Herzogenrath: Stefan Kuklik kandidiert für die Piraten

Herzogenrath: Stefan Kuklik kandidiert für die Piraten

Noch vor Beginn der Wahlveranstaltung der Piratenpartei in Roda war es noch nicht sicher, ob Stefan Kuklik auch wirklich der einzige Kandidat für den Bürgermeisterposten sein wird. Doch gut eine Stunde später hatte sich die Ankündigung eines Parteimitgliedes, sich ebenfalls für den Kandidatenposten zu bewerben, in Luft aufgelöst.

Der 45-jährige Herzogenrather durfte sich offiziell mit dem Titel „Bürgermeisterkandidat der Piraten“ schmücken.

Bei 20 Prozent der Wahlberechtigten aus dem Stadtgebiet erhielt er satte 100 Prozent der Stimmen. Zwar sind das in absoluten Zahlen nur drei Mitglieder, die wählen durften, dennoch freute sich der Informatiker über das Resultat. Nach dem Warum seiner Kandidatur gefragt, die ihn im Januar gegen Amtsinhaber Christoph von den Driesch (CDU) und SPD-Herausforderer Dr. Manfred Fleckenstein antreten lässt, hat er eine erstaunlich offene Antwort parat. „Um bei der Kommunalwahl den Piraten ein Gesicht zu geben“, sagt er, denn bisher ist eigentlich nur Kai Baumann als Gesicht der jungen Partei bekannt. „Wahlen werden nicht nur über Themen entschieden, sondern auch über Gesichter“, so Kuklik weiter, der kein Neuling in der politischen Landschaft ist.

Qualifiziert für die politische Arbeit hat er sich schon in den 1990er-Jahren, als er noch zu Studentenzeiten im Allgemeinen Studentenausschuss arbeitete und damals schon unter dem Label „Studierende in Aachen“ für den Öcher Stadtrat kandidierte. Aus der Wahl wurde auch wegen der damals noch geltenden Fünf-Prozent-Hürde nichts, aber aus dem Stand holte die Partei 1,7 Prozent.

Partei ist übrigens ein gutes Stichwort für den gebürtigen Herzogenrather, denn so richtig wiedergefunden hat er sich nach eigenen Worten bei keiner der etablierten Parteien. Bis die Piraten in Form seiner ebenfalls mit Parteibuch ausgestatteten Bekannten und Freunde in sein Leben traten. „Da dachte ich: Ja, jetzt.“ Seit seinem 16. Lebensjahr überlegte Kuklik, ob er in eine Partei eintreten sollte, konnte sich aber aus verschiedenen Gründen nie entscheiden. 2009 kamen die Piraten und damit eine Gemeinschaft, die genau seine Interessen vertreten, wie er zugibt. „Themen, die mir wichtig sind, werden nun auch in anderen Gremien vertreten“, ist er sicher und zeigt vor allem auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte.

Gestoppt hat er nie mit der politischen Arbeit, so war er letzter Betriebsratsvorsitzender der insolventen Elsa und sorgte dafür, dass eine Transfergesellschaft gegründet wurde. Seit 2002 ist er Delegierter der IG Metall Aachen und sieht sich in seinem Beruf als Manager für Qualitätssicherung bei einem Druckerhersteller ebenfalls in der Verantwortung, etwas für die Menschen zu tun.

Beim Themencheck in Roda fallen ihm beispielsweise die Verkehrspolitik und die Situation an den Kindertagesstätten im Stadtgebiet ein. „Das Thema der Finanzierung von Frühstück und Mittagessen in den Kitas ist brandaktuell“, weiß er auch als Vater, der im Elternbeirat der Kita Merkstein organisiert ist. Kuklik spricht sich dafür aus, dass ein auch politisch getragener Ansatz gefunden wird, wie alle Mahlzeiten für die Kinder, die teils aus sozial schwachen Familien stammen, durch eine Mitfinanzierung der Stadt getragen werden können. Und das will er auch im überparteilichen Konsens erreichen, denn außer mit Rechten, ist er für eine Zusammenarbeit mit allen Parteien offen.

„Ich halte nichts davon, im Vorfeld zu sagen, mit welcher Partei zusammengearbeitet wird“, schließt er, alleine die Arbeit im Sinne der Stadt und der Bürger sei wichtig. Dabei könne es in der Sache durchaus schon einmal zu Auseinandersetzungen kommen, doch im Sinne bester politischer Streitkultur geht es für Kuklik nie ins Persönliche. „Denn einen Beschluss, der von einer breiten Mehrheit getragen wird, kann man viel besser vermitteln“, sagt er. Auch wenn diese Mehrheit am Wahltag für ihn aus nur drei Wahlberechtigten bestand, machte das nichts, zeigt es doch auch, dass basisdemokratische Entscheidungen auch zu Wahlergebnissen führen können, die sonst eher anderen Systemen zugeschrieben werden.

(mabie)
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