Settericher in Baesweiler Friedenskirche herzlich aufgenommen

Kirche in Setterich entwidmet : Trotz Verlust keine Angst vor Zukunft

Mächtiger Glockenschlag, Wehmut und Trauer in den Gesichtern – aber auch tröstliche Aufbruchstimmung begleitete den Auszug der evangelischen Christen aus der Settericher Gnadenkirche. Seit Sonntag ist das Gotteshaus der Protestanten entwidmet. Die Settericher „Evangelen“ ziehen räumlich nach Baesweiler in die Friedenskirche um.

Dort wurden sie nach dem letzten Gottesdienst in „ihrer“ Kirche herzlich empfangen.

Zuvor hatte es viele intensive Worte des Abschieds gegeben. Von der Settericher Gemeinde – die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt – war diese letzte Stunde würdig gestaltet worden. Fest an den Händen hielten sich beispielsweise Andreas und Sonja Biemel. „Wir sind hier vor 40 Jahren getraut worden“, machte sich bei den beiden Setterichern unterschwellige Trauer breit.

Der abschließende Gottesdienst, den Superintendent Hans Peter Bruckhoff und Setterichs Pfarrer Ulrich Schuster leiteten, wurde auch vom Stefan-Ludwig-Roth-Chor unter Leitung von Hanns Scheilen sowie Kirchenmusiker Tobias Koltun an der Orgel mitgestaltet. Dabei rührten Scheilens Sängerinnen neben sakralem Liedgut auch mit einem Popsong der niederländischen Gruppe „Cats“. „One Way Wind, leise flüstern die alten Bäume“, ging ganz nah. Pfarrer Ulrich Schuster stellte in seiner Abschiedsrede unter anderem heraus: „Wir nehmen Gott sei Dank nur Abschied von einem Gebäude und nicht von der Kirche.“ Ulrich Schuster ergänzte, „natürlich erweckt das Trauer bei uns allen. Aber Trauer muss sein. Denn wer nicht trauert, der hat auch nie geliebt“.

Bei allem Schmerz über den Verlust der „eigenen“ Kirche war aber spürbar, dass sich die Protestanten nicht vor der Zukunft fürchten. Obwohl jeder mit seinen persönlichen Gefühlen kämpfen musste.

Angekommen: Die Altarbibel der Settericher Gnadenkirche hat ihr neues Zuhause in der Baesweiler Friedenskirche. Presbyter Peter Krüger überbrachte sie, links Baesweilers Pfarrer Jochen Gürtler. Foto: Sigi Malinowski

Superintendent Hans Peter Bruckhoff verschwieg die Probleme der Kirche nicht, indem er sagte, „der Abschied von unserer Kirche ist auch das Eingeständnis, wir haben es nicht geschafft unsere Kirche zu halten“. Die Botschaft des Tages sei es, „es bleibt keine Zeit den Kopf in den Sand zu stecken“. Bruckhoff: „Jedes Ende hat einen Anfang“. Außerdem gab er der nach Baesweiler wechselnden Gemeinde mit, „das Innere dieser Kiche ist das Wertvolle, nicht das Gemäuer. Diese Kostbarkeit nehmen wir mit“.

Presbyter Peter Krüger nahm die letzte Amtshandlung in der Gnadenkirche auf und trug die Altarbibel hinaus, um sie am Altar der Friedenskirche dauerhaft abzulegen.

Friedenskirchen-„Hausherr“ Jochen Gürtler bereitete den Setterichern gemeinsam mit den Baesweiler und Siersdorfer Christen einen herzlichen und warmen Empfang. Gürtler verhehlte seine Freude über den „Zuwachs“ nicht, auch wenn er unterstrich: „Wir wissen, dass das heute ein schwerer Tag für Sie ist“. Gürtler berichtete zum Willkommensgottesdienst aus Gesprächen mit einem Settericher Gemeindemitglied, das sich erinnerte „noch die Steine zum Bau der Gnadenkirche geschleppt zu haben“. Gürtler: „Schöne Erinnerungen an die Kirche gehören ins Herz und nicht in das Gebäude“. Er betonte auch, „Erinnerungen und das Wort Gottes haben eins gemeinsam. Man kann sie nicht anfassen“.

Spürbar war dann auch, das sich die drei Fusionspartner gemeinsam an den Händen fassen und auf die Zukunft bauen möchten.

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