Baesweiler: SPD fordert weiter eine Gesamtschule für Baesweiler

Baesweiler : SPD fordert weiter eine Gesamtschule für Baesweiler

Bei der SPD-Fraktion in Baesweiler gibt es Redebedarf. Zu sehr kollidieren ihre Interessen mit den Entscheidungen der von der CDU mehrheitlich dominierten Gremien. Allen Streitpunkten voran: die Schulpolitik, der Sachstand des Rathauses im Baesweiler Stadtteil Setterich und die Personaleinsparungen im sanierten Baesweiler Hallenbad.

„Einer vernünftigen Weiterenwicklung des Schulsystems verweigert sich die CDU seit Jahren“, sagt Markus Schallenberg, SPD-Fraktionsvorsitzender, der unsere Zeitung zu einem Gespräch einlud. Seine Partei vertritt die Meinung, es sei zukunftsweisend, in Baesweiler zusätzlich zum Gymnasium eine Gesamtschule zu errichten. Die Realschule solle dann auslaufend gestellt werden.

Nachdem die Goetheschule aufgrund zu weniger Anmeldungen im Schuljahr 2015/16 keine Eingangsklasse mehr bilden konnte, pendeln viele Kinder mit Hauptschulempfehlung nach ihrem Übergang auf die weiterführende Schule zu den Haupt- und Gesamtschulen der Nachbarstädte. Andere melden sich auf der Realschule an, denn mit Hilfe des Paragrafen 132c des Schulgesetzes wurde möglich gemacht, dass die Realschule ab Klasse 7 einen Hauptschulzweig einführen kann.

Die beiden Optionen hätten jedoch zwei große Nachteile: „Die Hauptschule hatte ein Lehrer-Schüler-Verhältnis von 1:17,86“, erläutert Schallenberg. Bei der Realschule hingegen käme ein Lehrer auf 20,94 Kinder. Weniger Lehrkräfte müssten also mehr Kinder betreuen. Aktuell hätten 47 Prozent der Kinder in Stufe 6 nur eine eingeschränkte Realschulempfehlung, eine Hauptschulempfehlung oder sogar Förderbedarf. Das bringe das Personal an die Grenze zur Überforderung.

Tobias Römgens, Geschäftsführer des SPD-Ortsvereinsvorstands, merkt an: „Das führt bei den Eltern zur Sorge, dass das Niveau an der Realschule sinkt.“ Viele meldeten ihre Kinder mit Realschulempfehlung deswegen auf dem Gymnasium an. Dort hätte man dann den gleichen Effekt.

Die Idee des Bürgermeisters Dr. Willi Linkens (CDU), die Hauptschule wieder aufzubauen, hält die SPD indes für unrealistisch. Denn diese sei abgeschafft worden, da die Eltern das Angebot nicht angenommen hätten. Auch das Auspendeln sei keine Lösung, betont er. „Gerade den Schwachen legen wir auf, dass sie weite Wege auf sich nehmen oder weniger gefördert werden. Das ist nicht in Ordnung“, sagt Schallenberg.

Deshalb fordert die SPD nun in einem Antrag an den Bürgermeister, eine von der Bezirksregierung angebotene Schulträgerberatung anzunehmen. Die Parteimitglieder stützen ihre Forderung auf eine Studie der Bertelsmannstiftung vom Juli 2017. Diese besagt, dass die Schülerzahlen bis 2030 um acht Prozent ansteigen wird. Ergo: Es sind in Zukunft mehr Lehrer und Klassenräume nötig. Schallenberg: „Wichtig ist es, jetzt zu reagieren, nicht erst in ein paar Jahren.“

Nicht rechtzeitig zu reagieren, wirft die Partei der Verwaltung auch vor, wenn es um das Rathaus in Setterich geht. Das Gebäude ist abgängig. Eine Sanierung wäre zu teuer, deshalb soll es nun abgerissen werden.

„Der Zustand ist das Ergebnis von unterlassener Instandsetzung, sowas kommt nicht über Nacht“, beklagt Schallenberg. In den vergangenen Jahren habe die SPD immer wieder die Einsparungen der Verwaltung im Bereich der Gebäudeinstandhaltung kritisch hinterfragt. Es hätte geheißen, man habe alles im Griff.

Schallenberg sieht das jedoch anders. Man habe den Verfall des Gebäudes abgewartet, bis es wirtschaftlich nicht mehr vertretbar wäre, es weiter zu bewirtschaften, meint er. „Nun sind die Kosten zu hoch. Wir unterstützen die Entscheidung, es abzureißen, zähneknirschend“, sagt er.

Ein Stück Geschichte

Wichtig sei jetzt, wie es mit dem Grundstück weitergeht, an dem ein Stück der Geschichte Setterichs hänge. Die SPD fordert, es nicht an einen privaten Investor zu verkaufen, sondern es für die Allgemeinheit zu nutzen. Sie schlägt vor, den Gebäudeteil der ehemaligen Hausmeisterwohnung zu erhalten und ein Bürgerbüro daraus zu machen, damit vor allem ältere Menschen vor Ort einen Ansprechpartner hätten. Auch ein Vereinsheim oder einen Eingangsbereich zum Park sieht sie als Alternative.

Der dritte Kritikpunkt der Sozialdemokraten beschäftigt sich mit einem Thema, das im letzten Kulturausschuss auf der Agenda stand: „Struktur der Eintrittspreise nach Beendigung der Sanierung“ des Hallenbads in der Parkstraße. Mit der Wiedereröffnung soll der Eintritt „durch den Einsatz eines Kassenautomaten“ geregelt werden, heißt es im Beschlussvorschlag.

Die SPD wirft der Verwaltung vor, „fundamentale Fragen hinter einer Preisdiskussion zu verstecken“. Dass die Arbeitsstelle eines Kassierers wegfalle, darüber habe man nicht gesprochen, sagt Schallenberg. „Wir wollen Arbeitsplätze schaffen, nicht abbauen.“

Grundsatzfrage nicht gestellt

Es mache auch für den Besucher einen Unterschied, ob man einen anonymen Automaten vorfinde oder einen sozialen Ansprechpartner. Das sei eine Grundsatzfrage, die von Seiten der Verwaltung nicht gestellt worden sei, kritisiert er.

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