Siedlergemeinschaft Alsdorf-Ofden: Jeder kann etwas für Artenschutz tun

Siedlergemeinschaft Alsdorf-Ofden : Jeder kann etwas für Artenschutz tun

Artenschutz ist wichtig und geht jeden etwas an. Das finden auch die Bewohner von Ofden und rufen die Gemeinschaft auf, aktiv gegen das Artenschwinden anzukämpfen. Das gelingt schon mit einfachen Methoden und einem Wettbewerb.

Der Natur zu lauschen, ist deutlich schwieriger geworden. Das liegt keineswegs an mit zunehmendem Alter schwindender Hörfähigkeit. Vielmehr zwitschern deutlich weniger Vögel in den Gärten. Ebenso sind durch die Luft schwirrende Insekten rar geworden. Das ist Harald Richter erst jetzt so richtig aufgegangen, seitdem er als (Noch-)Frischling unter den Rentnern endlich mal durchatmen und die Ruhe in seinem Wohnort Ofden genießen kann.

Aber diese Ruhe droht zur Stille zur werden. Und der Weg zum Nichts wirkt alarmierend. Richter: „Man kann nicht einfach daheim sitzen und zugucken, wie der Planet kaupttgeht.“ Motiviert, etwas zu unternehmen, fühlt sich nicht nur Richter, sondern auch Hans-Jürgen Dziwisch, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Alsdorf-Ofden, und der in diesem Stadtteil lebende Biologe Prof. Dr. Hans Toni Ratte. Von Schwund betroffen sind nicht nur Vogel- und Insektenwelt, sondern auch Igel, Fuchs und andere, die sich immer seltener bemerkbar machen.

In einem Flugblatt, das in der Siedlung verteilt wurde, hat Dziwisch geschrieben: „Die Siedlung ist leiser geworden.“ Die persönliche Eindrücke würden durch aktuelle Studien bestätigt. Bis zu 75 Prozent weniger Insekten wurden festgestellt. „Aber jeder kann mit einfachen Mitteln etwas aktiv gegen den Artenschwund tun.“

Auch wenn die Gärten in der Siedlung Ofden eher klein seien, so könnten sie doch in ihrer Gesamtheit einen guten Beitrag zum Artenschutz leisten, haben die Protagonisten der „neuen Bewegung“ alle Ofdener zum Auftakt einer ganzen Reihe von Aktivitäten zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, zu der natürlich auch Interessierte von außerhalb herzlich willkommen sind. Gastgeber ist der Ofdener Kleingartenverein „Kiesacker“, der sein Vereinsheim dafür am Abend des 11. Oktober zur Verfügung stellt.

Wer Löwenzahn Raum gibt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Foto: imago images / blickwinkel/S. Derder;via www.imago-images.de

Ratte wird über Artenschutz referieren. „Es soll aber 2020 weitergehen mit Aktionen der Siedlergemeinschaft rund um Artenschutz und andere ökologische Fragen“, will Dziwisch neugierig machen. Die Voraussetzungen dafür seien gut. „Wir Ofdener sind durch unsere Gärten und durch das Broichtal nah dran an der Natur. Fast jedem von uns gehört ein kleines Stück Natur. Was Großstadtbewohner nur aus den Medien erfahren, erleben wir hautnah von der Terrasse aus oder beim abendlichen Spaziergang“, weist die Siedlergemeinschaft daraufhin, dass man vergleichsweise noch gut dran ist.

Wirksame Methoden gegen Artenschwund seien unter anderem das Aufstellen von Vogelhäuschen mit Ganzjahresfütterung, das Aufhängen von Insektenhotels oder das Anpflanzen von Vogelschutzgehölzen und Blühwiesen.

„Es muss ja nicht gleich ein Bienenstock sein“, sagt Ratte, der Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Bardenberg-Alsdorf ist, der jedoch Mitglieder aus dem ganzen Nordkreis hat. 60 sind es an der Zahl. Dass natürlich in seinem Garten Bienen bestens vertreten sind, versteht sich von selbst.

Ratte begrüßt ausdrücklich, dass die Stadt Alsdorf einen Wettbewerb zur naturnahen Gestaltung von Vorgärten gestartet hat, um ein Zeichen gegen die „Verwüstung“ durch Steingärten zu setzen. Bislang seien 20 Beiträge eingegangen. Die drei Bestplazierten erhalten insgesamt 500 Euro – und jeweils ein Glas Honig von Imker Ratte. Ein Teilnehmer habe seinen grauen Schotter wieder abgeräumt. „Naturschutz muss Biotopschutz sein. Wenn der Lebensraum stimmt, dann finden sich dort auch wieder eine Reihe von Arten ein“, sagt der Biologe. Er rät unter anderem dazu, dem Löwenzahn Raum im heimischen Garten einzuräumen.

Ofden zählt mittlerweile rund 3500 Einwohner. In ihren besten Zeiten hatte die Siedlergemeinschaft 700 Mitglieder, jetzt sind es noch 300. Viele sind über 70 Jahre. Aber mittlerweile kommen wieder Jüngere hinzu. meist Neubürger. Geboten werden zum Beispiel Kurse im Beschneiden von Bäumen.

„Mit unserer Aktionsreihe geht es um die Grundidee der Siedlergemeinschaft“, sagt der Vorsitzende: gelebte Solidarität, diesmal in Sachen Natur. Man hilft sich. Wer aktiv wird, kann für kleines Geld auf einen gehegten und gepflegten Werkzeugpool zurückgreifen. Selbst ein Gerüst befindet sich im Fundus. „Wir wollen uns auch bewusst an die Neubürger wenden, die auf dem Gelände des ehemaligen Gymnasiums und der Realschule ihre neue Heimat finden“, nennt Richter eine wichtige Zielgruppe.