Würselen: Steht die Kulturstiftung Würselen vor dem Aus?

Würselen : Steht die Kulturstiftung Würselen vor dem Aus?

Es ist eine schallende Ohrfeige für die Stadt, aber vor allem den Stadtrat von Würselen. Und das kulturelle Leben in Würselen droht um einiges ärmer zu werden. Die Mitglieder des Vorstands der Kulturstiftung Würselen, dessen vierjährige Wahlzeit Ende August ausläuft, wollen nicht weitermachen.

Sie sind zu dem Schluss gekommen, „dass zwischen dem Rat und dem jetzigen Stiftungsvorstand eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht zustande gekommen ist“. Die Spitze der Kulturstiftung sieht sich „nicht in der Lage, dem Rat ein Personaltableau für die nächste Amtsperiode 2018 bis 2022 vorzuschlagen“.

Immer wieder hat die Kulturstiftung Würselen das kulturelle Leben auch mit Aktivitäten im Alten Rathaus (Bild) bereichert. Nun will der über Jahre bewährte Vorstand aus Verärgerung über Stadt und Stadtrat die Stiftung der Kommune „zurückgeben“. Foto: Karl Stüber

Deshalb wurde in der Vorstandssitzung am Donnerstagabend beschlossen, „die Arbeit der Stiftung zum Ende dieser Wahlperiode in die Hände des Rates zurückgeben“. Durch diese frühzeitige Ankündigung entstehe „eine hoffentlich ausreichende Zeitphase, die Stiftung nach den Vorstellungen der zuständigen politischen Gremien der Stadt neu aufzustellen“. Das steht in einem Brief, der nach der Vorstandsitzung Bürgermeister Arno Nelles zugestellt wurde.

Vorschläge erscheinen lästig

Und weiter: „Die Stiftungsorgane werden wir, wie auch alle Förderer der Stiftung, über unsere Entscheidung in Kenntnis setzen. Der Schritt fällt uns nicht leicht.“ Diese Aussage bekräftigen gegenüber unserer Zeitung der Vorsitzende der Kulturstiftung, Achim Großmann, und der Vorsitzende des Kuratoriums, Dr. Erwin Schulz.

Großmann sagte: „Es ist bei mir der Eindruck entstanden, dass bürgerschaftliches Engagement lästig ist“. Dabei habe doch gerade die Kulturstiftung die Stadt Würselen in ihren Aufgaben entlastet.

Wieso ziehen sich bislang äußerst engagierte und erfolgreiche Akteure aus der Vorstandsarbeit zurück? Enttäuschung, lautet die Antwort. „Wir sind selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Organe der Stadt und besonders der Rat die Arbeit ‚ihrer‘ Stiftung mit allen Kräften unterstützen und sich eine verlässliche Kommunikation auf Augenhöhe mit den Verantwortlichen der Stiftung entwickeln würde“, um den großen Erfahrungs- und Wissensschatz dieser ehrenamtlich Aktiven ganz im Sinne von Würselen und seiner Einwohner zu nutzen.

Diese „vertrauensvolle Zusammenarbeit in Wertschätzung“ sei nicht angemessen zustande gekommen. Der Vorstand nennt Beispiele. Im Gegensatz der anfänglich von den Fraktionen signalisierten Zustimmung für den Kauf einer Immobilie für den Verein Kunstakademie sei bei der entscheidenden Sitzung „nur eine hauchdünne Mehrheit“ zustande gekommen. Einige Fraktionen hätten ohne Rücksprache mit der Stiftung das Konzept scheitern lassen wollen.

Bedauerlicherweise sei zudem das vorgeschlagene Konzept zum Kulturzentrum Altes Rathaus nach seiner Vorstellung nicht aufgegriffen worden. Ganz im Gegenteil. Der dann nicht mit der Stiftung abgestimmte Vorschlag habe sich schnell als nicht realisierbar erwiesen und habe völlig überarbeitet werden müssen. „Beim Stiftungsvorstand festigte sich der Eindruck, dass weder Stadtverwaltung noch die Gremien auf die konzeptionelle Arbeit der Stiftung zurückgreifen wollten.“

Das dritte Beispiel liegt nur rund zwei Monate zurück und hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Diesmal ging es um ein zeitaufwändig entwickeltes Konzept im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts, mit dem die Innenstadt aufgewertet werden soll. Zunächst wurde wie vorgeschlagen der Kauf eines nicht mehr genutzten Ladenlokals eines Vollversorgers am Morlaixplatz vom Stadtrat beschlossen, wie Großmann und Schulz in Erinnerung rufen.

Da sich dann aber herausgestellt habe, dass das Gymnasium mit Blick auf die Rückkehr von G8 zu G9 das alte Hauptschulgebäude an der Lehnstraße komplett benötigt und der im ehemaligen Ladenlokal geplante Jugendtreff „Akzeptanzprobleme“ bekam, hätten Stiftung und Verwaltung das Konzept in kürzester Zeit angepasst.

Stolze Bilanz der Arbeit gezogen

Ohne von den Fraktionen vorab zur Meinungsbildung angehört worden zu sein, seien dann im Kulturausschuss „ausgerechnet diejenigen Projekte (Raumbedarf des Kulturarchivs, Erweiterung der Kunstakademie), welche die Kulturstiftung so erfolgreich entwickelt habe, ohne inhaltliche Auseinandersetzung ignoriert worden. „Das ist das Gegenteil von Beteiligungskultur und Wertschätzung ehrenamtlich bürgerlichen Engagements.“

Letztlich sei die Stiftung nur von Bürgermeister Arno Nelles und vom Beigeordneten Roger Nießen unterstützt worden.

Selbstbewusst schaut der (aus-)scheidende Vorstand ungeachtet des Ärgers auf eine stolze Bilanz: „Im Jahr 2010 haben wir eine inaktive, nicht gemeinnützige Stiftung neu belebt, die keinen einzigen Förderer, keine Ziele und keine Stiftungsorgane hatte.“ Aus den Aufbruchjahren habe es ein Vermögen von 70.000 Euro und einen Fonds für Fördermittel von 40.000 Euro gegeben.

Unterm Strich also 110.000 Euro. Mittlerweile sei das Vermögen auf 190.000 Euro verdreifacht worden. Rund 225.000 Euro seien in über 150 Projekte gesteckt worden. Zudem könne die Stiftung auf Fördermittel in Höhe von 70 000 Euro zurückgreifen. „Zu den 110.000 haben wir also zusätzlich knapp 400.000 Euro für die Stiftung eingeworben“, steht im „Abschiedsbrief“.

Die Ergebnisse der Arbeit würden sich „in unserer Stadt“ vielfältig wiederfinden. Nur einige Stichworte: offener Bücherschrank, Kunstakademie, Straßenkunst bei Stadtfesten, Ausstellungen, Kunstroute und Förderprojekte wie Stadtbücherei, Restaurierung und Digitalisierung von Archivalien, Heimatmagazin Schlaglichter, Bücher über Würselen, Internetseiten zum Kulturkalender und Kulturarchiv oder Kooperationsprojekte.

Eine Reaktion der Stadt war noch nicht einholbar. Die Verwaltung war am Freitag auf Betriebsausflug. Auch das muss mal möglich sein.