Land). Und schließlich auch die Einsteinstraße, über die ein Leser sagte: „Hilfreich wäre, wenn hier mal ordentlich saniert würde, bevor Jesus wieder auf die Erde kommt und Inventur machen wird.“

Kein Fahrvergnügen: Die Einsteinstraße in Kohlscheid ist wegen der löchrigen Fahrbahndecke berüchtigt. Foto: Thomas Vogel

In Herzogenrath stand für den Unterhalt der Straßen in den vergangenen Jahren im Schnitt eine Summe von rund 520.000 Euro zur Verfügung. Ein Großteil der Schäden auf den kommunalen Straßen seien Schlaglöcher, also punktuelle Beschädigungen, die ausgebessert würden, erklärt Migenda. Bei einer Häufung auf einem begrenzten Streckenabschnitt, etwa wegen Netzrissen, werde saniert. Der Neubau einer Straße komme nur infrage, wenn es viele Schäden auf einem kompletten Straßenzug gibt. Das sei vor allem bei alten Straßen am Ende ihrer Nutzungsdauer – in der Regel maximal 60 Jahre – zu beobachten.

Bürger können Schlaglöcher auch direkt bei den Städten melden: in Alsdorf beim Eigenbetrieb Technische Dienste unter 02404/55450250 oder 02404/5545017; in Würselen im Rathaus unter 02405/670 oder im Internet auf https://serviceportal.wuerselen.de und in Herzogenrath auf der Homepage der Stadt (www.herzogenrath.de) über das Kontaktformular oder beim Amt 65 unter 02406/830.

Aus den Rathäusern in Alsdorf und Herzogenrath kam übrigens die Offerte, nach den Haushaltsberatungen noch einmal für ein Gespräch zur Verfügung zu stehen, dann mit konkreteren Angaben über Ob und Wann einer Erneuerung bestimmter Straßen. Wir bleiben dran.

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