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Würselen: Stadtmarketing: Was macht den Reiz von Würselen aus?

Würselen : Stadtmarketing: Was macht den Reiz von Würselen aus?

Was fällt Ihnen zu Würselen außer Martin Schulz ein? Der ehemalige Bürgermeister, Ex-„Mister-Europa“, Ex-SPD-Vorsitzende und Ex-Bundeskanzlerkandidat hat bei seinen öffentlichen Auftritten stets gerne von seiner Heimatstadt gesprochen. Aber was macht Würselen wirklich aus? Warum ist es liebens- und lebenswert dort?

Wie wird Heimat mit Inhalten gefüllt? Ist der Werbeslogan wie „Stadt der Kinder“ nicht zu allgemein und unverbindlich gehalten? Ist die Aussage „Stadt der Jungenspiele“ nicht zu eng?

Alle Fotos: Karl Stüber. Foto: Karl Stüber

Unter den Kommunen herrscht ein harter Wettbewerb um (Neu-)Bürger und Ansiedlung von Gewerbe sowie damit verbundene Arbeitsplätze. Da sind geschicktes Werben und intelligentes Stadtmarketing angesagt. Ziel muss sein, mit den Stärken des Standortes ein positives Image der jeweiligen Kommune zu erschaffen oder zu festigen. Zudem müssen Schwachpunkte erkannt und von der Stadt behoben werden. Beim Stadtmarketing wird die Kommune also zu einem Produkt, das es anderen positiv zu „verkaufen“ gilt. Stadtmarketing gehört zu dem auf Überzeugung zielenden Instrumentarium der Regionalentwicklung.

Was macht Würselen aus? Worin bestehen Stärken und besondere Merkmale? Freies Internet rund ums Rathaus (Bilder im Uhrzeigersinn), der Anspruch Stadt der Kinder, das jährlich von rund 300 000 Gästen besuchte Freizeitbad Aquana und der Flugplatz Merzbrück gehören sicherlich dazu. Das und vieles mehr soll nun in einem Stadtmarketingprozess aufgearbeitet und für ein Werbekonzept genutzt werden. Foto: Karl Stüber

Wie steht es um Stadtmarketing in Würselen? Klare Antwort: schlecht. Es hat zwar immer mal wieder Versuche gegeben, initiativ zu werden, über die Protokolle mit wohlfeilen Absichts- und Zielerklärungen gefertigt wurden.

Alle Fotos: Karl Stüber. Foto: Karl Stüber

Immerhin wurden beim „Stadtmarketingprozess“ im Jahre 2001 unter anderem Projektideen entwickelt. Klar wurde seinerzeit auch, dass zur Verstetigung der Arbeit reines Ehrenamt nicht ausreicht, die Kommune die Federführung übernehmen und einen Koordinator fest installieren muss. Konkretes oder gar Nachhaltiges, zum Beispiel die Einrichtung einer Stelle für einen Stadtmarketingprofi, folgte leider nicht daraus.

Das soll jetzt anders werden. Harald Gerling, altgedienter CDU-Kämpe und aktuell Vorsitzender der Behindertensportgemeinschaft, hat jetzt mit einer Veranstaltung versucht, der Stadt Würselen Beine zu machen. Er knüpfe dabei an alte Zeiten an, in denen er an Aktionen in Würselen beteiligt war.

Gerling lud jetzt zur Kick-Off-Sitzung für die Bildung eines neuen „Arbeitskreises Stadtmarketing Würselen“ ein. Es kamen in dieser Woche weitaus mehr Multiplikatoren als Gerling eingeladen und erhofft hatte, wie er berichtet. Neben dem selbstverständlich eingeladenen Bürgermeister Arno Nelles (SPD) rückten auch gleich Vertreter der Ratsfraktionen mit an — und Nelles setzte sich sogleich an die Spitze der Bewegung, wie er im Nachsatz im Gespräch unserer Zeitung betonte — was Initiator Gerling angemessen findet.

Nelles: „Ich behandele das als Chefsache!“ Es sei bei dem ersten Treffen lebhaft diskutiert worden, durchaus auch kritisch. Neben der Verwaltung und dem Stadtrat soll natürlich auch die Würselener Bürgerschaft zur Vorbereitung einer Imagekampagne mit ins Boot geholt werden, wie Nelles betont. „Wir müssen nun zügig Grundlagen für kommunale Entscheidungen erarbeiten.“

Erstes Zwischenergebnis der Sitzung: Drei Arbeitskreise wurden gegründet. Zum einen geht es um City-Marketing. Hier sind unter anderem Leerstände, Wohngebäude und sozialer Wohnungsbau Themen. In einer zweiten Gruppe soll es um „weiche Standortfaktoren“ wie Tourismus, Sport, Vereine und Kultur gehen. Die dritte Arbeitsgruppe trägt den verheißungsvollen Titel „Smart City“ und soll sich vor allem mit digitalen Projekten befassen.

Allgemein umfasst der Begriff „Smart City“ allerdings weitaus mehr und ist ein Oberbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Kommunen effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. In dem hierfür fallbezogen zu entwickelnden Konzept geht es um technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen. „Smart City“ findet auch bei großen Technologiekonzernen Verwendung.

Nach den Osterferien sollen die drei Würselener Arbeitskreise — deren Leiter bilden die Lenkungsgruppe — ihre konkrete Arbeit aufnehmen. Nach drei Monaten, so Nelles, soll eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.

„Ich kann mir vorstellen, dass wir später eine Agentur mit ins Boot holen und einen Ideenwettbewerb ausloben“, will sich der Bürgermeister im Stadtrat für diese Weiterungen stark machen. Die Hilfe einer Hochschule könnte eingeholt werden. Am Ende könnte ein neues Logo und ein neuer Slogan stehen. Stadtmarketing soll auch einen bezahlten Koordinator erhalten. Ob jetzt in der Verwaltung oder im Umfeld bei einer städtischen Gesellschaft, ließ Nelles noch offen.

Natürlich wissen die Würselener Bürger am besten um Stärken und Schwächen ihrer Stadt, ist den Verantwortlichen klar. Wer sich am Stadtmarketingprozess beteiligen will, ist deshalb nach Angaben von Stadtsprecher Bernd Schaffrath herzlich dazu eingeladen unter www.wuerselen.de. Der direkte Kontakt: Telefon 02405/67351 und E-Mail pressestelle@wuerselen.de.