Herzogenrath: Straßenbegleitgrün: Genügsamen Stauden gehört die Zukunft

Herzogenrath: Straßenbegleitgrün: Genügsamen Stauden gehört die Zukunft

Im wahrsten Wortsinne „einschneidende Maßnahmen“ gegen die „extrem hohen Aufwendungen für das Straßenbegleitgrün“ hat die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) in ihrem unlängst vorgelegten Bericht zur überörtlichen Prüfung der Stadt Herzogenrath angemahnt.

Aber auch die Politik war schon auf die Idee gekommen, den Aufwand zur Pflege der städtischen Grünflächen mit Blick auf mögliches Sparpotenzial unter die Lupe zu nehmen. Im März war im Zuge der Haushaltsbeschlüsse der entsprechende Auftrag an die Verwaltung ergangen. Und die wartete jetzt mit einem Konzept für Maßnahmen auf, die schon bis zum nächsten Frühjahr umgesetzt werden können. Weitere mittel- und langfristige Sparmaßnahmen (ab Herbst 2017 bis 2021) werden noch erarbeitet und sollen in einer der kommenden Sitzungen des Bau- und Verkehrsausschusses vorgestellt werden.

Im Frühjahr Stiefmütterchen und im Herbst vielleicht Astern: Die auch von der GPA als „heute unüblich“ gekennzeichnete Wechselbeetbepflanzung soll als erstes durchforstet werden. Bisher wurden in allen drei Stadtteilen der Rodastadt insgesamt 45 Standorte — Gesamtfläche 510 Quadratmeter — Grünfläche jeweils im Frühjahr und im Herbst mit jahreszeitlich passendem Wechselflor versehen. Die Anschaffungskosten betrugen rund 7000 Euro pro Jahr. Für Bewässerung, Düngung und Unkrautbeseitigung fielen im Schnitt rund 40 000 Euro an.

Um diese Kosten zu reduzieren, setzt die Verwaltung ab kommendem Jahr auf einmalig zu pflanzende pflegeleichte Staudengewächse respektive die Einsaat von Rasen, wie Thomas Herff vom Fachgebiet Bau und Betrieb darlegte. Wasserarme und standortspezifische Stauden mit Kiesschüttung, gemustert am neuen Kreisverkehrplatz in Dornkaul, sind unter anderem auch auf den bisher üppig bewachsenen Kreiseln am Schleypenhof in Merkstein sowie vor dem EBC angedacht. Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel mahnte hier indes zu bedenken, dass gerade die Kreisverkehre auch die Visitenkarten einer Stadt seien. Er appellierte an alle, „zusammen daran zu arbeiten“, die Kreisel pflegeleicht und dennoch kreativ neu zu möblieren.

Wobei die Verwaltung auf Wunsch der Politik bereits berücksichtigt hat, dass es auch weiterhin Blumenschmuck in der Innenstadt sowie an „repräsentativen, hochfrequentierten Standorten“ gibt. So sollen die Bepflanzungen an folgenden Standorten erhalten bleiben: August-Schmidt- und Ferdinand-Schmetz-Platz, an Burg Rode, rund um das Rathaus inklusive Place de Plérin sowie die Hängekübel in Kohlscheid, Stadtmitte, an der Schütz-von-Rode-Straße, in Noppenberg und an der Wolf-straße. Hecken und Büsche auf Flächen an der Hauptstraße sowie an der Kleikstraße sollen hingegen weichen, zugunsten einer Fortsetzung dort bereits vorhandener Rasenfläche — das alles sei dann „ohne Mehraufwand zu mähen“, wie Thomas Herff darlegte.

An der L 232 sollen die pflegeintensiven Hecken an den Stellen verschwinden, wo dies nach Rücksprache mit der Straßenverkehrsbehörde möglich sei, etwa in Kohlscheid. In Merkstein hingegen komme besagten Hecken noch die wichtige Aufgabe der Lenkung des Fuß- und Radverkehrs zu.

Zudem können im Straßenraum zur Abgrenzung aufgestellte Blumenkübel vielfach durch schlichte Poller ersetzt werden — etwa am Streiffelder Hof, an Lörschpülgen, an der Kirchrather -/Hauptstraße — oder gar ganz entfernt werden, etwa an der Südstraße oder an der Rumpener Straße. Auch kleinere Blumenbeete wie sie sich neben dem „Berliner Bär“ (dem am 6. November 1969 aufgestellten und an die einst geteilte Stadt Berlin erinnernden Meilenstein an der Aachener Straße/Am Beckenberg) oder auf Baumscheiben der Bahnhofstraße finden, sollen zu Rasen mutieren.

Von 510 auf 105 Quadratmeter würden so die Flächen mit Wechselbepflanzung reduziert werden, was eine Kostenersparnis von rund 24 000 Euro im Jahr bringe, wie die Verwaltung errechnet hat. Was in der Politik durchaus positiv aufgenommen wurde: Er habe nun keinesfalls Angst, dass die Stadt künftig kahl werde, sagte Josef Dautzenberg (SPD). Bei den Hecken an der L 232 sei zu bedenken, dass es dort rege Querungsverkehre gebe, mahnte Thomas Kosel (Piraten).

Und Bernd Fasel lenkte den Blick auch noch auf bunte Wildblumeneinsaaten als blühende, aber nur einmal im Jahr zu mähende Alternative zu Rasen respektive die klassischen Sommerblüher: „Das sieht gut aus und ist ökologisch sinnvoll.“

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