SKF-Wohngruppe Eckstraße in Alsdorf

SKF Alsdorf : In der Nachbarschaft gut aufgenommen

Das „Jahr der Flüchtlingswelle“ (2015) ist Dieter Forth und Klaus Reinartz noch gut im Gedächtnis geblieben. Der massive Zulauf an Hilfesuchenden hatte einst auch den Sozialdienst katholischer Frauen Alsdorf (SKF) zu Höchstleistungen getrieben.

Auf dem Gelände des mittlerweile abgerissenen Ofdener Gymnasiums hatte der SKF in Kooperation mit dem Jugendamt die alte Hausmeisterwohnung saniert und bezugsfähig gemacht – zehn minderjährige und von den Eltern getrennte Jugendliche fanden oberhalb des Alsdorfer Weihers eine erste neue Heimat.

Drei Jahre sind seitdem vergangen. Mittlerweile ist das Notquartier in Ofden Geschichte. Es gibt eine hübsche neue Wohnstätte im Herzen Alsdorfs. Das ehemalige Büro des SKF in der Eckstraße wurde renoviert und durch einen Anbau erweitert, so dass die „Wohngruppe Eckstraße“ zu Beginn des Jahres ihr neues Zuhause beziehen konnte. Klaus Reinartz hat die Einrichtungsleitung übernommen, Dieter Forth ist weiterhin als Geschäftsführer für das Management des Vereins zuständig.

Internationale Wohngemeinschaft

Neun dauerhafte Wohnplätze bietet die Gruppe – alle sind zurzeit belegt. In enger Abstimmung mit dem Jugendamt wurden die Auflagen für die in Alsdorf einmalige Wohngruppe erfüllt. Das Büro des SKF hat sein neues Quartier auf der Schaufenberger Straße bezogen, die „Eckstraße“ darf sich seit dem 1. Januar offiziell mit dem Titel „Jugendhilfeeinrichtung“ schmücken. Aus der anfänglichen „Clearingstelle“ für minderjährige Flüchtlinge ist eine internationale Wohngemeinschaft geworden. Man hilft sich, wo man kann. Aus einer Schicksalsgemeinschaft ist eine verschworene Gemeinschaft geworden.

Sowohl junge Flüchtlinge als auch junge Deutsche haben Platz gefunden im neuen Quartier. Zwar herrsche laut Reinartz eine gewisse Fluktuation bei den internationalen Bewohnern, dennoch habe sich auffallend schnell ein stabiles Gruppengefühl entwickelt. „Jeder ist für den anderen da. Vor allem die Sprachbarriere wird gemeinsam überwunden, viele haben unheimlich schnell deutsch gelernt“, erzählt Reinartz. Auch in der Nachbarschaft sei die Wohngruppe gut aufgenommen worden. So hätte sich schon die ein oder andere „Freundschaft am Gartenzaun“ entwickelt.

Neben Forth und Reinartz kümmern sich insgesamt sieben pädagogische Fachkräfte sowie eine Hauswirtschaftlerin um die Belange in der Wohngemeinschaft. Besonders wichtig ist den Verantwortlichen die Anbindung der Bewohner an außerschulische Aktivitäten. Beispielsweise haben Bewohner bereits beim JSV Alsdorf eine fußballerische Heimat gefunden. „Wir sind gut gestartet und haben die Situation von der ersten Minute an gemeistert“, bilanziert Forth. Als Auftrag der Einrichtung sieht er „die ganzheitliche Integration in ein umfassendes soziales Umfeld“.

Zehn erfolgreiche Monate

Eng verknüpft ist die Wohngruppe außerdem mit weiteren Maßnahmen zur Unterstützung. Volljährige machen zum Beispiel den nächsten Schritt zur Verselbstständigung in einer der vom Verein geförderten „Trainingswohnungen“. Hier gibt es dann keine „stationäre“ Betreuung, vielmehr werden die Bewohner behutsam und mit pädagogischer Hilfestellung in die Selbstständigkeit entlassen. Zehn erfolgreiche Monate kann die Eckstraße nun vorweisen. Für Forth und Reinartz sei es darüber hinaus wichtig, für das funktionierende Prinzip auch interkommunal zu werben.

(yl)
Mehr von Aachener Nachrichten