Herzogenrath: Sebastian Coors: Ein Salonlöwe führt in die Ära der 20er Jahre

Herzogenrath : Sebastian Coors: Ein Salonlöwe führt in die Ära der 20er Jahre

Es war die angenehme „Wohnzimmer-Atmosphäre“, die diesen außergewöhnlichen Musikabend zu einem besonderen Erlebnis machte. Als Sebastian Coors im eleganten Zwirn zusammen mit seinem Pianisten und Gesprächspartner Norbert Lauter die kleine Bühne im Saal der Burg Rode betrat, wehte ein Hauch der goldenen 20er Jahre durch das historische Gemäuer.

Fasziniert hat Coors der Stil dieser Ära schon lange. Zusammen mit seinem Co-Autoren Lauter hat er sein kabarettistisches Schaffen mit der Eleganz und Leichtigkeit der Vorkriegszeit versehen — ohne dabei antiquiert oder gar altmodisch zu wirken. Vielmehr verarbeitet er mit spitzer Feder und fester Stimme hochaktuelle Themen zu einem Medley der modernen Comedy-Praktiken. Ob Stand-Up, Kabarett oder Poetry-Slam — alle diese Formate finden ihren Platz in der neu geschaffenen „Salonlöwencomedy“.

Der alltägliche Wahnsinn macht beispielsweise auch keinen Halt vor den heimischen vier Wänden. Wenn der Beamtenvater endlich in den verdienten Ruhestand geht, heißt es laut Coors: „Mein Vater spielt Theater — das bringt mich zum Psychater.“

Die einzelnen Sologesangsstücke werden erschaffen durch ein Mosaik an Wortspielen, fein abgestimmten Reimen und gewollten Missverständnissen. Anders als beim klassischen Kabarett waren die Lieder eine einzige, fortlaufende Pointe.

Das Konzert wurde nur gelegentlich von den Spitzen des designierten Side-Kicks Lauter „unterbrochen“. In schreiend komischen und bisweilen bizarr anmutenden Dialogen brachten sich die beiden „Kontrahenten“ gegenseitig an den Rand einer Krise — um dann doch in geeinter Genialität das Publikum zu begeistern. Lauter zeigte seinem Chef und „dessen“ Publikum dann noch in einer melancholisch-komödiantischen Ballade sein eigenes Gesangsvermögen.

Im ewigen Wettstreit

Im ewigen Wettstreit mit dem wiederbelebten Schlager-Pop der letzten Jahre bat Coors sein Publikum augenzwinkernd nur um eine Sache: „Bitte verfallen Sie nicht in rhythmisches Klatschen. Ich sehe schließlich nicht aus wie Florian Silbereisen.“

Wolfgang Schmitz, Vorsitzender des Kuratoriums des Burg Rode e.V., freute sich über den Besuch des Preisträgers des Rösrather Kabarettfestivals 2017: „Eine solche Performance passt perfekt auf die Burg. Witz und Eleganz haben sich als perfekte Einheit präsentiert.“ Mit Rücksicht auf andere Aktivitäten der potentiellen Gäste hatten die Verantwortlichen den Beginn der Veranstaltung auf 20 Uhr gelegt. Dass trotzdem „nur“ knapp dreißig Leute den Weg gefunden hatten, lag mit Sicherheit nicht an Coors. Natürlich ist die Anzahl ausbaufähig, denn fest steht: Viele haben an diesem Abend etwas Außergewöhnliches verpasst.

(yl)
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