Herzogenrath: Schwimmvereine hoffen auf die neue Halle

Herzogenrath: Schwimmvereine hoffen auf die neue Halle

Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und sind zusammengerückt, der Kohlscheider Schwimmclub (KSC) und der Herzogenrather Schwimmverein (HSV). Mit dem gemeinsamen Euregio Swim Team fahren sie durchaus Erfolge ein. Doch wie lange kann das noch gutgehen?

Rund 230 von 570 Mitgliedern hat der KSC verloren, seit im Jahr 2014 die Kohlscheider Halle geschlossen werden musste. Beim HSV war der Rückgang lange nicht so stark, wie Vorsitzender Axel Amelung unserer Zeitung darlegt, bis zum vergangenen Jahr war die Zahl von 232 kontinuierlich auf 205 gesunken, aktuell sind es 211. „Der Aderlass war in Kohlscheid natürlich dramatisch, dort hat es auch schon vier Jahre lang keine Schwimmkurse mehr geben können“, erklärt Amelung. „So etwas erschüttert jeden Verein bis ins Mark.“

So hoffen Rodas Schwimmer, dass das zurzeit genutzte, aber ebenfalls in die Jahre gekommene Becken an der Bergerstraße in Mitte noch „durchhält“, wie Amelung es ausdrückt, bis der geplante Neubau einer zentralen Schwimmhalle fertig ist. Bis dahin allerdings, so befürchtet Amelung, würden wohl weitere fünf Jahre ins Land gehen. „Was für Kohlscheid bedeutet, fast zehn Jahre lang kein Lehrschwimmbecken gehabt zu haben.“ Neben den negativen Auswirkungen auf den KBC verweist Amelung auf den hohen logistischen Aufwand fürs Schulschwimmen.

Dass das neue Hallenbad so schnell wie möglich gebaut wird, formuliert Amelung daher als das Ziel, das über allem anderen in der Bäderlandschaft schwebe.

Was den Standort angeht, so gibt der angestammte HSVler zu, dass da durchaus zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Doch nach Abwägen aller Umstände sei der allgemein favorisierte Acker an der Roermonder Straße, Höhe Forensberg, sicher der beste Kompromiss: auf der grünen Wiese, ohne Interessenkonflikte mit Anwohnern, ohne die Bodenprobleme, die in Mitte (Erosion) oder an der Zellerstraße (Altbergbau) dräuen. „Besser wäre schon ein Standort in der Nähe eines der Bahnhöfe gewesen“, sagt Amelung. Etwa in Kohlscheid, wie es unter anderen auch Grüne und Piraten gerne gesehen hätten. Doch handele es sich hier um ehemaliges EBV-Gelände und niemand wisse genau, wie man den jetzigen Besitzer im Ausland ausfindig machen könne. Unwägbarkeiten, die — genau wie eine Bodensanierung — zu viel Zeit kosten.

Um eine schnelle, aber auch für die kommenden Jahrzehnte verlässliche Bäderlösung geht es den beiden Schwimmvereinen. Und dem Stadtsportverband, der jetzt im Namen aller schwimmsporttreibenden Vereine in der Stadt — dazu gehören auch noch die DLRG, die DJK Elmar Kohlscheid und die VSG Kohlscheid — eine gemeinsam erarbeitete Anregung in Ergänzung zum Bäderkonzept vorgelegt hat. „Für das breite Nutzerspektrum aus Schulen, Bürgern und Vereinen gibt es nicht den optimalen Standort in Herzogenrath“, heißt es auch hier über den „Kompromiss“ Forensberg.

Es folgt die gewünschte, teils als „unverzichtbar“ deklarierte Ausstattung des neuen Bads: So sollte das große Becken die Ausmaße von 25x16,60 Metern haben, damit Jugendtraining und öffentlicher Badebetrieb parallel stattfinden können. Eine Sprunganlage (drei Meter) ist aus Ausbildungsgründen unerlässlich. Die Schwimmer raten dabei zu einer starren Rampe, damit niemand im Sprung hochfedern kann. Das in der neuen Halle separat geplante Lehrschwimmbecken für den Stadtteil Kohlscheid sollte eine Wasserfläche von 180 Quadratmetern haben und mit einer Bodenschräge versehen sein. Die andiskutierte Installation von Hubböden erachten die Schwimmer für verzichtbar. Amelung: „Ein Hubboden ist teuer, und jedes zusätzliche Stück Technik kann kaputt gehen.“ Mit einem schrägen Beckenboden lasse sich die nötige Sprungtiefe darstellen.

Ein Kleinkindbecken und eine Textilsauna begrüßen die Schwimmer, sehen sie aber „mit nachgeordneter Priorität“. Bei der Präsentation durch die beauftragte Fachfirma GMF aus Neuried war beides als publikumswirksam angeraten worden. In Sachen Gastronomie regen die Schwimmer an zu prüfen, ob eine „externe“ Lösung möglich sei, etwa durch Ansiedlung eines „Mini-Supermarkts“, womit man auch „außersportliche Synergieeffekte“ erzielen könne. Zur Verbesserung von Verkehrsanbindung und Frequentierung des Bads können sich die Sportler einen „Expressbus“ vorstellen. Der zweite Tipp in Sachen Besucherzahlen folgt auf dem Fuße: „Subventionierte jugendliche Besucher sind die Vollzahler von morgen.“

Verlässlichkeit bedeutet für die Sportler auch drei langfristig funktionstüchtige Lehrschwimmbecken (LSB), um alle drei Stadtteile abdecken zu können. Doch das 1962 errichtete Becken an der Leonhardstraße, Amelung nennt es „Problemkind“, sei komplett sanierungsbedürftig. Da stelle sich die Frage, ob ein LSB-Neubau in Mitte nicht wirtschaftlicher wäre.

Abschließend erteilen Rodas Schwimmsportler noch eine klare Absage in die Nachbarstadt: „Eine in Würselen aufgebrachte Diskussion über ein interkommunales Schwimmbad mit Herzogenrather Beteiligung findet keine Zustimmung.“

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