Orchester der Städteregion : Sinfonietta Regio begeistert mit majestätischen Klängen

Orchester der Städteregion : Sinfonietta Regio begeistert mit majestätischen Klängen

Die Sinfonietta Regio, Orchester in der Städteregion Aachen, hat in ihrer 20-jährigen Geschichte einige Umbrüche erlebt. Zunächst hervorgegangen aus dem ehemaligen Orchester der Stadt Alsdorf und unter der Leitung des damaligen inspirierenden Dirigenten weitergeführt, kam es dann auch hier 2008 zu einem weiteren Einschnitt.

In dem in Eschweiler lebenden britischen Dirigenten Jeremy Hulin, vormals unter anderem Leiter des Aachener Theaterchores, fand das von einigen Profis unterstützte Ensemble hochmotivierter Amateurmusiker einen Mentor, der neue wichtige Impulse setzte und weitere Fähigkeiten des Orchesters freisetzte.

Neue Formate wie Konzerte in Schulen und für Schüler („Gib mir ein A“), Musik vor dem Hintergrund eingebeamter Gemälde und die Zusammenarbeit mit Chören fanden große Beachtung.

Beim jüngsten Konzert gab es zwar keine eingebeamten Bilder zu sehen, aber dennoch „Landschaften“ zu hören. Denn unter diesem Motto gastierten die Schützlinge von Jeremy Hulin im fast ausgebuchten Foyer des Städtischen Gymnasiums Baesweiler, dessen Direktor Wilhelm Merschen seit „Urzeiten“ Bratschist in der Sinfonietta und ihrem Vorgänger-Orchester ist.

Doch auch andere Routiniers wie Heinz Boveleth, Beatrix Goebbels, Günter Mänz oder Michael Weber waren wie immer dabei. Aufgemischt und aufgefrischt wurde das Orchester in den Vorjahren auch durch viele junge Musiker, die ebenso hungrig nach Konzertauftritten sind, wie die Altvorderen immer noch. Die Landschaften, welche die Sinfonietta Regio in sanften und majestätischen Tönen, in melancholischen und silbernen Farben malten, waren Skandinavien (genauer: Finnland) und Tschechien beziehungsweise in altem Sprachgebrauch Böhmen.

Den Beginn machte die Sinfonietta mit der Karelia-Suite des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius. Neben der Landschaft mit ihren tiefen dunklen Wäldern besangen die Streicher und Bläser auch die Geschichte des Landes, das wechselweise und in Teilen zu Schweden, Finnland und Russland gehörte. So hörte man aus der Musik auch Märsche und militärische Belagerungen heraus. Der weiche Klang des Englischhorns entführte derweil auf das Schloss König Karls VIII und in die Welt des spätmittelalterlichen Minnesangs.

Prächtig dann auch die Interpretation der bekannten sinfonischen Dichtung „Die Moldau“ von Bedrich Smetana. Das Orchester verwandelte die Lebensader Böhmens von einem lieblich dahinfließenden silbernen Fluss in einen gewittergetriebenen Strom, ließ alte Sagen und Mythen auf seiner Wegstrecke hörbar werden.

Höhepunkt nach der Pause

Nach der Pause setzte es dann noch einen weiteren Höhepunkt: Wohl erstmals überhaupt in unserer Region war die Sinfonie Nr. 7 in d-moll von Antonin Dvorak zu hören. Zwar nicht so berühmt wie Dvoraks 9. Sinfonie (Aus der Neuen Welt), lieferte sie dennoch ein gewaltiges Panorama böhmischer Landschaft und böhmischer Musikalität. Die Sinfonietta mit ihrem samtenen Orchesterklang ließ sie zu einer wunderbaren Verbindung von deutsch-österreichischer Sinfoniestruktur und tschechischer Volksmusik-Motive werden. Der Beifall des Publikums endete erst, als die Sinfonietta eine Zugabe aus der Moldau zum Besten gegeben hatte.

Wer das schöne Baesweiler Konzert verpasst hat, kann dieses Versäumnis am nächsten Sonntag, 23. September, 17 Uhr, in der evangelischen Auferstehungskirche Aachen Am Kupferofen 19 wieder wettmachen.

(jope)
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