Herzogenrath: Spektakuläre Skulpturen im Kulturbahnhof

Herzogenrath: Spektakuläre Skulpturen im Kulturbahnhof

Gesättigte Sinne darf der Besucher von Kai Richters Werken nicht erwarten. Dennoch vermitteln die mit Zeichnung bedeckten Papier-Collagen und seine skulpturalen Eingriffe in den umbauten Raum dem Besucher des Herzogenrather Kulturbahnhofs eine Kunst-Erfahrung, die nicht so schnell wieder aus dem Gedächtnis verdrängt werden.

Besonders mit seinen raumgreifenden Installation beschert der Schüler des in Aachen lebenden Bildhauers Joachim Bandau den Betrachtern eine Seh-Erfahrung, die sicher zu den spektakulärsten Präsentationen im historischen Stationsgebäude seit langem gehört.

Erscheinungsbild

Spektakulär wirkt Richters Schau in den Räumen des Forums für Kunst und Kultur schon durch das Erscheinungsbild der gezeigten Werke. Sie sind unübersehbar und greifen kräftig in die beiden Säle ein. Der Betrachter kommt einfach nicht um diese Skulpturen herum - schon rein physisch nicht. Ein weiterer frappierender Aspekt kommt hinzu: Kai Richter, der in Düsseldorf wohnt und arbeitet, entwickelt im Kulturbahnhof so etwas wie eine parallele Architektur. So ummantelt er die gusseiserne Säule im größeren der beiden Säle mit einem weit übermannshohen Holzkonstrukt, verdeckt die Architektur und entdeckt sie zugleich.

Flächendeckender wirkt da schon die Kontra-Architektur, die der Gast aus der Landeshauptstadt dem kleineren der zwei Ausstellungsräume einverleibt hat - ein Auf und Ab von Bewegungen, die schon sehr viel von einem autonomen Bau, allerdings einem nicht funktionalen, gemein haben. Da mögen dann auch Gedanken an die völlig anders konstruierten, aber trotzdem wesensverwandten Welten des Biennale-Teilnehmers Gregor Schneider oder an die suprematistischen, völlig für sich und nichts Anderes stehenden Bilder des revolutionären russischen Malers Kasimir Malewitsch aufkommen.

Einerseits Architektur, andererseits Skulptur: Kai Richter präsentiert sich in Herzogenrath als ein Künstler, der nicht so leicht einer Richtung zuzurechnen ist. Das gilt für die Collagen, die zwar im direkten Sinne bezeichnet sind, andererseits aber so über einander geschichtet sind, dass ein räumlicher Eindruck entsteht.