Sportstättenkonzept Würselen

Ortsvereine sind skeptisch : Neues Handballzentrum am Rand von Broichweiden?

Nach langem Hin und Her sollten die Handballhochburg Broichweiden endlich eine angemessene Hallenstruktur und die Dorfgemeinschaft eine zentrale Begegnungs- und Veranstaltungsstätte am Markt erhalten.

Basierend auf einem Konzept, das die ortsansässigen Vereine tragen, hatte der Stadtrat Würselen Ende vergangenen Jahres die Realisierung beschlossen und entsprechende Mittel in die Haushaltsplanung eingestellt. Nun aber hat die Stadtverwaltung den Vereinen überraschend einen anderen Vorschlag unterbreitet.

Auf einer Ackerfläche neben der ehemaligen Ziegelei Kappertz an der Lindener Straße könnte eine neue Sportstätte entstehen - zumindest teilweise finanziert durch die Vermarktung der Flächen als Neubaugebiet, auf denen sich jetzt die alten Sportanlagen befinden.

Zum HC Weiden fusioniert

Im Prinzip keine schlechte Idee. Bei einem Gespräch, das Beigeordneter Roger Nießen in größerer Runde mit Vereinsvertretern führte, ist er allerdings auf Vorbehalte gestoßen.

Die große Handballhalle an der Parkstraße in Broichweiden ist dringend sanierungsbedürftig. Foto: Karl Stüber

Die Gründe für die Skepsis: Durch Umplanung würde erneut eine jahrelange Verzögerung mit ungewissem Ausgang entstehen. Zudem würde in Broichweiden die Chance vertan, das Zentrum zu stärken. Für den Schulsport sei eine weiter entfernt liegende Halle nicht gut. Broichweiden drohe (nur noch) zur Schlafstätte für Pendler zu werden, die Identität als Dorf ginge verloren. Vertreter der Vereine wollten an dieser Stelle (noch nicht) zitiert werden, weil es bald ein weiteres Gespräch dazu geben soll, das abzuwarten sei.

Zuletzt hatten die Weidener Handballer wichtige Weichen gestellt, um die schon traditionell erfolgreiche Ausübung dieser Sportart zukunftsfest zu machen.

So heißt es in der Vereinsschrift zur Saison 2018/19: Die „Handballbegeisterten beider Vereine“ hätten sich zusammengetan und einen Plan entworfen, „der es ermöglichen soll, auch in den nächsten Jahrzehnten unter veränderten Rahmenbedingungen im Frauen- und Männerbereich einer der führenden Handballvereine der Region zu sein“. Die Handballabteilungen der Vereine TV und Westwacht fusionierten.

Die kleine Sporthalle am Markt soll eigentlich einem Neubau weichen. Foto: Karl Stüber

Der am 7. März daraus hervorgegangene HC Weiden 2018 startete verheißungsvoll. So holte der gastgebende Fusionsclub im August in einem dramatischen Finale gegen Nordrheinligist BTB Aachen den EWV-Cup mit 16:15 nach Siebenmeterwerfen.

Allerdings schämt man sich für Würselen, Gäste und Sportler in einer Halle an der Parkstraße begrüßen zu müssen, die stark heruntergekommen ist. Bereits an der Außenfassade kann der anreisende Sportler oder Fan erkennen, wie der Zustand ist.

Steine brechen aus der Verkleidung, Wasser dringt ein. Ein Gitter schützt vor „Steinschlag“. Bitter im Image-Wettbewerb mit anderen Städten. Auch Schul- und der übrige Vereinssport haben darunter zu leiden. Die kleine Sporthalle ist weitaus übler dran und soll laut vom Rat beschlossenem Konzept abgerissen werden, um einer neuen zu weichen.

Zwischenzeitlich scheinen Verhandlungen, alternativ besagte Ackerfläche an der alten Ziegelei Kappertz, die 1985 geschlossen wurde und deren baufällig gewordener 38,5 Meter hoher Schlot im Januar 2004 gesprengt wurde, etwas ins Stocken geraten zu sein. Die Gespräche zum Ankauf sollen auf Eis liegen, aber das hält bekanntlich frisch - auch Ideen.

Es gibt neben der Chance, gut zu vermarktendes Bauland im Herzen von Broichweiden zu gewinnen, weitere durchaus plausible Gründe, das Hand- und Sportballzentrum am Kreisverkehr (“Kreuzung“ von L223 und B264) neu aufzusetzen. Es würde eine völlig neue und moderne Sportstätte entstehen, die zudem gut angefahren werden könnte, wenn genügend Parkplätze zur Verfügung gestellt werden würden. Dort wäre das Projekt leichter zu bewerkstelligen als am Markt in Broichweiden.

Zudem würde der nun in Rede stehende Standort im wahrsten Sinne des Wortes den in Euchen und Linden-Neusen lebenden Bürgern entgegenkommen. Gerade in Linden-Neusen ist die Gemeinschaft sehr um die Verschönerung und die weitere Entwicklung des Ortes bemüht, so im Zusammenhang mit dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. So wurden zum Beispiel Gestaltungsvorschläge für den Kreisverkehr dort entwickelt. Ein neues Sportzentrum würde für die weitere Entwicklung neue Impulse setzen.