Alsdorf: Stadtteilgespräch: wenig Konstruktives, aber viel Kritik

Alsdorf: Stadtteilgespräch: wenig Konstruktives, aber viel Kritik

Finale in Alsdorf. Mit dem zehnten Stadtteilgespräch, diesmal in Begau, endete des Bürgermeisters Tournee durch Alsdorf. Zum letzten Mal stellte Alfred Sonders sich den Anregungen aus der Bevölkerung, fragte, wie sich der Ortsteil aufstellen könne, um einer durch den demografischen Wandel geprägten Zukunft gewappnet zu sein.

Wie immer dabei an seiner Seite: Mitarbeiter der Verwaltung und Ansprechpartner des Generationenbüros im Rathaus und Dezernent Stephan Spaltner, der über die Struktur der Begau referierte.

Aktuell (Stand 31. Dezember 2012) leben in der Siedlung 1413 Begauer, davon 831 im sogenannten erwerbsfähigen Alter von 19 bis 64 Jahren: „Begau verfügt damit derzeit noch über eine ausgewogene Einwohnerstruktur, wobei die Anzahl der Senioren mit 354 (etwa 25 Prozent) auffällig ist und dieser Anteil stetig ansteigt.“ Ähnlich wie jüngst in der Broicher Siedlung musste Spaltner aber auch mitteilen, dass wegen der geringen Kinderzahl die örtliche Grundschule nur noch einzügig gefahren werden könne.

Dann hieß es einmal mehr „Feuer frei“ auf den Bürgermeister. Doch bevor die Geschütze in Position gebracht und justiert wurden, gab es Lob — und Applaus der rund 100 ins Pfarrheim gekommenen Einwohner: „Erstmalig traut sich in 40 Jahren ein Bürgermeister ins Dorf“, lobte zunächst noch Georg Lompa. Im Fokus der Kritik dann: der alte Begauer Sportplatz, besser dessen Folgenutzung als Baugebiet. „Anstatt dort die Möglichkeit zu altersgerechtem Wohnen zu schaffen, wurden die Grundstücke in Maklermanier vertitscht“, ereiferten sich Begauer. Und: „Wir sind eine Eigentümer-Siedlung. Unser Gebiet darf nicht kippen. Wir wollen hier keine Mehrfamilienhäuser.“

Lösungen anzubieten auf die Einflüsse des demografischen Wandels — dem eigentlichen Grund des Abends — dafür seien nicht die Siedler zuständig, sondern Politik und Verwaltung.

Damit war die Aussicht, sich doch noch mit diesem Thema auseinander zu setzen, vom Tisch. Stattdessen wurden „Anregungen“ eingebracht: Flexible Betreuungszeiten für die OGS, schließlich müssten zumeist beide Elternteile arbeiten.

Weniger Verdichtung der Siedlung — denn dadurch verlören die eigenen Häuser an Wert. Und: Wenn man schon junge Familien ins Dorf holen wolle, müsse man auch für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, etwa durch einen Bolzplatz. „Hier hat man gepennt“, monierte etwa Michael Schneiderwind. Den alten Sportplatz hätte man zumindest teilweise als Fläche zum Sportreiben nutzen sollen. Auch der „Alte Römerweg“ war einmal mehr Thema. Dortige Anwohner beklagen schon seit Jahren den Durchgangsverkehr von Schwerlaststransportern, Bussen und Schleichwegnutzern. Ein Durchfahrtsverbot für Nicht-Anlieger wurde allerdings ebenso häufig abgelehnt, wie die Forderung ins Rathaus flatterte.

Alfred Sonders konnte einiges klarstellen: „Der Sportplatz war eine Fläche, die nicht mehr benötigt wurde und durch deren Verkauf an die Raiffeisenbank Hoengen werden dort 22 Baugrundstücke angeboten. Es gibt bereits 25 Bewerber. Und dort wird es keine Mehrfamilienhäuser geben.“ Der Erhalt als Freifläche hätte Kosten verursacht, die letztlich alle Alsdorf zu tragen gehabt hätten.

OGS-Öffnungszeiten seien nicht nur in der Begau ein Thema. Hier müsse man Bedarfe und Möglichkeiten abwägen.

Bei der Firma „3 Pagen“, die die Anwohner des Alten Römerwegs als ursächlich für den regen Durchgangsverkehr vor ihren Haustüren ausgemacht haben, wolle Sonders noch einmal vorstellig werden und anregen, ein Schild mit einer Wegbeschreibung zum Unternehmen anbringen zu lassen.

Gegen den Lärm der Autobahn, die an der Begau entlang führe, könne aber auch er nichts machen, musste Sonders kapitulieren.

Eins nahm er jedoch mit ins Rathaus: Der Charakter der Siedlung ist den Begauern sehr wichtig.